Biologische Modelle und der Positivismus in der Kriminologie

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Einfluss des Positivismus auf kriminologische Modelle

Der Positivismus (Lombroso) betrachtet den Täter durch ein pathologisches Modell. Die soziologische Umwelt-Theorie sowie klinische und therapeutische Ansätze unterscheiden sich grundlegend davon. Die wichtigsten Forschungsbereiche sind:

  • Anthropometrie
  • Anthropologie
  • Biotypologie
  • Neurophysiologie
  • Endokrinologie
  • Kriminalgenetik

1. Anthropometrie

Hierbei handelt es sich nicht um eine Theorie der Kriminalität, sondern um eine forensische Methode zur Identifizierung von Tätern. Die von Bertillon entwickelte Methode nutzt 11 Körpermaße zur Identifikation. Das Bertillonage-System (Identifizierung von Personen per Fingerabdruck) wurde weltweit von Polizei und Gefängnissen eingesetzt.

2. Anthropologie

Der englische Arzt Goring verwendete eine strenge Methode, um die Hypothese von Lombroso zu überprüfen. Er erkannte keine degenerativen Stigmata, sondern lediglich bestimmte kriminelle Neigungen. In einer vergleichenden Studie zwischen 3.000 inhaftierten Straftätern und gesetzestreuen Bürgern kam er zu dem Schluss, dass es keine biologischen Unterschiede zwischen Verbrechern und Nicht-Kriminellen gibt. Goring gilt als Befürworter statistischer Methoden.

Der Anthropologe Hooton hingegen vertrat die Theorie der Vielfalt und behauptete, es gäbe erhebliche materielle Unterschiede (Größe, Lippenform, Augenfarbe, Tätowierungen) zwischen Kriminellen und Nicht-Kriminellen.

3. Biotypologie

Diese Forschung untersucht die Korrelation zwischen physischen Eigenschaften und psychologischen Merkmalen. Es existieren zwei Hauptschulen:

Deutsche Schule (Kretschmer)

Kretschmer unterscheidet zwischen einer konstitutionellen (physischen) und einer charakterologischen Perspektive:

  • Leptosom: Schlanker Körper, kleiner Kopf, spitze Nase.
  • Athletisch: Große Entwicklung von Knochen und Muskeln.
  • Pyknisch: Klein und untersetzt (fettleibig).
  • Dysplastisch: Übersteigerte Formen (Zwerge/Riesen).
  • Gemischt: Kombinationen durch Vererbung.

Charakterologisch unterscheidet er zwischen Esquizothymen (leptosom, introvertiert) und Zyklothymen (pyknisch, extrovertiert, schwankend zwischen Freude und Trauer).

Amerikanische Schule (Sheldon)

Sheldon entwickelte eine Typologie basierend auf embryonalen Schichten:

  • Endomorph: Neigung zu Fettleibigkeit (entspricht pyknisch).
  • Mesomorph: Muskel- und Knochenentwicklung (entspricht athletisch).
  • Ektomorph: Zerbrechlich und länglich (entspricht leptosom).

Daraus ergeben sich die Temperamente: Viszerotonisch (kontaktfreudig), Somatotonisch (aggressiv/energisch) und Zerebrotonisch (introvertiert/sozial isoliert).

4. Neurophysiologie

Mittels Elektroenzephalogramm (EEG) wird die Hirnaktivität gemessen. Eysenck verknüpfte das autonome Nervensystem mit Introversion und Extraversion und stellte fest, dass Psychopathen (Extremform der Extraversion) aufgrund ihrer SNA-Funktion eine geringere Empfindlichkeit aufweisen.

5. Endokrinologie

Chemische Ungleichgewichte und hormonelle Störungen beeinflussen das Verhalten:

  • Hormone: Erhöhtes Testosteron bei Männern oder prämenstruelle Syndrome bei Frauen.
  • Mineral- und Vitaminmangel: Besonders B-Vitamine und Mineralien wie Kupfer oder Magnesium beeinflussen die Gehirnaktivität.
  • Hypoglykämie: Blutzuckermangel führt zu Reizbarkeit und Angst.
  • Allergien und Umweltfaktoren: Blei im Blut oder Lebensmittelzusatzstoffe werden mit aggressivem Verhalten in Verbindung gebracht.

6. Kriminalgenetik

Untersuchungen zur Vererbung umfassen Familienstudien, Zwillingsstudien, Adoptionsstudien und Chromosomenanomalien:

  • Familienstudien: Höhere Kriminalitätsraten bei Nachkommen von Verbrechern.
  • Zwillingsstudien: Höhere Übereinstimmung bei eineiigen Zwillingen.
  • Adoptionsstudien: Bestätigen die Bedeutung genetischer Faktoren gegenüber dem Umfeld.
  • Chromosomenanomalien:
    • Turner-Syndrom: Frauen mit männlichen Zügen und Unfruchtbarkeit.
    • Klinefelter-Syndrom: Männer (XXY) mit weiblichen Zügen und geistigen Defiziten.
    • Trisomie XYY: Assoziiert mit Anpassungsstörungen und antisozialem Verhalten.

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