Denken, Sprache und Wirklichkeit in der Philosophie
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Denken und Sprache
Es gibt verschiedene Positionen zur Beziehung zwischen Denken und Sprache:
- Der Gedanke basiert auf der Sprache und hängt von ihr ab: Die Sprache ermöglicht den Gedankenfluss und verleiht ihm Form sowie Grenzen.
- In einem Vakuum zu denken ist schwieriger, als eine Stütze zu haben, an die man sich anlehnen kann.
- Der Gedanke geht der Sprache voraus: Sprache ist ein System von Zeichen, die nicht zwingend gesprochen oder geschrieben werden müssen.
- Dem Denken liegt die Sprache zugrunde: Denken ist eine angeborene Fähigkeit, die entwickelt und perfektioniert werden kann. Sprache hingegen wird erlernt. Da niemand mit dem Wissen geboren wird, wie man spricht, sollte das Denken der Sprache vorausgehen.
Sprache und Wirklichkeit
Die Beziehungen zwischen Sprache und Wirklichkeit lassen sich wie folgt beschreiben:
- Die menschliche Sprache ist konventionell. Wörter entstehen nicht auf natürliche Weise aus den Dingen, sondern "alle unsere Sprachen sind Kunstwerke", authentische Artefakte. Nicht einmal lautmalerische Wörter stehen in einer Eins-zu-eins-Beziehung zur Realität (zum Beispiel die unterschiedliche Interpretation des Hahnenschreis, S. 145).
- Die menschliche Sprache ist symbolisch, da sie Zeichen verwendet, anstatt die bezeichneten Dinge selbst darzustellen.
- Sprache ist subjektiv. Wörter drücken Realitäten durch allgemein akzeptierte Konventionen aus. Da Wörter jedoch von Individuen gesprochen werden, hängen sie davon ab, wie die jeweilige Person die Realität wahrnimmt und sie sich vorstellt. Die Sprache drückt keine reinen Ideen aus, sondern Wirklichkeiten, auch wenn man manchmal eine Realität mit einer anderen verwechselt.
Die Philosophie der Sprache
Die ersten Philosophen befassten sich mit dem Kosmos und der sie umgebenden Realität. In der Moderne wollten Philosophen verstehen, was Wissen ist und wie es produziert wird. Dies führte zum Linguistic Turn (der sprachlichen Wende) und zur sogenannten analytischen Philosophie.
Die analytische Bewegung entwickelte sich in drei Stufen:
- Logischer Atomismus: Er betrachtet die Logik als ideales Modell der wissenschaftlichen Sprache. Sein Hauptvertreter ist Bertrand Russell (1872–1970).
- Logischer Positivismus: Er entwickelte die logische Analyse der Sprache und deren Umsetzung; geprägt wurde er durch den "Wiener Kreis".
- Analytische Philosophie: Die Rolle der Philosophie besteht in der Klärung der Sprache. Der herausragende Vertreter ist Ludwig Wittgenstein.
Wittgenstein und die analytische Philosophie
Wittgenstein fragt: "Was ist die Bedingung der Möglichkeit von A-priori-Bedingungen?" Die Sprache macht dies möglich.
Der Gedanke wird erst durch die Sprache ermöglicht. Das Denken stößt an die Grenzen dessen, was eine Sprache sinnvoll ausdrücken kann. Wenn die Sprache ihren Sinn verliert, drückt sie nichts mehr aus. Somit bestimmt die Sprache das Denken und macht es erst möglich.