Die Arbeiterbewegung und die soziale Frage

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Die Arbeiterbewegung und die industrielle Revolution

Die industrielle Revolution provozierte die Geburt einer neuen sozialen Klasse: das Proletariat. Die Arbeiter in den Fabriken standen der Bourgeoisie gegenüber, welche die Medien und Produktionsmittel besaß. In dieser Zeit entstanden die Ideologien des Proletariats: der Marxismus und der Anarchismus.

Der utopische Sozialismus

Zu den Vertretern des utopischen Sozialismus gehörten in erster Linie französische und englische Philosophen. Ihre Theorien waren oft von unrealistischen Annahmen getrieben und wiesen nur wenig systematische oder wissenschaftliche Bearbeitung auf.

  • Saint-Simon: Ein französischer Unterstützer der Solidarität zwischen den Klassen. Er strebte eine Gesellschaft an, die auf Arbeit und Aktivität basiert, im Gegensatz zu einer „faulen“ Gesellschaft.
  • Fourier: Er schlug industrielle Genossenschaften vor, in denen Arbeiter tätig sind und studieren. Dieser Philosoph war von großer Bedeutung für die Erziehung des Proletariats.
  • Owen: Ein englischer Schöpfer von Arbeitergenossenschaften, der unter anderem in den Vereinigten Staaten neue Modelle (wie New Harmony) gründete.

Der wissenschaftliche Sozialismus

Begründet von Karl Marx und Friedrich Engels, wurde diese Lehre im „Manifest der Kommunistischen Partei“ niedergeschrieben. Sie wird als Materialismus bezeichnet, wobei der historische und dialektische Materialismus die theoretische Form des Marxismus bildet.

Aspekte des historischen Materialismus

Bei Marx gibt es drei wesentliche Punkte:

  1. Der Klassenkampf als Motor der Geschichte.
  2. Die Ausbeutung der Arbeiter und deren prekäres Leben.
  3. Die sozialistische Diktatur des Proletariats als Übergang.

Der Klassenkampf zog sich durch die Geschichte: Sklavenhalter gegen Sklaven, Feudalherren gegen Bauern und schließlich Bourgeoisie gegen Proletariat.

Gesellschaftlicher Wandel

Durch den Klassenkampf soll die Gesellschaft der Bourgeoisie überwunden werden. Das Ergebnis ist ein gesellschaftlicher Wandel, bei dem die Bourgeoisie verschwindet und ein Staat des Proletariats entsteht.

Der Anarchismus

Der Anarchismus wurde maßgeblich vom Russen Michail Bakunin geprägt. Für diesen Autor ist es notwendig, dass das Individuum in Freiheit wächst und sich entwickelt. Er strebte eine klassenlose und staatenlose Gesellschaft an – ohne Religion und ohne Armee. Anarchisten begünstigen das Gemeineigentum und die allgemeine Selbstverwaltung (Autogestion). Obwohl der Anarchismus die Kollektivierung des Bodens forderte, fand er vor allem unter Bauern Anhänger. Es entwickelten sich Strömungen wie der Anarchosyndikalismus sowie politische Attentate.

Organisation der Arbeiterschaft

Dank fähiger Führer und Denker verbreiteten sich die Ideologien. Es kam zur Bildung von Gewerkschaften, Arbeiterparteien und internationalen Organisationen. Die Gewerkschaften waren anfangs Unterstützungsvereine auf Gegenseitigkeit, in denen Arbeiterbeiträge genutzt wurden, um schwierige Situationen wie Krankheit, Tod oder Streiks zu überwinden.

Die Internationalen

Im Jahr 1864 wurde in London die Internationale Arbeiterassoziation (AIT) als Erste Internationale gegründet. Marx und Bakunin standen sich hier als Anführer gegenüber, insbesondere in der Frage der politischen Beteiligung des Proletariats. Die Internationale wurde 1876 aufgelöst, auch infolge der Repression nach der Pariser Kommune von 1871. Die siebziger Jahre brachten die Bildung sozialistischer Parteien. In der Zweiten Internationale kam es zum Konflikt zwischen Anhängern der Revolution und Verteidigern schrittweiser Reformen.

Die Klassengesellschaft

Die Klassengesellschaft ist eine Organisationsform des industriellen Zeitalters, die auf wirtschaftlicher Ungleichheit basiert.

  • Die wohlhabenden Klassen: Sie setzten sich aus dem Adel, Bankiers, Großindustriellen und Spekulanten zusammen.
  • Die Mittelschicht: Sie wuchs mit der wirtschaftlichen Entwicklung. Zu ihr gehörten Lehrer, Juristen, Wirtschaftswissenschaftler, Ingenieure, Architekten und Ärzte. Auch kleine Händler und Handwerker (Kleinbürgertum) zählten dazu.
  • Die städtische Arbeiterklasse:
    • Beschäftigte des tertiären Sektors und Handwerker.
    • Industriearbeiter in Textilfabriken, während viele traditionelle Werkstätten ruiniert wurden.
    • Proletarier: Industriearbeiter, die an Maschinen arbeiteten, welche keine besondere Geschicklichkeit erforderten. Hierzu zählten Männer, Frauen und Kinder.
  • Die Bauern: Sie stellten die Mehrheit der Bevölkerung dar. Ihre Situation war geprägt von einem Dasein als Kleinbauern oder Landarbeiter. Die Mechanisierung der Landwirtschaft ließ die Arbeitslosigkeit unter ihnen ansteigen.

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