Atomorbitale, Quantenzahlen und das Periodensystem
Eingeordnet in Chemie
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 6,65 KB
1. Atomorbitale und Quantenzahlen
Das quantenmechanische Modell des Atoms basiert auf den Grundgedanken der Quantenmechanik. Infolge der Heisenbergschen Unschärferelation ist es unmöglich, eine genaue Messung der Elektronenbahn im Raum zu etablieren.
Das quantenmechanische Modell des Atoms
Jedes Atomorbital wird durch die Werte von drei Quantenzahlen beschrieben und besitzt einen charakteristischen Energiewert, der aus der Schrödinger-Gleichung gewonnen wird. Durch das Platzieren von Elektronen in diesen Orbitalen erhält man die sogenannte Elektronenkonfiguration.
Die vier Quantenzahlen im Überblick
Die Quantenzahlen n, l und ml stammen aus der Lösung der Wellengleichung, während die Spinquantenzahl ms später eingeführt wurde, um Anomalien im Wasserstoff-Spektrum zu erklären. Jede Kombination dieser Werte beschreibt ein einzelnes Atomorbital.
Hauptquantenzahl (n)
Die Hauptquantenzahl gibt an, auf welcher Energieebene sich ein Elektron befindet (n = 1, 2, 3, 4...). Sie steht im Zusammenhang mit der Entfernung des Elektrons zum Kern und der Größe des Orbitals. Je höher der Wert von n, desto größer ist der Abstand zum Kern und damit das Orbital.
Nebenquantenzahl oder Drehimpulsquantenzahl (l)
Die Nebenquantenzahl gibt die Form der Orbitale sowie die Anzahl und Arten der Energie-Unterstufen an. Für eine Ebene n existieren Werte von l = 0, 1, 2, ... (n-1):
- l = 0: s-Orbital
- l = 1: p-Orbital
- l = 2: d-Orbital
- l = 3: f-Orbital
Magnetische Quantenzahl (ml)
Diese Quantenzahl weist auf die mögliche räumliche Orientierung hin, die ein bestimmtes Orbital einnehmen kann. Die Anzahl der Werte (2l + 1) sagt uns, wie viele Orbitale einer bestimmten Art innerhalb einer Unterstufe existieren.
Spin-Magnetquantenzahl (ms)
Es gibt nur zwei mögliche Ausrichtungen des Magnetfeldes, das ein Elektron durch seinen Eigen-Spin erzeugt: +1/2 oder -1/2. Elektronen verhalten sich hierbei wie kleine Magnete.
2. Verteilung der Atomorbitale
Um die Elektronenkonfiguration eines Atoms zu bestimmen, muss man wissen, welche Orbitale existieren und wie sie energetisch verteilt sind. Dabei gelten folgende Regeln:
- Jede Elektronenhülle enthält mehrere Sub-Ebenen (s, p, d, f).
- Die Anzahl der Orbitale pro Typ wird durch die zulässigen Werte von ml bestimmt.
- Jede neue Energieebene übernimmt die Typen der vorherigen und fügt einen neuen Typ hinzu.
Form der Atomorbitale
Orbitale haben keine scharf definierten geometrischen Grenzen, werden aber zweckmäßig als geometrische Figuren dargestellt: s-Orbitale sind kugelsymmetrisch, während p-, d- und f-Orbitale aus Lappen bestehen. Die Form hängt von der Nebenquantenzahl ab, die Größe von der Hauptquantenzahl.
Energie der Orbitale und der Zeeman-Effekt
Die Energie eines Orbitals nimmt zu, wenn die Summe von n + l steigt. Bei gleicher Summe ist das Orbital mit dem höheren n-Wert energiereicher. Orbitale mit gleicher Energie nennt man entartet. Diese Gleichheit wird in einem Magnetfeld aufgehoben, da die unterschiedlichen räumlichen Orientierungen verschieden mit dem Feld interagieren. Dies führt zum Zeeman-Effekt, der zusätzliche Linien im Atomspektrum erklärt.
4. Elektronenkonfigurationen
Die Elektronenkonfiguration beschreibt die Verteilung der Elektronen eines Atoms oder Ions in seinen Orbitalen. Der Zustand niedrigster Energie wird als Grundzustand bezeichnet. Die äußerste Schale nennt man Valenzschale.
Das Pauli-Prinzip
In einem Atom dürfen keine zwei Elektronen in allen vier Quantenzahlen übereinstimmen. Daraus folgt: 1. Jedes Orbital kann maximal zwei Elektronen aufnehmen. 2. Diese zwei Elektronen müssen entgegengesetzte Spins haben (gepaart sein).
Die Hundsche Regel
Die Hundsche Regel der größtmöglichen Multiplizität besagt: Wenn in einer Unterstufe mehrere Orbitale gleicher Energie zur Verfügung stehen, werden diese zuerst einzeln mit Elektronen parallelen Spins besetzt. Dies führt zu einem stabileren Zustand.
Aufbau-Prinzip und Ionen
Beim Übergang zum nächsten Element im Periodensystem wird jeweils ein Proton und ein Elektron hinzugefügt. Ionen entstehen durch Addition (Anionen) oder Subtraktion (Kationen) von Elektronen. Ein zweiwertiges Sauerstoff-Anion (O2-) hat beispielsweise 10 Elektronen.
Magnetische Eigenschaften: Diamagnetismus und Paramagnetismus
Ein Stoff ist paramagnetisch, wenn er ungepaarte Elektronen besitzt und von Magneten schwach angezogen wird. Diamagnetische Stoffe besitzen nur gepaarte Elektronen und zeigen dieses Verhalten nicht.
5. Historische Entwicklung des Periodensystems
Im Jahr 1829 schuf J. Döbereiner die erste Klassifizierung durch Triaden. 1866 formulierte John Newlands das Gesetz der Oktaven, wonach jedes achte Element ähnliche chemische Eigenschaften aufweist.
Periodische Eigenschaften und Trends
Die Anziehungskraft zwischen Kern und Elektronen wird durch das Coulomb-Gesetz bestimmt und hängt von der Kernladung und der Entfernung ab.
Atomradius und Ionenradius
Der Radius wird als die Hälfte des Abstands zwischen zwei Kernen definiert. Trends im Periodensystem:
- In einer Gruppe nimmt der Radius von oben nach unten zu (mehr Schalen).
- In einer Periode nimmt der Radius nach links zu (geringere effektive Kernladung).
- Kationen sind kleiner als ihre neutralen Atome, Anionen sind größer.
Effektive Kernladung und Abschirmung
Der Abschirmungseffekt führt dazu, dass äußere Elektronen die Kernladung weniger stark spüren. Die effektive Kernladung ist die tatsächliche Kernladung abzüglich der Abschirmung durch innere Elektronen.
Ionisierungsenergie
Die Ionisierungsenergie ist die minimale Energie, die benötigt wird, um ein Elektron von einem neutralen Atom im gasförmigen Grundzustand zu entfernen. Sie steigt innerhalb einer Periode nach rechts und innerhalb einer Gruppe nach oben an. Das Entfernen weiterer Elektronen erfordert jeweils mehr Energie, da die interelektronische Abstoßung sinkt und die effektive Kernladung relativ zunimmt.