Aristoteles: Erkenntnistheorie und Metaphysik
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Erkenntnistheorie: Die Möglichkeit des Erkennens
Platon musste der Wahrheit gegenüber den Sophisten, dem Relativismus und dem Skeptizismus in vielen seiner Dialoge begegnen und bemühte sich nachzuweisen, dass wir Erkenntnis erlangen können. Wie Platon glaubt auch Aristoteles, dass Menschen von Natur aus wissen wollen, denn Wissen schenkt Vollkommenheit, Freude und Glück. Das Potenzial zum Wissen wird durch ein anthropologisches Konzept verstärkt, welches den Menschen als rational definiert. Diese teleologische Auffassung der Wirklichkeit führt Aristoteles zu dem Argument, dass die Tätigkeit, die den Menschen am meisten auszeichnet, die intellektuelle und theoretische Tätigkeit ist.
Der aristotelische Begriff von Wissen
Für Aristoteles gibt es eine klare Trennung zwischen Theoria und Praxis. Während die Wirklichkeit vielfältig ist, unterscheidet Aristoteles verschiedene Grade und Arten des Wissens:
Niveaus des Wissens
- Erfahrung (Empeiria): Die erste Stufe der Erkenntnis entsteht durch den Umgang mit konkreten Dingen. Es ist ein alltägliches, individuelles Wissen und daher nicht lehrbar.
- Produktive Erkenntnis (Techne): Auf einer zweiten Ebene steht das Wissen, das sich auf die Technologie als Werkzeug zur Herstellung des Schönen oder Nützlichen bezieht.
- Wissenschaftliche Erkenntnis (Episteme): Die letzte Etappe ist das Wissen von den Ursachen.
Die letzten beiden Arten des Wissens sind im Gegensatz zur reinen Erfahrung lehr- und lernfähig. Diese Unterscheidung führt zur Klassifizierung der Wissenschaften:
Klassifizierung der Wissenschaften
- Theoretische Wissenschaften: Ihr Zweck ist es, die Wahrheit zu entdecken und Wissen um seiner selbst willen zu suchen. Dazu gehören die Physik (als zweite Philosophie), die Mathematik und die Erste Philosophie (Metaphysik), welche die ersten Prinzipien, Ursachen und das Wesen untersucht.
- Praktische Wissenschaften: Sie untersuchen das menschliche Verhalten und zielen auf die Lebensführung ab: Politik, Ethik und Ökonomie.
- Produktive (poietische) Wissenschaften: Sie suchen Wissen als Mittel, um schöne und nützliche Dinge herzustellen. Dazu zählen: Gymnastik, Bildhauerei, Musik, Dialektik, Rhetorik, Poetik und Medizin. Diese gelten als kontingent.
In Buch IV seiner Metaphysik verweist Aristoteles zudem auf eine Wissenschaft namens Analytik (später als Logik bekannt), die als Instrumental-Wissenschaft für alle anderen dient.
Eigenschaften des wissenschaftlichen Diskurses
Der aristotelische wissenschaftliche Diskurs ist systematisch und logisch. Trotz der verschiedenen Wissensarten sind diese nicht getrennt, sondern durch die Logik verbunden. Aristoteles unterstützt die Verwendung der apophantischen Sprache – also jener Sprache, mit der ein Prädikat über ein Subjekt bejaht oder verneint wird. Dies geschieht im Rahmen der Theorie der Wahrheit als Korrespondenz oder Angemessenheit: Jeder Satz ist entweder wahr oder falsch, basierend auf seiner Korrespondenz mit der Wirklichkeit.
Ihm zufolge ermöglicht die Verbindung zwischen dem Allgemeinen und dem Besonderen eine formale Redestruktur. Wenn früher angenommene Aussagen (Prämissen) wahr sind, führen sie nach bestimmten Regeln der Formation und Transformation im deduktiven Prozess zwangsläufig zu anderen Forderungen (Schlussfolgerungen). Diese Struktur wird als Syllogismus bezeichnet. Ein Syllogismus ist korrekt, wenn die Schlussfolgerung zwingend aus den Prämissen folgt. Die wissenschaftliche Wahrheit der Konklusion hängt jedoch von der Wahrheit der Prämissen ab. Daher unterscheidet er zwei Arten von Annahmen:
- Allgemeine Notwendigkeiten, die bewiesen werden müssen (Hypothesen, Definitionen).
- Unbeweisbare Axiome oder erste Prinzipien, die durch Intuition erkannt werden, da ein unendlicher Regress an Beweisen keine endgültigen Schlüsse zuließe.
Die Aufgabe der Forschung und die Realität
Für Aristoteles ist der Gegenstand des Wissens die Realität. Während für Platon die Realität die "Idee" war, ist die Realität für Aristoteles die Substanz. Er vertritt eine hylemorphische Konzeption, wonach die Realität aus Materie und Form besteht. Die Analyse der Sprache und der apophantische Einsatz von Logik liefern die Schlüssel zur Klärung seines Realitätskonzepts.
Diese Analyse zeigt zehn Kategorien der Wirklichkeit: Die Substanz (Einheit) und die prädikativen Realitäten (Quantität, Qualität, Relation, Ort, Zeit, Position, Status, Aktion, Leidenschaft). Die Kategorien sind die Formen des Seins. Das besondere Subjekt ist die Substanz (Ousia) oder die "erste Realität". Die Substanz ist die wesentliche Kategorie, die wir anwenden, wenn wir wissen wollen, was ein Ding an sich ist.
Es gibt zwei Arten von Substanzen: Erste Substanzen (das Individuum) und zweite Substanzen (Gattungen und Arten). Streng genommen ist nur das Individuum die primäre Substanz; die sekundären Substanzen existieren nicht unabhängig von der primären Substanz, sondern nur in ihr.