Aristoteles: Glück, Natur und die Lehre der Substanz
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Das Streben nach Glück bei Aristoteles
Glück ist das höchste Gut oder das Ziel des menschlichen Lebens. Es ist eine Tätigkeit der Seele gemäß der vollkommenen Tugend – also das Wesen im Zusammenhang mit dem Grund, warum es richtig ist, ein Mensch zu sein – und erstreckt sich über ein erfülltes Leben. Menschen teilen grundlegende Lebensfunktionen mit Pflanzen (Ernährung) und Tieren (Wahrnehmung), besitzen jedoch als spezifisches Merkmal die Vernunft. In seiner höchsten Form liegt das wahre Glück in der Kontemplation. Nur die wahrhaft Weisen sind glücklich, während die breite Masse glaubt, dass Glück in Lust, Reichtum oder Ehre liege. Doch diese Ziele sind nicht vollkommen; man strebt sie nur an, weil sie zum ultimativen Glück führen sollen, welches das eigentliche Endziel darstellt.
Die Physis: Natur und Bewegung
Der Zweck der Physis oder Natur: Unter den „physischen“ Ioniern wie Thales oder Anaximenes galt die Physis als das Ur-Element, aus dem alles andere hervorgeht. Aristoteles passte den Begriff der Physis an, um das Wesen der Bewegung oder Veränderung im Natürlichen zu erklären. Die Physis ist das immanente Prinzip der wesentlichen Bewegung natürlicher Wesen. Nach der hylemorphistischen Theorie ist die Physis das Ziel, auf das hin die Materie aktualisiert wird. Mit anderen Worten: Die Physis ist das interne Prinzip, durch das beispielsweise ein Samenkorn zum Baum wird. Diese Theorie ist besonders für Lebewesen geeignet; Aristoteles nimmt lebende Organismen als Modell der Wirklichkeit, weshalb sein Denken grundlegend biologisch geprägt ist.
Die Lehre von der Substanz
Aristoteles beobachtet bezüglich der Substanz, dass hinter den Erscheinungen und Veränderungen, die fast jedes Objekt betreffen, stets etwas Unveränderliches steht. Das, was gleich bleibt und unverändert fortbesteht – das Trägermaterial, das gegenüber Veränderungen unempfindlich ist –, stellt die Substanz dar. Die Substanz ist die „Physis“, die Natur oder das grundlegende Prinzip des Seins. Zum Beispiel bleibt Wasser stets Wasser, unabhängig davon, ob sein Zustand fest, flüssig oder gasförmig ist. Die Substanz existiert an sich; sie ist der eigentliche Träger, auf dem alle anderen veränderlichen Eigenschaften der Dinge beruhen. Diese sogenannten Akzidenzien sind wechselnde Qualitäten wie Farbe, Härte, Form oder Temperatur.
Erste und zweite Substanzen
Aristoteles unterscheidet zwei Arten von Substanzen:
- Erste Substanzen: Bestimmte Individuen wie Sokrates, eine konkrete Lampe oder ein spezifischer Besitzer.
- Zweite Substanzen: Die Form oder das Universelle, wie „Mensch“, „Tier“ oder „Pflanze“ (vegetabile Wesen).
Streng genommen sollten nur konkrete Individuen als Substanzen angesehen werden. Da Arten und Gattungen jedoch ebenfalls real sind und nicht bloße Konzepte der Wissenschaft, müssen auch sie als Substanzen betrachtet werden. Es gibt keine separate Ursubstanz außerhalb der Individuen; sie existiert in ihnen. Somit ist die erste Substanz das wahrhaft Reale, da sie im eigentlichen Sinne das letzte Subjekt oder Substrat der Existenz ist. Die primäre Substanz ist das, was allen Dingen zugrunde liegt.