Emotionale Entwicklung und Bindung bei Säuglingen
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1. Emotionale Reaktionen zwischen sechs und neun Monaten
In diesem Lebensabschnitt treten zwei besonders typische emotionale Reaktionen auf:
- Angst vor Fremden: Diese erscheint etwa ab dem sechsten Monat, wird jedoch erst zwischen dem zehnten und vierzehnten Monat deutlich sichtbar. Nicht alle Kinder reagieren gleich; die Intensität hängt vom Temperament des Kindes, den Merkmalen des Fremden und der Situation ab. Besonders entscheidend ist die Anwesenheit der Mutter: Ist sie abwesend, reagiert das Kind mit deutlich stärkerer Angst.
- Trennungsangst: Diese tritt typischerweise ab dem achten oder neunten Monat auf, erreicht ihren Höhepunkt um den vierzehnten Monat und nimmt danach langsam ab. Auch hier variiert die Reaktion je nach Temperament des Kindes und der Art der Trennungssituation.
2. Definition des Bindungsbegriffs nach Ainsworth
Der Begriff der Bindung beschreibt eine emotionale Verbindung zwischen einem Individuum und einer Bezugsperson, die über Zeit und Raum hinweg Bestand hat.
3. Faktoren der Bindungsentwicklung
Die Qualität der Bindung hängt maßgeblich von der Feinfühligkeit der Mutter gegenüber den Bedürfnissen des Kindes ab:
- Sichere Bindung: Mütter, die auf die Bedürfnisse ihrer Kinder sensibel reagieren und Vertrauen vermitteln, fördern eine sichere Bindung.
- Unsichere Bindung: Mütter, die unsicher agieren, begünstigen eher eine unsichere Bindung beim Kind.
Zudem spielt das Temperament des Kindes eine Rolle. Kinder mit einem schwierigen oder ängstlichen Temperament können mehr Herausforderungen bei der Bindungsentwicklung aufweisen. Interessanterweise kann ein Kind zu verschiedenen Bezugspersonen unterschiedliche Bindungstypen entwickeln (z. B. sicher zum Vater, unsicher zur Mutter). Auch die eigene Bindungserfahrung der Eltern aus deren Kindheit kann die Bindungsqualität zu den eigenen Kindern beeinflussen.
4. Definition des Temperaments in der Psychologie
Das Temperament ist ein Aspekt der Persönlichkeit, der sich auf die Art, Geschwindigkeit und Intensität von Reaktionen bezieht. Es wird oft synonym mit der Grundstimmung einer Person verwendet. Temperamentseigenschaften gelten als angeboren, zeigen sich sehr früh im Leben und bleiben über die Lebensspanne hinweg relativ stabil, wenngleich sie sich verändern können. Diese Stabilität wird in der Forschung jedoch kontrovers diskutiert und nicht in allen Studien einheitlich bestätigt.