Émile Durkheim: Arbeitsteilung und soziale Solidarität

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In seinen Theorien zur mechanischen und organischen Solidarität analysiert Émile Durkheim den Wandel der Gesellschaftsstruktur. Der Übergang von primitiven zu modernen, zivilisierten Gesellschaften ist durch eine zunehmende Arbeitsteilung gekennzeichnet.

Die Rolle der moralischen Normen

Diese Arbeitsteilung stützt sich auf ein System moralischer Normen innerhalb der Gruppe. Durkheim argumentiert, dass die Arbeitsteilung dazu dient, die Gesellschaft zu integrieren – ein Zustand, den er als Solidarität bezeichnet.

Formen der Solidarität

Solidarität manifestiert sich in rechtlichen Normen und lässt sich in zwei Hauptformen unterteilen:

  • Mechanische Solidarität: Dominiert durch ein gemeinsames kollektives Bewusstsein. Abweichungen werden als Verbrechen gegen den Konsens der Gruppe gewertet (Beispiele: Armee, Kirche).
  • Organische Solidarität: Entsteht durch den Prozess der Arbeitsteilung. Hier herrschen Toleranz und Pluralismus vor; Abweichungen werden eher akzeptiert.

Rechtliche Manifestationen

Durkheim unterscheidet zwei Arten von Rechtsnormen:

  • Mechanische Gesellschaft: Regeln zwischen Menschen und Dingen.
  • Organische Gesellschaft: Standards zwischen Menschen und Menschen.

Kritik am Individualismus und Anomie

Durkheim kritisiert den Individualismus und Kontraktualismus. Er warnt davor, dass eine extreme organische Solidarität zu einer anomischen Situation führen kann – einem Zustand der Isolation des Einzelnen oder eines Widerspruchs durch das Fehlen sozialer Normen. In solchen Fällen kann der soziale Zusammenhalt nur durch Zwang aufrechterhalten werden.

Lösungsansätze und soziale Tatsachen

Der Klassenkampf ist für Durkheim das Ergebnis einer zwangsweise auferlegten Arbeitsteilung. Er lehnt gewaltsame Mittel ab und schlägt stattdessen eine Lösung mit friedlichen Mitteln vor: die Einrichtung von Zwischengruppen, die verschiedene Berufe schützen und die Interessen des Einzelnen wahren.

Abschließend betont Durkheim, dass soziale Tatsachen wie Dinge behandelt werden müssen. Eine soziale Tatsache ist dabei eine Art zu denken oder zu fühlen, die außerhalb des individuellen Bewusstseins existiert.

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