Buero Vallejo: Biographische Notizen, Werkphasen und Analyse
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Buero Vallejo: Biographische Notizen
Geboren in Guadalajara im Jahr 1916. Er zog nach Madrid, um Kunst zu studieren, aber der Bürgerkrieg unterbrach seine Studien. Er war Mitglied der Republikaner, wurde verhaftet und zum Tode verurteilt. 1949 wurde er freigelassen und änderte in diesem Jahr seine künstlerische Berufung in Richtung Literatur. 1949 veröffentlichte er Historia de una escalera. 1986 wurde er mit dem Cervantes-Preis ausgezeichnet.
Etappen seiner Arbeit
Seine Arbeit lässt sich in drei Etappen gliedern:
1) Realistische Phase
Diese Phase besteht aus einer Reihe von Stücken, deren zentrales Thema die zeitgenössische Realität ist. Die Handlung entfaltet sich in Echtzeit; der Bühnenraum ist ein besonderer Ort: die Fakten entwickeln sich chronologisch. Buero führt einige innovative Elemente ein, wie die Suche nach originellen und ungewöhnlichen Schauplätzen, z. B. eine Treppe, ein Dach usw. Werke dieser Phase sind Historia de una escalera, In der heißen Nacht und Heute ist ein Feiertag.
2) Phase der historischen Reflexion
In dieser Phase verwendet er historische Stoffe, um auf die Gegenwart zu verweisen. Auf diese Weise versucht er, die Zensur zu umgehen und das Publikum zu erreichen. Diese Ressourcen wurden von vielen Autoren genutzt; die Werke dieser Phase sind oft so strukturiert, dass sie Möglichkeiten der Zeit- und Handlungsdiskontinuität erlauben und malerische, abstrakte Positionen einnehmen. In ihnen löst sich das Problem Spaniens und das Schicksal der Menschen in einer ungerechten Gesellschaft. Zu dieser Zeit entstanden Werke wie Ein Träumer für eine Stadt, Las Meninas und El Concierto de San Ovidio. Am Ende dieser Phase erscheinen Übergangswerke wie The Double History of Doctor Valmy und DIE, die ihn zu Tragaluz führen. In diesen Stücken gibt es Zwischenzeichen zwischen Geschichte und Publikum: der Erzähler fungiert als Vermittler, unterbricht die Handlung und kommentiert Ereignisse auf der Bühne.
3) Dritte Phase
In dieser Phase arbeitet er mit einer subjektiven Sichtweise. Der Betrachter erlebt die Ereignisse durch die subjektive Sicht eines der Charaktere; diese Sicht kann auch körperlich oder psychisch sein. Der Zuschauer sieht dann die Realität, jedoch in der Version, die für den Protagonisten wichtig ist. Werke dieser Phase sind Der Schlaf der Vernunft, Ankunft der Götter, Die Detonation und Die Stiftung. Seit 1977, dem Zeitpunkt der Detonation, hatte Buero weiterhin Premieren; einige dieser Stücke weisen Themen auf, die zeigen, dass der Autor eine bedeutende Figur des spanischen Theaters blieb. Insgesamt lässt sich sagen, dass Tragik eine Konstante in seinem Werk ist: Sie vermittelt eine kohärente Weltsicht und Humanität. Sein Theater drückt die Notwendigkeit von Wahrheit, Freiheit und Hoffnung aus. Daher wollen seine Werke trotz ihrer Bitterkeit und Dunkelheit Heilung vermitteln.
Die Stiftung
Die Stiftung gehört zur dritten Arbeitsphase des Autors, in der die Wirkung auf den Betrachter durch die Sichtweise einer seiner Figuren – körperlich oder geistig – hergestellt wird. Es ist wichtig zu betonen, dass der Betrachter nicht die objektive Realität sieht, sondern die Vision, die der Protagonist von der Arbeit hat. Obwohl das Stück überzeitlichen Charakter besitzt, muss es im Kontext Januar 1974 und der späteren Jahre des Franco-Regimes nach der Ermordung Carrero Blancos verstanden werden; Buero Vallejo erreichte in dieser Zeit technische und strukturelle Ansätze, die in der spanischen Szene sehr innovativ wirkten.
Thematisch
In diesem Werk werden die folgenden Themen behandelt:
- Suche nach der Wahrheit: Buero will Lügen aufdecken, vor allem solche, die von Strukturen der Unterdrückung und des Terrors getragen werden. Menschen leben oft in einer Fiktion; es geht darum, die falsche Realität zu erkennen. Ziel ist es, eine Änderung der Haltung der Figuren anzustoßen und die wahre Bedeutung der Arbeit sichtbar zu machen: den Schleier zu entfernen, um zu verstehen, dass „wo immer du gehst, bist du im Gefängnis“. Diese Entdeckung soll jedoch nicht verzweifeln lassen, sondern die Notwendigkeit zu handeln und zu kämpfen verdeutlichen.
- Freiheit: Das Streben nach Wahrheit ist kompliziert, weil Menschen zwar die Wahrheit finden wollen, zugleich aber eingeschränkt sind. Die Person hängt von ihrer Realität und ihren Bedingungen in einem Maße ab, das ihre Handlungen begrenzt. Tomás kann verantwortlich sein, mag ein Angeber sein, doch Asel zeigt Verständnis, weil sie weiß, dass unter unüberwindlichem Terror – beispielsweise Folter – die Antwort eines Menschen nicht frei ist.
- Wahnsinn: Wahnsinn oder psychische Störung sind Varianten derselben Einschränkung: Faktoren, die verhindern, dass die Person sich der Realität bewusst wird. Sie dienen oft als Zuflucht vor dem wahren Gesicht der Realität. Das bewusste Überschreiten dieser Grenze kann das Menschliche heroisch vergrößern. So verläuft der Weg von Tomás von seinem behaglichen Zimmer in der Stiftung bis zur dunklen Gefängniszelle.
- Ablehnung sozialer und politischer Ungerechtigkeiten: Trotz des überzeitlichen und überregionalen Werts der Arbeit ist zu berücksichtigen, dass, wie bereits erwähnt, die Uraufführung 1974 in der letzten Phase des Franco-Regimes stattfand, in der Dissens oft hart unterdrückt wurde.
- Die Kraft von Liebe und Freundschaft: Liebe und Freundschaft motivieren Menschen, für Freiheit zu kämpfen und lieber die Wahrheit der Täuschung vorzuziehen; sie helfen, Widerstände zu überwinden.
Struktur
Aus struktureller Sicht kann das Stück als Fabel in zwei Teilen gesehen werden, wobei jeder Teil in zwei cuadros unterteilt ist. Diese Teilung bietet einen Überblick über den Prozess, den Thomas, der Protagonist, durchleidet. Schematisch lassen sich zwei Prozesse unterscheiden:
- Prozess: von der Stiftung ins Gefängnis – Druck durch den Wahnsinn von Thomas.
- Prozess: vom Gefängnis in die Freiheit – als Thomas die Wahrheit entdeckt, entwickelt sich die Handlung. Übersicht der Handlung: Asels Plan zur Flucht, Max der Verräter wird entdeckt, Lino und Thomas werden in Strafzellen überführt. Dieser Prozess endet offen: Es ist nicht bekannt, ob sie im Gefängnis sterben oder die Haft überleben.
Man erkennt außerdem die kreisförmige Gesamtstruktur des Stückes: Das Drama beginnt und endet mit Musik – Rossinis Wilhelm Tell – und das idyllische Panorama der Stiftung eröffnet neue Möglichkeiten für das Finale.
Technik und szenische Mittel
Technisch gesehen ist Die Stiftung sorgfältig konstruiert. Es gibt viele Dimensionen, die dem Aufbau des Werks dienen und den Leser oder Zuschauer durch eine Reihe von Veränderungen führen, die zur Wirkung des Finales beitragen. Die Arbeit soll die Zuschauer live mit dem Übergang des Charakters von einer idyllischen Stiftung in die grausame Welt von Haft, Folter, Gewalt, Verrat und Tod mitnehmen. Für diesen „Eintauch-Effekt“ verwendet Buero formale und szenische Manipulationen. Der Zuschauer wird Thomas, und die Geschichte entfaltet sich langsam parallel zu dem, was der Protagonist zu erkennen beginnt. Mit dieser Technik steht Buero im Einklang mit modernen Strömungen der zeitgenössischen Dramaturgie und zeigt einen deutlichen Einfluss der Überwindung narrativer Objektivität. Durch das Eintauchen in die Arbeit und höchst theatrale Effekte greift der Autor alle Zuschauer an und verallgemeinert die Erfahrung; diese Effekte deuten auf eine klare Definition der Welt hin.