Architekturgeschichte: Epochen, Stile und Konzepte
Eingeordnet in Technologie
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 8,59 KB
1. Architekturfunktionen
- Repräsentationsarchitektur: Repräsentative Bauweise für Regierungen, Monarchen, Institutionen und Unternehmen.
- Profanarchitektur: Nützliche Bauten, die zum Schutz des Menschen, zur Versammlung oder zur Sicherung von Besitz dienen (z. B. Wohnungen, öffentliche Gebäude).
- Sakralarchitektur: Religiöse Bauten, die für Gottesdienste oder Opferungen genutzt werden.
- Städtebauliche Funktion: Bauten als Orientierungspunkt oder als Point de vue.
- Ästhetische Funktion: Soll die Sinne des Betrachters bewegen. Mischformen sind möglich.
2. Säulen
- Basis: Unterster Bauteil der Säule (Fundament).
- Schaft: Tragender Bestandteil der Säule.
- Kanneluren: Rillen an der Seite des Schafts.
- Kapitelle: Kopf einer Säule.
- Ordnungen: Dorische, ionische, korinthische Säulenordnung.
3. Begriffe
- Grundriss: Horizontaler Schnitt.
- Aufriss: Außenansicht.
- Schnitt: Vertikaler Schnitt durch den Baukörper.
- Gesims: Waagrechter Mauerstein, der senkrecht unterteilt ist.
- Skelettbau: Der Rohbau wird aus Elementen zusammengesetzt, die eine tragende Funktion haben; dieser wird dann mit einer Fassade verkleidet (stützfreie Überspannung von Räumen).
- Massivbau: Form des Tragwerks, bei der raumabschließende Elemente wie Wände und Decken auch statisch tragende Funktionen erfüllen.
- Curtain Wall: Die vor dem tragenden Skelett aufgehängte Glasfassade.
- Skulpturale Architektur: Aufbrechen vermeintlich festgeschriebener Gattungsgrenzen zwischen Architektur, Kunst und Design.
- Ornament: Ein Muster, das als Verzierung von Stoffen, Möbeln, Bauwerken usw. dient.
4. Jugendstil (1890–1930)
- Abkehr vom Historismus (internationale Erneuerungsbewegung).
- Marktorientierte Zweckkunst.
- Ganzheitlicher Gestaltungswille.
- Dekorative Elemente wurden meist mit Stahl oder Glas umgesetzt.
- Abstrakte Richtung: Kubisch-kristalline Formen in einer geometrischen Ornamentik; Verschmelzung von Kunst und Leben.
- Florale Richtung: Flächehafte, florale Ornamentik und vegetabile Formen; Orientierung an Wachstumsformen der Natur.
5. Gerrit Rietveld (De Stijl)
- Formensprache.
- Geometrische Ordnung (horizontal und vertikal).
- Reduktion der Farben auf Rot, Gelb, Blau, Weiß, Grau und Schwarz.
- Anwendung im zweidimensionalen und dreidimensionalen Bereich.
- Gattungssprengende Ästhetik.
5.1 Das Schröder-Haus
- Maßgebendes Beispiel für den De Stijl.
- Nüchtern, schlicht.
- Einbeziehen von geometrischen Formen, Horizontale und Vertikale in Möblierung und Raumaufteilung.
- Offene Räume, großflächige Fenster (Transparenz).
- Technischer Kniff: Aufklappbare und verschiebbare Wände für Privatsphäre.
6. Internationaler Stil
- Internationalisierung und Trennung der neuen Kunst von den örtlichen Gegebenheiten.
- Rationale Kriterien, Rechtwinkligkeit.
- Asymmetrische Komposition.
- Einfache kubische Formen ohne Ornament und Profil.
- Überwiegend weißer Putz und horizontal angeordnete Fensterfronten unter Verwendung neuester technischer Errungenschaften wie Eisen, Glasbau und Eisenbeton (Vertreter: Mies van der Rohe, Gropius, Le Corbusier).
7. Dekonstruktivismus (Frank O. Gehry)
- Jüngere internationale Bewegung.
- Struktur und Form werden simultan einer Destruktion und einer erneuten Konstruktion unterzogen.
- Zusammenstoß des Unharmonischen (unvermittelter Zusammenstoß von Materialien, Richtungen, Räumen); Auflösung gewohnter statischer Verhältnisse sowie Ablehnung des rechten Winkels zugunsten dynamischer Diagonalen, überraschende Ansichten und Raumöffnungen.
- Auflehnung gegen das Traditionelle.
8. Bauhaus
- Grundsatz nach Louis Sullivan: Form follows function.
- Funktionalität verbessert Lebensverhältnisse (sozial engagierte Leistung, Massenwohnungsbau).
- Curtain Wall: Vor die Konstruktion gehängte, vollständig verglaste Fassade (Vorhangfassade), zeigt tragende Elemente, selbst nicht tragend.
- Mehransichtig, Flachdach.
- Das eigentlich Dekorlose wird als Dekor wahrgenommen (Ornamentlosigkeit).
- Weitere Grundsätze: Einheit aller Künste, Überwindung der Trennung von Kunst, Handwerk, Technik und Leben.
9. Frank O. Gehry
- Kanadischer Architekt.
- Typisch sind abgewinkelte Ebenen, kippende Räume, umgekehrte Formen und eine gebrochene Geometrie.
- Collagenhafter Aufbau, bei dem auseinanderstrebende Bauelemente verknüpft werden (Ineinanderfließen der Räume).
9.1 Guggenheim Museum Bilbao
- Formensprache: Expressiv, plastisch, gebogen, fließend, futuristisch.
- Formenkörper: Gebrochene Geometrien, abgewinkelte Ebenen, ovaler Grundriss.
- Ansichtigkeit: Mehransichtig.
- Struktur des Innenraums: Fließende Räume, orthogonal.
- Farbe und Licht: Jede Veränderung der Lichtverhältnisse reflektiert sich auf der schimmernden Haut aus Titanblech; durch Einschnitte in der Dachhülle dringt zentrales Tageslicht ein; zusätzliches Kunstlicht notwendig.
- Material und Konstruktion: Titanblech, Aluminium, Beton, Glas, Kalkstein; Bauweise: Skelettbau.
10. Mies van der Rohe
- Deutsch-amerikanischer Architekt.
- Verband das Ideal der Zweckmäßigkeit mit hohen Anforderungen an den ästhetischen Mehrwert.
- Architektur der Strenge, Reinheit der Form und Ausgewogenheit der Proportion (Less is more).
- Streben nach Qualität und Perfektion.
- Geprägt von Offenheit und einer durchdachten Gestaltung der räumlichen Anordnung.
- Verwendete edle Baustoffe wie Marmor, Onyx, verchromten Stahl und grünes Glas.
10.1 Seagram Building
- Materialien: Stahl, Beton, Glas, Bronze, Marmor, Travertin; Skelettbau.
- Baukörper: Eckiger Baukörper (Rechteck), realistische Proportionen, Betonung der Horizontalen und Vertikalen, Spiegelung des Körpers im Licht.
- Blickführung: Meist zum Himmel gerichtet.
- Fassade: Rhythmisch, geordnet gegliedert und transparent; sehr durchlässige Fassade, horizontale Linienführung.
- Innenräume: Weite, offene Innenräume, hochgehaltene Decken, modernes Design, lichthell, graue Farbgebung.
11. Le Corbusier
- Villa Savoye, Promenade architecturale.
- Zunächst puristische, rationelle Richtung mit geometrischer Formensprache.
- Spätwerk: Poetischer, naturbezogener Stil (z. B. La Chapelle de Ronchamp als monumentale Freiplastik).
- Mithilfe der Promenade architecturale kreiert Le Corbusier virtuose Verschränkungen von Innen- und Außenraum, fließende Räume, die sich im Voranschreiten erschließen.
- Die Architektur bildet den Raum von Bewegungsabläufen.
11.1 Villa Savoye
- Material: Beton, Stahl, Glas.
- Weißer, schlichter und schwebender Kubus auf grüner Wiese, umgeben von Laubbäumen.
- Gliederung der Fassade des Obergeschosses durch ein durchgehendes waagrechtes Fensterband.
- Erdgeschoss weit hinter die Stützen zurückgezogen.
- Überdachter Freiraum als Vorfahrt und Zufahrt, integrierte Garagen im Erdgeschoss.
- Die fünf Punkte einer neuen Architektur: Pfosten, Dachgärten, freie Grundrissgestaltung, Langfenster, freie Fassadengestaltung.
12. Santiago Calatrava
- Spanischer Architekt, talentierter Planer und Ingenieur der Gegenwart.
- Innovative Gestaltungsideen verbinden aufsehenerregende Ingenieurstechnik mit künstlerischen Gestaltungsmerkmalen.
- Seine Projekte sprechen vor allem die Emotionalität der Betrachter an.
- International vielfach ausgezeichneter Gestalter.
- Seine Planungen sind von einer Synthese aus neuen Techniken und neuen künstlerischen Formen gekennzeichnet.