Byzantinische Kunst und Architektur: Geschichte und Merkmale

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Byzantinische Kunst: Geschichte und Einflüsse

Die Stadt Byzanz lag in Asien. Im Jahr 330 n. Chr. machte der römische Kaiser Konstantin der Große diese Stadt zur Hauptstadt des Oströmischen Reiches und benannte sie in Konstantinopel um. Byzanz überdauerte das Mittelalter bis zum 15. Jahrhundert, als Konstantinopel von den Türken erobert wurde.

Das Goldene Zeitalter und kulturelle Einflüsse

Aus politischer, künstlerischer und kultureller Sicht war die Zeit der größten Herrlichkeit die unter Justinian; sie wird als das Erste Goldene Zeitalter der byzantinischen Kunst bezeichnet. Die byzantinische Zivilisation ist eine Mischung der Kulturen: das Recht und die Verwaltung der römischen Tradition, die Sprache und die griechische Kultur sowie der Glaube, die Sitten und die Religion des Christentums.

Religiöse Entwicklungen und Ikonoklasmus

Im siebten Jahrhundert trat die ikonoklastische Bewegung auf, die einen großen Einfluss auf das Verschwinden der bildenden Kunst hatte. Michael Kerullarios begründete die orthodoxe Kirche. Ab dem 13. Jahrhundert widmete sich das Byzantinische Reich wiederkehrenden, früher festgelegten Mustern.

Merkmale der byzantinischen Kultur

Die byzantinische Kultur weist orientalische Einflüsse sowie Reichtum und polychrome Dekoration in den Werken auf. Die byzantinische Kunst und Kultur sind christlich geprägt, weisen jedoch aufgrund der Trennung der Kirche eigene Merkmale auf, die in der orthodoxen Religion verankert sind.

Byzantinische Architektur

Baumaterialien und Techniken

  • Die verwendeten Materialien sind Ziegel und Stein; im Innenraum sind sie mit Mosaiken und Gemälden verkleidet.
  • In der Architektur werden häufig Rundbögen und Gewölbe verwendet, die auch als tragende Elemente dienen.
  • Zudem erreicht die Kuppel auf Pendentifs (Zwickeln) technische Perfektion. Probleme der Statik und des Schubs wurden mit Strebepfeilern, dicken Mauern oder Halbkuppeln gelöst.
  • Der Bogen ist das am häufigsten verwendete Element.
  • Bei den Säulen werden klassische Ordnungen, vor allem die korinthische, verwendet. Die pflanzliche Dekoration wird schematisiert, wobei das Volumen einem geometrischen Dekor weicht. Die Byzantiner schufen das sogenannte Kämpferkapitell (ein verjüngter Körper mit pflanzlichen Motiven und einer stark schematisierten Kämpferplatte in Form einer umgekehrten Pyramide, die den Druck der Bögen auf das Kapitell verteilt).

Kirchenbau: Grundrisse und Typologien

Der häufigste Gebäudetyp ist die Kirche. Bei den Grundrissen gibt es verschiedene Arten:

  • a) Basilika: Fortsetzung der römischen und frühchristlichen Basilika. Ein länglicher Tempel mit einer Aufteilung in drei bis fünf Schiffe, wobei das Mittelschiff höher und breiter als die Seitenschiffe ist. Die Schiffe werden durch Arkaden getrennt. Im Hintergrund befindet sich eine halbrunde Apsis, die von einer Viertelkuppel bedeckt ist. Die Apsis ist durch die Ikonostase (eine Trennwand für Ikonen) vom Schiff getrennt. Am Eingang befinden sich das Atrium und der Narthex.
  • b) Griechisches Kreuz: Ein Kreuz mit vier gleich langen Armen. Der zentrale Raum ist oft von einer Kuppel bedeckt.
  • c) Zentralbau: Kreisförmig oder polygonal mit einer Kuppel in der Mitte.

Innenraumgestaltung und Ästhetik

In der byzantinischen Architektur wird besonderer Wert auf die Innenräume gelegt. Während das Äußere schlicht wirkt, ist der Innenraum luftig und luxuriös. Die Perspektivwirkung beeindruckt durch Reichtum und Dynamik. Die Innenräume sind meist mit Mosaiken und Fresken geschmückt; häufig finden sich Pflanzendekorationen und antinaturalistische Skulpturen mit Hell-Dunkel-Effekten.

Beispiele byzantinischer Baukunst

Die Hagia Sophia (6. Jahrhundert)

Das markanteste Gebäude der byzantinischen Architektur und eines der großen Werke der Kunstgeschichte. Sie wurde im Auftrag von Justinian durch die Architekten Anthemius von Tralles und Isidor von Milet erbaut. Nach einem Einsturz wurde sie 562 von Isidor dem Jüngeren wieder aufgebaut.

Sie hat einen sehr eigentümlichen Grundriss, der die Struktur einer Basilika mit einer zentralisierten Struktur verbindet. Die zentrale Kuppel ist das Markenzeichen: Sie hat einen Durchmesser von 31 m und ist 60 m hoch. Der enorme seitliche Schub der Kuppel auf den Pendentifs wird durch zwei Halbkuppeln (Konchen) abgefangen, die wiederum auf kleineren Kuppeln und zwei Tonnengewölben ruhen. Das Gewicht wird auf dicke Bollwerke oder Strebepfeiler übertragen.

Das gesamte Innere ist mit Mosaiken, Marmor und Kupfer bedeckt, was ein einheitliches, geistiges und luxuriöses Ganzes schafft. Die große Kuppel ist durch Radien unterteilt, zwischen denen Fenster das Licht hereinlassen, sodass die Kuppel über einem Ring aus Licht zu schweben scheint. Außen wirkt der schmucklose Ziegelbau massiv und lässt die Leichtigkeit des Inneren nicht erahnen. Die Minarette und einige Innenelemente sind spätere muslimische Ergänzungen.

San Marco in Venedig

Dem heiligen Markus gewidmet, hat diese Kirche den Grundriss eines griechischen Kreuzes mit einer zentralen Kuppel über der Vierung und vier weiteren auf den Armen. Die fünf Kuppeln symbolisieren die Wunden Christi. Im Gegensatz zu Werken des ersten Goldenen Zeitalters ist das Äußere von San Marco ungeheuer reich und bunt mit figürlichem Schmuck und Goldgrund gestaltet. Das Interieur besticht durch byzantinische Kuppeln, Bögen, Gemälde und Mosaike auf Goldgrund.

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