Bedeutende Autoren der modernen katalanischen Literatur
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Llorenç Villalonga
Llorenç Villalonga wurde 1897 in Palma de Mallorca geboren. Als Arzt und Psychiater widmete er sich dem Journalismus, dem Drama sowie Kurzgeschichten und Romanen. In seinem Roman Lady Death (1931) zeichnete er ein satirisches Porträt der mallorquinischen Gesellschaft der zwanziger Jahre. Sein Werk Bearn oder die Puppe hat die Form eines langen Briefes an seinen Freund, den Geistlichen Joan Mayol. Während Lady Death eine Satire auf eine dekadente Gesellschaft ist, stellt Bearn eine Elegie auf deren Verschwinden dar.
Mercè Rodoreda
Mercè Rodoreda wurde 1908 in Sant Gervasi de Cassoles (Barcelona) geboren. Die Jahre der Zweiten Republik waren für sie eine Zeit der persönlichen Befreiung, in der sie sich dem politischen Journalismus, Kurzgeschichten und Romanen widmete. 1939 ging sie ins Exil, lebte in verschiedenen französischen Städten und später in Genf (Schweiz). In den siebziger Jahren kehrte sie nach Katalonien zurück, wo sie 1983 nach zahlreichen Auszeichnungen und großem Publikumserfolg verstarb.
Das Werk von Mercè Rodoreda
Neben journalistischen und poetischen Arbeiten umfasst Rodoredas Werk vor allem Kurzgeschichten und Romane. Zu den wichtigsten Werken nach dem Krieg zählt Aloma (1938), ein autobiografisch geprägter Roman, den sie dreißig Jahre später überarbeitete. Er thematisiert den Verlust des Glücks beim Eintritt ins Erwachsenenalter. Ihr psychologischer Roman La plaça del Diamant (dt. Auf der Plaça del Diamant) schildert das Leben der Protagonistin Natalia, die von ihrem Mann Colometa genannt wird. Mit Werken wie Quanta guerra... und La mort i la primavera entwickelte sie ihre psychologische Komponente hin zu einer stärkeren Symbolik. Während des Exils schrieb sie zudem Kurzgeschichtensammlungen wie Vint-i-dos contes. Ihre Prosa zeichnet sich durch umgangssprachliche Monologe mit hohem poetischen Wert aus.
Josep Maria Espinàs
Josep Maria Espinàs wurde 1927 in Barcelona geboren. Er ist als Journalist, Essayist und Romanautor tätig. Seit 1976 prägte er die katalanische Tagespresse, unter anderem bei Avui und El Periódico. Zu seinen bekanntesten Sachbüchern gehören Aprendre a viure und El teu nom és Olga, in dem er über das Leben mit seiner Tochter mit Down-Syndrom reflektiert. Große Popularität erlangte er zudem durch seine Reiseberichte zu Fuß. In den fünfziger Jahren veröffentlichte er Romane wie Tots som iguals und Kurzgeschichtensammlungen wie Vestir-se per morir, die durch einen realistischen und skeptischen Blick auf die Gesellschaft geprägt sind.
Baltasar Porcel
Baltasar Porcel wurde 1937 in Andratx (Mallorca) geboren und etablierte sich in den sechziger Jahren in der katalanischen Literaturszene. Er war journalistisch, essayistisch und dramatisch tätig. Seine journalistische Arbeit umfasst Berichte, Interviews und Kolumnen in Publikationen wie Serra d'Or und La Vanguardia. In den sechziger Jahren war sein Werk vom historischen Realismus geprägt, wie etwa in Solnegre, das die ländliche Welt Mallorcas widerspiegelt. Später entwickelte er komplexere, mythisch-ideologische Erzählformen, die sich in Werken wie Cavalls cap a la fosca zeigen.
Pere Calders
Pere Calders wurde 1912 in Barcelona geboren. Während des Bürgerkriegs diente er als Kartograf in der republikanischen Armee. 1939 musste er ins Exil nach Frankreich und Mexiko gehen, wo er 23 Jahre lang lebte. Er blieb in ständigem Kontakt mit der katalanischen Literaturszene, bis er 1978 zurückkehrte. Calders verstarb 1994.
Das Werk von Pere Calders
Calders ist vor allem als Erzähler und Kurzgeschichtenautor bekannt. Werke wie Unitats de xoc zeigen seine Schwerpunkte: die Priorität der Fiktion, die Überlegenheit der Erzählung und eine Vision der Wirklichkeit, die über das Sichtbare hinausgeht. Die mexikanische Umgebung prägte Sammlungen wie Gent de l'alta vall und die Novelle Aquí descansa Nevares. In L'ombra de l'atzavara thematisierte er die Schwierigkeiten der Anpassung im Exil.
Manuel de Pedrolo
Manuel de Pedrolo (1918–1990) war ein katalanischer Nationalist und Intellektueller, der auf der Seite der Republikaner kämpfte. Er war als Redakteur, Lektor und Übersetzer tätig und leitete die Krimi-Reihe La Cua de Palla. Seine Romane erlebten ab den siebziger Jahren großen Erfolg. Er blieb bis zu seinem Tod ein scharfer Kritiker der Mängel des spanischen Übergangs zur Demokratie.
Das Werk von Manuel de Pedrolo
Pedrolo experimentierte mit verschiedenen narrativen Methoden und Genres, um soziale Ungerechtigkeit und Freiheitsberaubung zu thematisieren. Sein ehrgeizigstes Projekt ist der Zyklus Temps obert, der aus elf Romanen besteht, die verschiedene Konsequenzen desselben Ereignisses untersuchen. Er kultivierte zudem Kriminalromane (z. B. Joc brut) und Science-Fiction (z. B. Esdeveniment simultani).
Die Erzählung der siebziger Jahre
Diese Generation erneuerte die thematischen Ansätze und fokussierte sich auf die gesellschaftlichen und nationalen Fragen Kataloniens. Sie stärkte die Dynamik der katalanischen Literatur nach der Unterdrückung durch das Franco-Regime. Zu den bedeutenden Erzählern zählen Terenci Moix, Montserrat Roig und Carme Riera. Der Roman La torre dels vicis capitals von Terenci Moix gilt als Ausgangspunkt dieser Ära.
Die Erzählung ab den achtziger Jahren
Die Wiederherstellung der Selbstverwaltung führte zu wichtigen Initiativen zur Förderung der Literatur:
- Wiederaufnahme des Instituts für katalanische Literatur
- Einrichtung nationaler Literaturpreise
- Verbreitung der Autoren im In- und Ausland
- Förderung von Drehbüchern für öffentlich-rechtliche Medien
- Schaffung des Nationaltheaters
- Förderung literaturwissenschaftlicher Studien
- Katalanisch-Kurse für Erwachsene
Die literarische Produktion in katalanischer Sprache erreichte wieder eine neue Normalität, trotz der Herausforderungen durch die Globalisierung und die Informationsgesellschaft. Zu den wichtigsten Erzählern dieser Zeit gehören Quim Monzó, Isabel-Clara Simó und Jaume Cabré.