Augustinus von Hippo: Philosophie und Werk

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Kontextualisierung: Augustinus von Hippo

Der Text bezieht sich auf das Werk De Civitas Dei (Vom Gottesstaat), genauer gesagt auf das Buch XI, Kapitel 26-27. Dieses Werk, das der heilige Augustinus nach dem Fall des Römischen Reiches verfasste, stellt seinen ersten Versuch dar, eine Geschichtsphilosophie in einem theologischen Rahmen zu entwerfen.

Leben, Werk und Motivation

Die Motivation des Autors ist apologetisch (ein Teilbereich der Theologie, der Beweise und Argumente für die Wahrheit der katholischen Kirche liefert). Dieser Antrieb entstand infolge der Plünderung Roms. Augustinus von Hippo wurde 354 in Tagaste (heutiges Algerien), in der römischen Provinz Numidien, geboren und starb 430.

Als Sohn eines heidnischen Vaters und einer christlichen Mutter wurde er im Christentum erzogen, gab dessen Praxis jedoch früh auf. In seiner Heimatstadt erhielt er eine intensive Ausbildung in Lesen, Schreiben, Grammatik und Rhetorik. Im Alter von 19 Jahren war die Lektüre von Ciceros Hortensius prägend für seine Persönlichkeit. Die Suche nach Wahrheit und Weisheit führte ihn zunächst zum Manichäismus (einer Lehre, die auf zwei radikalen Prinzipien basiert: Licht/Gutes und Dunkelheit/Böses).

Die Wahrheit fand er schließlich im Christentum, maßgeblich beeinflusst durch den Bischof Ambrosius im Jahr 387. Er widmete sich einem intensiven kirchlichen Dienst, zunächst als Priester und ab 395 als Bischof von Hippo. Bis zu seinem Tod im Jahr 430 leistete er bedeutende apologetische Arbeit. Zu seinen wichtigsten Schriften zählen:

  • Contra Academicos
  • Confessiones (Autobiografie)
  • De Civitas Dei (Hauptwerk: Philosophie, Theologie und Politik)
  • Abhandlungen wie De Trinitate und De Vera Religione

Geschichtlich-gesellschaftlicher Hintergrund

Das Werk ist geprägt vom Untergang des Römischen Reiches, das die europäische Geschichte über Jahrhunderte maßgeblich beeinflusste. Im 1. und 2. Jahrhundert kam es zu einer Wiederbelebung des platonischen Denkens. Diese Lehren, insbesondere Platons Phaidon und Timaios, beeinflussten Augustinus stark. Im Jahr 410 plünderte Alarich Rom, was den faktischen Untergang des Weströmischen Reiches markierte – die Zeit, in der Augustinus sein Denken entwickelte.

Philosophischer und historischer Kontext

Mittelalterliche Philosophie

Das mittelalterliche Denken umfasst Themen wie das Verhältnis von Glaube und Vernunft sowie die Beziehung zwischen Gott und der Welt. Die Welt wird als System symbolischer Wirklichkeiten gesehen, die auf Gott als oberste Ursache verweisen. Diese Philosophie ist nicht mit der Scholastik (der Synthese aus kirchlichen Dogmen und griechischer Philosophie) gleichzusetzen. Obwohl Augustinus im 4. Jahrhundert lebte und somit zeitlich vor der klassischen mittelalterlichen Philosophie liegt, ist er für deren Verständnis unerlässlich.

Patristik

Die Patristik entwickelte sich in den ersten Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung. Sie behandelte die zentralen Fragen der Philosophie des Mittelalters: das Verhältnis von Glaube und Vernunft sowie die Debatte zwischen dialektischen und anti-dialektischen Ansätzen. Sie wurde von den Kirchenvätern geprägt und endete im Westen im 7. Jahrhundert und im Osten im 8. Jahrhundert.

Neuplatonismus

Diese philosophische Strömung entstand im 2. Jahrhundert als Wiederbelebung der Philosophie Platons. Hauptvertreter waren Philo und insbesondere Plotin, dessen Denken Augustinus tiefgreifend beeinflusste. Zentrale Aspekte sind die Emanation aller Dinge aus dem „Einen“ sowie die Präexistenz und Unsterblichkeit der Seele.

Thematischer Kontext

Augustinus' Denken bildete die Grundlage für viele Lehren des Mittelalters, die später in Konkurrenz zum Aristotelismus standen. Zu den prägenden Lehren gehören:

  • Voluntarismus: Der Vorrang des Willens vor dem Intellekt.
  • Glaubensvorrang: Die Priorität des Glaubens vor der Vernunft, im Gegensatz zur aristotelischen Abstraktionstheorie von Thomas von Aquin.
  • Lehre von den zwei Städten: Die Linearität der geschichtlichen Zeit.

Augustinus gilt als die wichtigste Figur der patristischen Philosophie und als einflussreichster Denker für spätere Philosophen wie Anselm von Canterbury und Thomas von Aquin.

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