Deutsche Grammatik: Satzglieder und Phrasen erklärt

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Punkt 2: Der einfache Satz – Phrasen und Funktionen


1. Satzbau


1.1 Syntaktische Struktur

Ein Satz besteht aus einer Reihe von Phrasen, die bestimmte Funktionen übernehmen (Subjekt, direktes Objekt, indirektes Objekt etc.).

1.2 Struktur der Semantik oder Bedeutung

Diese wird durch Funktionen gebildet, die sich auf die Wirklichkeit beziehen: Agens (Handelnder), Patiens (Betroffener), Objekt-Empfänger etc.

1.3 Die Phrase (Satzglied)

Eine Phrase ist ein Wort oder eine Gruppe von Wörtern, die im Satz eine syntaktische und semantische Rolle spielen. Einfache Sätze können aus einem einzigen Wort bestehen, z. B. „Essen!“. Komplexe Sätze bestehen üblicherweise aus einem Kern und weiteren Wörtern, die diesen ergänzen oder bestimmen.

Nach der grammatischen Kategorie des Kerns unterscheiden wir folgende Phrasen:

  • Verbalphrase: Ihr Kernstück ist ein Verb; ihre Funktion ist das Prädikat.
  • Nominalphrase: Ihr Kernstück ist ein Substantiv; sie übernimmt Funktionen des Namens.
  • Adjektivphrase: Ihr Kernstück ist ein Adjektiv; sie fungiert als Attribut oder prädikatives Attribut.
  • Adverbialphrase: Im Mittelpunkt steht ein Adverb; sie kann eine Ergänzung zu einem Verb, Adjektiv, Adverb oder Substantiv sein.
  • Präpositionalphrase.

2. Die Verbalphrase

Die Verbalphrase ist die syntaktische Funktion, die das Prädikat des Satzes bildet. Sie hat als Kern ein Verb oder eine verbale Umschreibung (Periphrase) und kann durch verschiedene Ergänzungen erweitert werden.

2.1 Das direkte Objekt

Diese syntaktische Funktion wird verwendet, um die Bedeutung transitiver Verben zu vervollständigen.

  • Realisierung: Die Funktion kann durch eine Nominalphrase, Präpositionalphrase, einen Substantiv-Nebensatz, ein Pronomen oder ein substantiviertes Adjektiv ausgeübt werden.
  • Direktes Objekt mit Präposition: Dies tritt häufig bei individuellen oder persönlichen Wesen auf.
  • Nachweis des direkten Objekts: Im Passiv wird es zum Subjekt (Patiens) und kann durch unbetonte Pronomen (ihn, sie, es) ersetzt werden.

Reflexive und reziproke Ergänzungen:

  • Reflexivpronomen: mich, dich, sich, uns, euch. Die Handlung bezieht sich auf das Subjekt. Beispiel: Maria wäscht sich.
  • Reziprokpronomen: uns, euch, sich. Gegenseitige Aktion. Beispiel: Peter und Maria küssen sich.

Um diese zu unterscheiden, muss man auf Ausdrücke wie „einander“, „gegenseitig“ oder „untereinander“ zurückgreifen.

Die Passivierung:
Die Passivierung ist ein Verfahren, um das direkte Objekt eines Satzes zu identifizieren.
Umwandlung von Aktiv zu Passiv:
Aktivsatz: Subjekt + Verb + direktes Objekt
Passivsatz: Subjekt (Patiens) + Verb + Agens-Ergänzung

2.2 Das indirekte Objekt

Diese syntaktische Funktion benennt Personen, Tiere oder Sachen, denen die Handlung des Verbs nutzt oder schadet.

  • Realisierung: Präpositionalphrase, Substantiv-Nebensatz, Pronomen, Adjektiv oder Nomen.
  • Es wird oft durch eine Präposition eingeleitet.
  • Nachweis: Kann durch unbetonte Pronomen (ihm, ihr, ihnen) ersetzt werden.

Indirekte reflexive und reziproke Ergänzungen:

  • Erscheint durch ein Reflexivpronomen: Beispiel: Maria bindet sich die Schuhe.
  • Personalpronomen können auch eine indirekte reziproke Funktion haben: Beispiel: Er und ich schreiben uns jeden Tag.

Der Dativ:
Unbetonte Pronomen im Dativ (mir, dir, ihm, uns, euch, ihnen) werden manchmal verwendet, um Nachdruck, Interesse oder Besitz auszudrücken.

  • Ethischer Dativ: Verleiht der Bedeutung des Satzes Nachdruck. Wenn er entfernt wird, bleibt die Grundbedeutung erhalten. Beispiel: Er aß mir den ganzen Kuchen weg.
  • Dativ des Interesses: Zeigt die Nähe oder den Besitz an. Beispiel: Wir werfen uns die Lampe um (um zu zeigen, dass es unsere Lampe war).

2.3 Das Präpositionalobjekt (C. Reg)

Vervollständigt die Bedeutung von Verben, die eine feste Präposition erfordern (klagen über, wagen zu, achten auf).

  • Nachweis: Es wird immer eine Präposition vorangestellt.
  • Realisierung: Nominalphrase, Pronomen, Präpositionalphrase, Substantiv-Nebensatz oder Adjektiv.

2.4 Die Agens-Ergänzung (C. Ag)

Die Agens-Ergänzung wird meist durch Präpositionen eingeleitet und erscheint bei transitiven Verben im Passiv.

  • Nachweis: Sie entspricht dem aktiven Subjekt des Satzes.
  • Realisierung: Präpositionalphrase oder Substantiv-Nebensatz.

2.5 Die adverbiale Bestimmung

Dies ist eine syntaktische Funktion, die Umstände wie Zeit, Art, Ort, Menge, Begleitung oder Instrument ausdrückt.

  • Realisierung: Nominalphrase, Adverbialphrase, Präpositionalphrase oder Adverbial-Nebensatz.
  • Nachweis: Sie kann oft weggelassen werden, ohne dass der Satz ungrammatisch wird.
  • Adverbiale der Umstände: Drücken Ort, Zeit, Art und Menge aus. Sie können durch Adverbien ersetzt werden.
  • Nicht-adverbiale Umstände: Diese können nicht durch einfache Adverbien, sondern eher durch Pronomen ersetzt werden. Dazu gehören: Begleitung (mit Freunden), Ursache (aus Mitleid), Zweck (zum Sparen), Empfänger (für William), Material (aus Holz), Mittel (durch seinen Sohn), Instrument (mit einem Skalpell) und Mangel (ohne Empfehlung).

2.6 Das Attribut

Das Attribut ist eine syntaktische Funktion, die sich auf das Subjekt bezieht und durch ein Kopulaverb vermittelt wird. Es dient der Identifizierung (Pepe ist der Regisseur), der Klassifizierung (Pepe ist Lehrer) oder der Eigenschaftszuweisung (Pepe ist lustig).

  • Kopulaverben: sein, werden, scheinen.
  • Prädikative Verben: Alle anderen Verben.
  • Realisierung: Nominalphrase, Präpositionalphrase, Adverbialphrase, Adjektivphrase, Infinitiv oder Substantiv-Nebensatz.
  • Das Attribut stimmt oft in Genus und Numerus mit dem Subjekt überein.
  • Test: Ersatz durch „so“ oder Pronomen.

2.7 Das Prädikativum

Das Prädikativum ergänzt ein Verb sowie eine Nominalphrase (Subjekt oder direktes Objekt). Beispiel: Der Hund bellt ängstlich.

  • Test: Es stimmt mit dem Nomen in Genus und Numerus überein.
  • Subjektsprädikativ: Erscheint bei prädikativen Verben und ist nicht zwingend erforderlich.
  • Objektsprädikativ: Ergänzt das direkte Objekt.

2.8 Satzadverbiale

Diese wirken sich nicht nur auf das Prädikat, sondern auf den ganzen Satz aus. Sie werden oft durch Kommata abgetrennt.

  • Themen: Stehen am Satzanfang. Beispiel: Wissenschaftlich gesehen ist das ein Fehler.
  • Bewertende Adverbiale: Geben die Einstellung des Sprechers wieder. Beispiel: Glücklicherweise ist er heute nicht gekommen.
  • Deklarative Ergänzungen: Beziehen sich auf den Sprechakt. Beispiel: Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht.

2.9 Funktionen und Werte des Pronomens „sich“

  • Reflexiv und reziprok: Maria wäscht sich oder Peter und Maria umarmen sich.
  • Dativ-Funktion: Das Pronomen kann optional sein, ohne die Struktur zu verändern.
  • Pronominale Verben: Verben, die nur mit Reflexivpronomen existieren (sich befassen).
  • Ersatzform: Zur Vermeidung von unschönen Lautfolgen bei mehreren Pronomen.
  • Passiv-Reflexiv und unpersönliche Sätze: Verwendung zur Bildung von Passivkonstruktionen oder unpersönlichen Aussagen.
  • Medium-Funktion: Das Subjekt führt den Prozess nicht aktiv aus, sondern erfährt ihn. Beispiel: Die Kinder schlafen ein.

3. Die Nominalphrase

Eine syntaktische Kategorie mit einem Substantiv oder Pronomen als Kern. Sie übernimmt Funktionen wie Subjekt, direktes Objekt, indirektes Objekt etc.

3.1 Substantivierung

Sätze oder Wörter, die kein Substantiv als Kern haben, aber wie eine Nominalphrase funktionieren.

  • Substantivierte Artikel: z. B. das Schwierige.
  • Metasprachliche Verwendung: Beispiel: „Mama“ hat zwei Silben.

3.2 Determinanten

Begleiten den Kern der Nominalphrase, um dessen Bedeutung einzuschränken.

  • Personalpronomen: ich, du, er, sie, es, wir, ihr, sie.
  • Possessivpronomen: mein, dein, sein, unser, euer, ihr.
  • Demonstrativpronomen: dieser, jener, das.
  • Quantifizierer (unbestimmt): ein, einige, alle, viele, mehrere, wenig.
  • Zahlen: eins, zwei, drei.
  • Relativpronomen: welcher, der, die, das.
  • Interrogativ- und Exklamativpronomen: wer, was, welcher, wie.

3.3 Ergänzungen zum Substantiv

  • Relationale Ergänzungen: Bilden mit dem Nomen eine Einheit (Handy, Bürgerkrieg).
  • Spezifizierende Attribute: Schränken die Klasse des Namens ein (der neue Computer).
  • Qualifizierende Attribute: Nennen eine Eigenschaft (intelligente Antwort).
  • Appositionen: Substantive, die den Kern direkt modifizieren (König Juan Carlos, mein Nachbar). Diese können erläuternd oder identifizierend sein (Cervantes, der Autor des Don Quijote).

4. Die Adjektivphrase

Eine syntaktische Kategorie mit einem Adjektiv als Kern. Sie besteht aus dem Kern und optionalen Ergänzungen. Funktionen: Attribut oder Prädikativum.

5. Die Adverbialphrase

Eine syntaktische Kategorie mit einem Adverb als Kern. Sie besteht aus dem Kern und Ergänzungen (andere Adverbien oder Präpositionalphrasen). Funktionen: Adverbiale Bestimmung oder Satzadverbial.

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