Carmen Martín Gaite: Leben und Werk
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Carmen Martín Gaite (1925–2000) gewann 1958 den Nadal-Literaturpreis für ihren Roman Das Zwischenzimmer (Entre visillos) sowie den Nationalen Literaturpreis für Der hintere Raum (El cuarto de atrás) und den Nationalen Preis für spanische Literatur.
Bedeutung des Titels "Das Zwischenzimmer"
Der Titel bezieht sich auf das „Zimmer“ als physischen Raum und Spielraum der Kindheit. Für die Kinder von Carmen war dieser Raum ein chaotischer Ort, der die Fantasie anregte. Nach dem Bürgerkrieg wurde er jedoch in eine nützliche, organisierte Speisekammer umgewandelt. Der physische Raum verschwindet, wird zur Erinnerung und schließlich zur Metapher für die eigene Kindheit.
Werke
Romane
- Das Zwischenzimmer (Entre visillos)
- Retahílas
- Der hintere Raum (El cuarto de atrás)
- Variable Trübung
- Das Merkwürdige ist zu leben
- Los parentescos
Kurzgeschichten
- Der Kurort
Kindergeschichten
- Rotkäppchen in Manhattan
Essays
- Liebe in der spanischen Nachkriegszeit
Intertextualität
Martín Gaites Werk zeichnet sich durch eine kontinuierliche Intertextualität aus. Das subjektive Bewusstsein der Protagonisten nimmt Textfragmente verschiedener kultureller Diskurse auf, verinnerlicht und filtert sie. Diese Fragmente dienen als Verknüpfung der erzählten Geschichte.
Es gibt zahlreiche Bezugnahmen auf die fantastische Literatur, darunter:
- Lewis Carroll: Alice im Wunderland
- Stevenson: Die Schatzinsel
- Kafka: Die Verwandlung
- Cervantes: Die Zigeunerin
- Edgar Allan Poe: Horrorgeschichten
- Defoe: Robinson Crusoe
Die spanische Nachkriegserzählung
Die 1930er und 1940er Jahre
Die Literatur dieser Zeit war geprägt von Humanisierung und Engagement. Die Werke thematisierten oft die Situation der Verbannten. Nach dem Krieg kam es zu einem Bruch in der literarischen Evolution; der soziale Roman der 30er Jahre wurde unter Franco verboten. Es kursierten drei Arten von Geschichten: ideologische, realistische und humoristische. In den 40er Jahren gab es nur vereinzelte, außergewöhnliche Werke.
Die 1950er Jahre
Spanien begann, seine Isolation zu überwinden. Der Tourismus und die wirtschaftliche Erholung führten zu einem Wandel des Lebensstils, wie etwa der Landflucht in die Städte. Eine neue Generation, die den Krieg als Kinder erlebte, entwickelte eine kritische Haltung gegenüber der Macht und der Spaltung der Gesellschaft in Gewinner und Verlierer. Der Roman löste sich von der existentialistischen Vision und wandte sich einer gnadenlosen Darstellung der Madrider Gesellschaft zu.
Die 1960er Jahre
In diesem Jahrzehnt zeigten sich deutliche Ermüdungserscheinungen des dominanten Realismus. Die Autoren begannen, sich stärker an den Beiträgen bedeutender ausländischer Schriftsteller zu orientieren.