Aufzeigen und Argumentieren: Demonstration, Rhetorik und Sophistik im Vergleich

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Aufzeigen und Argumentieren: Demonstration, Rhetorik und Sophistik

Aufzeigen, Beweisen – griechisch apodeixis – bedeutet „Zeigen“. Es heißt, unwiderlegbare logische Beweise vorzulegen und mit rationalem Urteil über Aussagen zu einer Schlussfolgerung zu gelangen. Die Demonstration betrifft die Wahrheit der Schlussfolgerung als notwendige Konsequenz der Prämissen.

Argumentieren als Handlung

Argumentieren ist ein Kommunikationsakt, eine Handlung, durch die ein Sprecher vor einem Auditorium seine Meinungen darlegt und Standpunkte zu einem bestimmten Thema teilt. Argumentieren konkretisiert sich im Diskurs: in der Produktion von Erklärungen, Beweisen und Fakten, die als Argumente dienen. Argumentieren heißt, eine These zu präsentieren, mit dem Ziel, die Zustimmung des Auditoriums zu dieser These zu gewinnen.

Prämissen: Unstrittige und strittige Aussagen

Unstrittige Aussagen (D): Sie sind objektiv überprüfbar oder beruhen auf Konventionen bzw. Hypothesen.
Strittige Aussagen (A): Sie gehen von Grundsätzen, Werten und gängigen Meinungen aus, die als wahr gelten, aber Gegenstand des Diskurses sein können.

Art der Logik

Demonstration (D): Sie setzt eine formale, bivalente Logik voraus, in der eine Aussage entweder wahr oder falsch ist.
Argumentation (A): Sie folgt einer informellen, mehrwertigen Logik, die eine variable Intensität unterstützt, je nach verteidigten Meinungen.

Bezug zum Rahmen

Demonstration (D): Sie ist unpersönlich und kontextunabhängig. Sie zeigt etwa durch deduktives Denken, dass die Winkelsumme im Dreieck 180° beträgt – unabhängig von Wünschen oder Interessen der Personen.
Argumentation (A): Sie ist an einen Kontext gebunden und kontextualisiert. Der Sprecher muss die passenden Argumente auswählen und auf das Auditorium ausrichten. Argumente unterscheiden sich in ihrer Wirkung je nach Rolle und Person des Sprechers.

Rechtsmittel gegenüber dem Publikum

Demonstration (D): Sie ist unpersönlich, die Wahrheit ergibt sich rein aus der notwendigen Beziehung der Schlussfolgerung zu den Prämissen.
Argumentation (A): Sie ist persönlich. Die Zustimmung hängt vom Auditorium ab und davon, welche Ideen der Redner als Priorität vertritt. Die Annahme der Schlussfolgerung ist daher abhängig von den Personen, aus denen sich das jeweilige Auditorium zusammensetzt.

Gorgias, Platon und die Rhetorik

Gorgias definiert die rhetorische Kunst als Kunst der Überredung durch das Wort, die bei jeder Art politischer Versammlung eingesetzt wird. Ihr Gegenstand ist die Meinung (Doxa), nicht das sichere Wissen.

Für Platon ist die rhetorische Handlung eine Form empirischer Praxis, eine Form der Schmeichelei und Manipulation. Sie zielt auf Vergnügen ab und erzeugt nichtöffentliche Gefühle. Platon hält nur jene Rhetorik für eine echte Kunst, die auf einem rationalen Prinzip beruht, ihre Methode rechtfertigt und das Gute zum Ziel hat.

Sophistik und Philosophie im Vergleich

Sophistik: Sie war geprägt von der Absicht, junge Menschen auf Politik und Rechtsstreitigkeiten vorzubereiten. Ihre Ziele waren praktischer Natur. Sie versuchte, das Auditorium zu manipulieren und ein Wissen zu vermitteln, das als absolute Wahrheit erscheint. Die Meister der Rhetorik vermittelten die Technik, die Schönheit der Rede durch Stil, Zahlen und Worte zu nutzen, um zu überzeugen. Ihr Ziel war der Sieg im Diskurs. So entwickelten sie das, was man Rhetorik nennt.

Philosophie: Sie wurde als Mittel gesehen, die Wahrheit des Menschen zu verbessern. Ihre Ziele waren Forschung und Erkenntnis. Sie zwang ihre Anhänger, Instrumente der Wahrheit zu nutzen und ihr Wissen nicht in den Dienst beliebiger Zwecke zu stellen, sondern dem Guten verpflichtet zu bleiben. So entwickelte sich das, was man Dialektik nennt.

Zusammenfassung

Während die Manipulation der Sophisten auf Sieg und Überzeugung des Auditoriums zielte, strebte die Philosophie nach rationalem Verständnis, Aufklärung des Auditoriums und Erkenntnis. Die Sophisten bevorzugten die Meinung (Doxa), die Philosophie die Weisheit (Sophia).

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