Argentiniens Ära des Imperialismus und der Modernisierung

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Imperialismus und das Zeitalter der Expansion

Imperialismus: Die Tendenz von Staaten, ihren kulturellen, territorialen oder wirtschaftlichen Einfluss auf Kosten anderer Völker oder Staaten zu erweitern. Eric Hobsbawm bezeichnet den Zeitraum von 1871 bis 1919 als das Zeitalter des Imperialismus.

Ursachen und Auswirkungen

Zu den Ursachen zählen die Suche nach neuen Märkten, die Bereitstellung von Kapital sowie die Suche nach Rohstoffen. Hinzu kamen die Bevölkerungsexplosion, Evangelisierungsmissionen, Sozialdarwinismus und Chauvinismus sowie die Entwicklung von Transport und Kommunikation.

Implikationen:

  • Erschließung neuer Märkte und Kapitalinvestitionen in Kolonien.
  • Migrationsungleichgewichte zwischen Bevölkerung und Ressourcen.
  • Verlust von Traditionen und die Errichtung neuer Grenzen.

Die erste Präsidentschaft von Roca (1880–1886)

Julio Argentino Roca gehörte der Nationalen Autonomen Partei (PAN) an. Sein Motto lautete: "Frieden und Verwaltung". Unter seiner Regierung wurden Gebiete in Patagonien und im Chaco besetzt. Im Rahmen der Verwaltung von Torcuato de Alvear (dem damaligen Bürgermeister von Buenos Aires) wurden große öffentliche Arbeiten durchgeführt.

Säkulare Gesetze und Außenpolitik

Es wurden weltliche Gesetze verabschiedet, die Widerstand in der Kirche provozierten und zum Abbruch der Beziehungen zum Heiligen Stuhl führten: das Gemeinsame Bildungsgesetz 1420 (8. Juli 1884) und das Zivilregistergesetz 1565 (31. Oktober 1884).

In der Wirtschaftspolitik entstanden hohe Ausgaben für militärische Ausrüstung, Gebietsbesetzungen und Bauwerke, was zur Verschuldung führte. International wurde 1881 ein Vertrag mit Chile unterzeichnet, der die Grenze entlang der hohen Gipfel der Wasserscheide festlegte. Die Magellanstraße ging an Chile, während Feuerland geteilt wurde (biozeanisches Prinzip: Argentinien am Atlantik, Chile am Pazifik).

Präsidentschaft Juárez Celman und Carlos Pellegrini

Miguel Juárez Celman (1886–1890), ein Verwandter Rocas, etablierte das Unicato. Er war sowohl Parteivorsitzender als auch Präsident der Nation. Hohe Ausgaben für öffentliche Arbeiten und Gehälter führten zu einer schweren Inflation und der Wirtschaftskrise von 1889. Banken gingen bankrott, und das Geld verlor seinen Wert.

Die Revolution von 1890

Die Opposition formierte sich in der Bürgerlichen Union (Unión Cívica) unter Führung von Bartolomé Mitre, Leandro N. Alem und anderen. Nach der Revolution von '90 trat Celman zurück, um das Regime der PAN zu retten.

Carlos Pellegrini: Der „Storm Rider“ (1890–1892)

Pellegrini musste die Wirtschaftskrise lösen. Er senkte die Staatsausgaben, brach Eisenbahnkonzessionen ab und erreichte einen Zahlungsaufschub für Auslandsschulden. 1891 wurde die Nationalbank gegründet. Sein Finanzminister Vicente Fidel Lopez verfolgte einen protektionistischen Plan zur „Nationalen Erholung“.

Aufkommen sozialistischer Ideen

In dieser Zeit entstanden erste sozialistische Ideen durch Einwanderer. Zeitungen wie "La Vanguardia" unter Juan B. Justo erschienen. 1896 wurde die Sozialistische Partei gegründet, und 1904 wurde Alfredo Palacios der erste sozialistische Abgeordnete Amerikas.

Präsidentschaften von Sáenz Peña bis Uriburu

Luis Sáenz Peña (1892–1895) galt als Marionette von Roca und Pellegrini. Seine Amtszeit war geprägt von Wahlbetrug und Ministerkrisen. Nach seinem Rücktritt übernahm José Evaristo Uriburu (1895–1898). Unter ihm wurde Argentinien als "Kornkammer der Welt" bekannt. Es gab Grenzkonflikte mit Brasilien und Chile, woraufhin die allgemeine Wehrpflicht eingeführt wurde.

Die zweite Präsidentschaft von Roca (1898–1904)

Roca reorganisierte die Armee (Gesetz Ricchieri, 1901) und löste Grenzkonflikte mit Chile friedlich durch britische Schlichtung. Außenpolitisch wurde die Drago-Doktrin verkündet, die besagte, dass Schulden nicht mit Waffengewalt eingetrieben werden dürfen.

Innenpolitisch gab es Modernisierungen wie den Bau der ersten U-Bahn und der Avenida de Mayo, aber auch soziale Spannungen. Das Residenzgesetz erlaubte die Ausweisung unliebsamer Ausländer ohne Erklärung.

Figueroa Alcorta und das Zentenar (1906–1910)

Unter José Figueroa Alcorta wurde in Comodoro Rivadavia Öl entdeckt. 1910 wurde das 100-jährige Jubiläum (Centennial) groß gefeiert, trotz sozialer Konflikte und Attentaten durch Anarchisten (Ermordung von Polizeichef Ramón Falcón).

Die Einwanderungswelle in Argentinien

Zwischen 1880 und 1914 kamen etwa 6 Millionen Menschen nach Argentinien, von denen 4 Millionen dauerhaft blieben. Die meisten Einwanderer stammten aus Italien und Spanien.

Soziale Struktur und Lebensbedingungen

  • Die Elite: Etwa 400 reiche Familien, Besitzer der Ländereien und Inhaber der politischen Macht.
  • Die Mittelschicht: Lehrer, Kaufleute und Angestellte.
  • Die Arbeiterklasse: Handwerker, Hafenarbeiter und Eisenbahner.

Da das Land bereits in den Händen von Großgrundbesitzern war, ließen sich viele Einwanderer in Städten nieder. Dies führte zur Entstehung von Conventillos (Mietskasernen), in denen Familien unter beengten Verhältnissen lebten. 1890 lebte bereits ein Viertel der Bevölkerung in solchen Kollektivunterkünften.

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