Darmkrebs: Symptome, Risikofaktoren und Früherkennung

Biologie6,23 KB

Das kolorektale Karzinom: Fakten und Statistiken

Vom kolorektalen Karzinom sind in Europa etwa 40 % der Männer und 30 % der Frauen betroffen. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern weist Deutschland mit 70,8 % eine der höchsten Inzidenzraten auf, während Spanien bei 45,8 % liegt. Erfreulicherweise sinkt die Sterblichkeitsrate im Vergleich zu anderen Krebsarten wie Prostata- und Lungenkrebs.

Risikofaktoren für Darmkrebs

Allgemeine Risiken

  • Alter: Ein Alter von über 40 Jahren erhöht das Risiko.
  • Familiengeschichte: Vorbelastungen in der Familie spielen eine wesentliche Rolle.

Genetische Faktoren

  • Familiäre adenomatöse Polyposis (FAP)
  • Gardner-Syndrom
  • Lynch-Syndrom I (familiär)
  • Lynch-Syndrom II (Kolon- plus extrakolonische Tumore, z. B. Eierstockkrebs)

Vorerkrankungen

  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
  • Neoplastische Kolonpolypen

Primärprävention und Lebensstil

Ein gesunder Lebensstil ist entscheidend für die Darmkrebsprävention. Eine ausgewogene Ernährung ist essenziell:

  • Übermäßiger Verzehr von rotem Fleisch erhöht das Risiko.
  • Rauchen und Alkohol steigern die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung.
  • Die mediterrane Ernährung sowie moderate körperliche Bewegung verringern das Risiko deutlich.

Maßnahmen zur Krebsprävention

Obwohl keine Diät eine absolute Garantie bietet, gelten folgende Faktoren als hilfreich:

  • Fettarme und ballaststoffreiche Ernährung.
  • Ergänzung von Calcium.
  • Einnahme von Aspirin oder NSAR (nach ärztlicher Rücksprache).

Früherkennung ab 50 Jahren

Ab dem 50. Lebensjahr kann ein jährlicher Test auf okkultes Blut im Stuhl die Mortalität um 30 % bis 35 % senken und somit etwa 3.600 Leben retten. 90 % der Fälle könnten geheilt werden, wenn sie frühzeitig erkannt werden. Da die Entwicklung von einem Polypen bis zum Karzinom viele Jahre dauern kann, werden folgende Untersuchungen empfohlen:

  • Sigmoidoskopie: Alle fünf Jahre.
  • Darmspiegelung (Koloskopie): Alle 10 Jahre.

Prognosefaktoren nach der Operation

Allgemeine Faktoren

Die Prognose hängt vom Stadium, der Invasion der Blutgefäße sowie der Anzahl der betroffenen lokalen Lymphknoten ab. Ein erhöhtes Risiko besteht, wenn der Tumor die Darmwand durchdrungen oder perforiert hat.

Rektumkarzinom (Mastdarmkrebs)

Ungünstige Faktoren sind: Invasion in angrenzendes Gewebe oder Beckenteile, tiefe Ulzerationen oder ein Befall der Rektumwand von mehr als 6 cm (insgesamt 15 cm).

Dickdarmkrebs

Ungünstige Prognosen ergeben sich bei: Obstruktion des Dickdarms oder Mastdarms, Befall der Becken- oder Bauchganglien, Invasion der Venen und Lymphgefäße sowie schlecht differenzierten Tumorzellen. Auch ein abnormales chromosomales Muster oder hohe CEA-Blutspiegel nach der Chirurgie sind kritisch.

Häufigkeit von Metastasen

Metastasen treten in folgenden Häufigkeiten auf:

  • Leber: 38 % bis 60 %
  • Abdominale Lymphknoten: 39 %
  • Lunge: 38 %
  • Peritoneum: 28 %
  • Ovarien: 18 %
  • Nebennieren: 14 %
  • Gehirn: 8 %

Diagnose und Screening-Verfahren

Mittleres Risiko (Screening ab 50)

Für Personen über 50 ohne bekannte Risikofaktoren: Jährliche Proktosigmoidoskopie und Test auf okkultes Blut. Alternativ: Sigmoidoskopie (alle 5 Jahre), Doppelkontrast-Bariumeinlauf (alle 5–10 Jahre) oder Koloskopie (alle 10 Jahre).

Hohes Risiko (Screening ab 40)

Für Personen ab 40 mit Verwandten ersten Grades, die an Darmkrebs oder Polypen litten. Die diagnostischen Optionen entsprechen denen der Gruppe mit mittlerem Risiko, sollten jedoch engmaschiger erfolgen.

Symptomatologie und Progression

Frühes Stadium

Oft keine Symptome. Mögliche Anzeichen sind Bauchschmerzen, Blähungen, geringfügige Änderungen der Stuhlgewohnheiten, rektale Blutungen oder Anämie.

Fortgeschrittenes Stadium (Linkes Kolon)

Verstopfung oder Durchfall, Bauchschmerzen, Krämpfe sowie Stauungserscheinungen wie Übelkeit und Erbrechen.

Fortgeschrittenes Stadium (Rechtes Kolon)

Vage Bauchschmerzen, Anämie, Schwäche und Gewichtsverlust.

Spätstadium (Rektum)

Veränderungen im Stuhlgang, unvollständige Stuhlentleerung, plötzlicher Harndrang, Blutungen und Tenesmus (schmerzhafter Stuhldrang).

TNM-Klassifikation

Primärtumor (T)

  • TX: Primärtumor kann nicht beurteilt werden.
  • T0: Kein Anhalt für Primärtumor.
  • Tis: Carcinoma in situ (intraepithelial oder Invasion der Lamina propria).
  • T1: Tumor infiltriert die Submukosa.
  • T2: Tumor infiltriert die Muskelschicht (Muscularis propria).
  • T3: Tumor infiltriert durch die Muskelschicht in die Subserosa oder in nicht-peritonealisiertes perikolisches/periproktisches Gewebe.
  • T4: Tumor infiltriert direkt andere Organe/Strukturen und/oder perforiert das viszerale Peritoneum.

Regionäre Lymphknoten (N)

  • NX: Regionäre Lymphknoten können nicht beurteilt werden.
  • N0: Keine regionären Lymphknotenmetastasen nachweisbar.
  • N1: Metastasen in 1 bis 3 regionären Lymphknoten.
  • N2: Metastasen in 4 oder mehr regionären Lymphknoten.

Fernmetastasen (M)

  • MX: Fernmetastasen können nicht beurteilt werden.
  • M0: Keine Fernmetastasen nachweisbar.
  • M1: Fernmetastasen vorhanden.

Herunterladen

PDF Word HTML