Divination und Bestattungsriten im antiken Griechenland
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Divination: Seher und Orakel
Die Wahrsagerei, ausgeübt von Sehern und Orakeln, erfüllte eine zentrale Funktion. In der griechischen Religion gab es zwei Arten der Divination:
- Von den Göttern inspiriert: Hierbei erhielt der Wahrsager die Nachricht direkt von den Göttern, wie etwa die Pythia von Delphi.
- Durch Technik erlernt: Hierbei wurden Zeichen interpretiert, um den göttlichen Willen zu deuten.
Heiligtümer, in denen Gott durch Wahrsagerei sprach, wurden Orakel genannt. Die berühmtesten waren Delphi und Dodona.
Das Orakel von Delphi
Das Leben im Heiligtum war darauf ausgerichtet, die Zukunft zu deuten und Ratschläge zu erteilen. Bevor der Kunde den Tempel betrat, wurde er mit heiligem Wasser gereinigt und hinterließ eine Geldspende auf dem Altar; anschließend wurden Schafe oder Ziegen geopfert.
Danach betrat der Kunde das Adyton, wo die Pythia (Priesterin) bereits in Ekstase war. Die Pythia beantwortete die Fragen mit unverständlichen Schreien und Worten, die von Priestern in eine mehr oder weniger rätselhafte Antwort übersetzt wurden.
Die Rituale des Todes
Bestattungsriten begannen bereits am Tag des Todes:
- Vorbereitung: Die Frauen der Familie wuschen den Leichnam, salbten ihn mit Parfüms, kleideten ihn in Weiß, bedeckten ihn mit einem Laken (das Gesicht blieb unbedeckt) und schmückten ihn mit Blumen.
- Aufbahrung: Der Verstorbene wurde ein oder zwei Tage auf einem Bett im Foyer des Hauses aufgebahrt, wo Verwandte und Freunde Abschied nehmen konnten. Währenddessen klagten die Frauen der Familie in schwarzer Kleidung mit einem rituellen Schrei.
- Beigaben: Oft wurde dem Verstorbenen eine Münze in den Mund gelegt, um Charon, den Fährmann, zu bezahlen, der die Seelen über den Fluss transportierte. Manchmal wurde auch ein ringförmiger Kuchen beigelegt, um den Höllenhund Zerberus zu besänftigen.
Die Prozession und Bestattung
Vor dem Morgengrauen begann die Trauerprozession. Der Körper wurde zur Nekropole (Friedhof) außerhalb der Stadt getragen. Der Verstorbene wurde auf einem Bett aus Blättern oder in einer Kiste aus Holz oder Ton beigesetzt. Neben dem Leichnam wurden Gegenstände wie Waffen, Keramik, Schmuck oder Spielzeug deponiert.
Nach der Bestattung reinigte sich die Familie zu Hause, wusch den Ort und hielt ein Festmahl ab.
Der Kult der Toten
Der Kult der Toten war ein entscheidender Aspekt der Familienreligion. Das Gedenken an den Verstorbenen fand am dritten, neunten und dreißigsten Tag nach der Beerdigung statt. Es war Pflicht, die Familiengräber zu pflegen und jährliche Riten zu Ehren der Toten zu feiern, damit ihre Seelen nicht als Gespenster die Lebenden verfolgten. An jedem Geburtstag wurde das Grab besucht.