Die Entwicklung der Atomtheorie: Von der Antike zur Moderne
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Frühe philosophische Ansätze
Den Anfang machten die griechischen Philosophen, die begannen, rationale Fragen zu stellen und versuchten, Erklärungen oder Prinzipien zu finden, um die Natur der Dinge zu erklären. Zum Beispiel postulierte Thales von Milet, der zwischen dem 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. lebte, dass die Grundsubstanz des Universums Wasser sei, aus dem sich die Beschaffenheit aller Dinge erklären ließe.
Eine andere Sichtweise vertrat Empedokles (5. Jh. v. Chr.), der verschiedene Traditionen zusammenführte und argumentierte, dass es vier grundlegende Substanzen gäbe: Wasser, Luft, Feuer und Erde. Durch deren Mischung könnten alle Elemente der Natur entstehen.
Die Debatte um die Teilbarkeit der Materie
Eine der Diskussionen, die in der antiken Welt in Bezug auf die Materie aufkam, war die Frage, ob diese immer weiter teilbar (kontinuierlich) sei oder ob es eine Grenze gäbe (diskret).
Während einige Philosophen postulierten, dass Materie kontinuierlich sei und somit immer weiter unterteilt werden könne, argumentierten andere, dass sie diskret sei – es also eine Grenze gäbe, an der sie nicht weiter zerlegt werden könne. Diese Grenze oder dieses Elementarteilchen wurde Atom (das Unteilbare) genannt.
Die wichtigsten Vertreter dieser Idee waren Demokrit von Abdera und Leukipp von Milet (beide griechische Philosophen, die im 5. Jahrhundert v. Chr. lebten).
Die Atomistik
Leukipp und Demokrit glaubten, dass Materie eine diskrete Verteilung aufweise und dass winzige, unteilbare und strukturlose Fundamentalteilchen die Grundlage aller Materie bildeten.
Postulate der antiken Atomtheorie
- 1. Alle Materie besteht aus Atomen, die sich in einem Vakuum befinden.
- 2. Atome sind kleine Teilchen, die sich durch ihre Härte, Form und Größe auszeichnen. Andere Eigenschaften der Materie, wie Farbe, Geschmack und Temperatur, sind lediglich subjektive Eindrücke.
- 3. Die Kombination von Atomen bildet die vier Elemente (Wasser, Luft, Feuer und Erde), die wiederum durch Verbindungen alle Stoffe formen.
Der Beitrag des wissenschaftlichen Denkens
Den griechischen Atomisten kommt das Verdienst zu, sich der Wirklichkeit durch die Attribute des Denkens, der Beobachtung, der Phantasie und des logischen Schließens genähert zu haben. Jedoch fehlte ihnen der entscheidende Schritt, der das moderne wissenschaftliche Denken ausmacht: Das Experiment.
Galileo Galilei war es, der der experimentellen Methode den Vorrang einräumte, um Naturphänomene zu prüfen und Erkenntnisse zu gewinnen.
Robert Boyle: Er war herausragend in der Vertiefung der Thematik und definierte das Konzept des chemischen Elements als einen Stoff, der nicht weiter zerlegt werden kann. Er schlug vor, dass ihre Zahl größer als vier sein müsse.
Das Atommodell von John Dalton
John Dalton entwickelte 1808 das erste wissenschaftliche Atommodell, das auf Massenmessungen und Proportionen von Stoffen basierte. In seinem Werk formulierte er folgende Ideen:
- Die chemischen Elemente bestehen aus winzigen, unteilbaren Teilchen.
- Alle Atome desselben chemischen Elements sind identisch.
- Die Massen der Atome verschiedener chemischer Elemente sind unterschiedlich.
- Atome sind unzerstörbar und behalten ihre Identität bei chemischen Veränderungen bei.
- Atome sind kugelförmig und kombinieren sich miteinander in einfachen Verhältnissen (1:2, 2:3 usw.), um chemische Verbindungen zu bilden.
Zusammenfassend nutzte Dalton für seine Erkenntnisse eine mathematische Sprache und erfand zudem eine Symbolik, um chemische Veränderungen zu beschreiben.
Erste Experimente mit atomaren Teilchen
I. Das Thomson-Experiment
Während des 19. Jahrhunderts begannen Wissenschaftler mit Kathodenstrahlröhren zu experimentieren. Diese bestehen aus einem Glasrohr mit einem Gas unter sehr niedrigem Druck, in dem zwei Metallplatten (Kathode und Anode) platziert und mit einer Spannungsquelle verbunden sind.
Der englische Physiker Joseph Thomson studierte 1897 eingehend die sogenannten Kathodenstrahlen.
Thomsons Beobachtungen
Experimentelle Befunde von Thomson:
- Die Strahlen erzeugen Schatten.
- Die Strahlen werden beim Durchlaufen eines Magnetfeldes abgelenkt.
- Die Strahlen wandern immer von der negativen Platte (Kathode) zur positiven Platte (Anode).
Thomsons Schlussfolgerungen:
- Es handelt sich um elektrisch geladene Teilchen.
- Sie bewegen sich in geraden Linien.
- Sie besitzen eine negative elektrische Ladung.
Kurz gesagt fand Thomson heraus, dass Kathodenstrahlen negativ geladene Teilchen und Fragmente dessen waren, was er als Atom betrachtete. Da Materie im Allgemeinen elektrisch neutral ist, schlussfolgerte er, dass der andere Teil des Atoms eine positive Ladung aufweisen müsse. Durch Massenberechnungen fand er zudem heraus, dass der Großteil der Masse auf die positive Ladung entfällt.
Mit diesen Erkenntnissen entwarf Thomson ein Modell, in dem Elektronen in eine Masse positiver Ladung eingebettet sind – ähnlich wie Rosinen in einem Kuchen (Rosinenkuchenmodell).
II. Das Rutherford-Experiment
Im Jahre 1911 führte der englische Physiker Ernest Rutherford unter Anwendung der Streuungstechnik folgendes Experiment durch:
Er bombardierte eine dünne Goldfolie mit Alpha-Teilchen (Heliumkerne). Von einer radioaktiven Quelle wurden Alpha-Teilchen durch einen Kollimator auf die Goldfolie geleitet. Auf der anderen Seite der Folie platzierte er einen fluoreszierenden Schirm, um die Einschläge der Teilchen und somit deren Flugbahn nach dem Passieren der Folie zu erfassen.
Rutherford stellte fest, dass die Mehrheit der Teilchen die Goldfolie ungehindert passierte. Einige wurden in kleinen Winkeln abgelenkt, während einige wenige (selten) in einem weiten Winkel abgelenkt oder sogar zurückgeworfen wurden.
* Streuung: Eine indirekte Beobachtungstechnik, bei der Teilchen auf ein Ziel geschossen und die Ergebnisse analysiert werden.
Das Rutherford-Modell
Was Rutherfords Aufmerksamkeit am meisten erregte, war die Tatsache, dass einige Alphateilchen um fast 180° zurückgeworfen wurden. Er sagte, dies sei so überraschend, als ob man Kanonenkugeln auf ein Stück Papier abfeuere und diese zurückprallen würden.
Er nahm an, dass der physische Raum, in dem der Großteil der Masse des Atoms konzentriert ist, sehr klein sein müsse – der sogenannte Atomkern. Basierend auf seinen Beobachtungen postulierte er ein Modell mit folgenden Merkmalen:
- Das Atom besitzt einen Kern, in dem mehr als 99 % der Masse konzentriert sind.
- Der Atomkern ist positiv geladen.
- Der Kernradius ist etwa hunderttausendmal kleiner als der Radius des Atoms (ca. 10^-15 m).
- In der äußeren Hülle befinden sich die negativ geladenen Elektronen mit geringer Masse.
- Die Elektronen bewegen sich mit hoher Geschwindigkeit um den Atomkern.
Da die Größen der Atome extrem klein sind, ist die Angabe in Metern unpraktisch. Daher wird oft die Einheit Angström (Ǻ) verwendet, wobei 1 Ǻ = 10^-10 m entspricht. Die Größe von Atomen variiert meist zwischen 1 und 2 Ǻ.
Rutherfords Planetenmodell
Aufgrund der Tatsache, dass die Elektronen den Kern umkreisen, ist Rutherfords Modell auch als Planetenmodell bekannt.
Schwächen des Rutherford-Modells
Ein wissenschaftliches Modell dient vor allem dazu, beobachtete Phänomene zu erklären. Obwohl Rutherfords Modell ein großer Durchbruch im Vergleich zu dem von Thomson war und Dinge erklärte, die Thomsons Modell nicht leisten konnte, ließ es einige Phänomene unerklärt.
In Rutherfords Atommodell befinden sich die Elektronen in einiger Entfernung vom Kern und bewegen sich um ihn herum. Da sich ihre Geschwindigkeit dabei ständig ändert, besitzen sie eine Zentripetalbeschleunigung. Nach der klassischen Elektrodynamik sollten beschleunigte Ladungen elektromagnetische Strahlung emittieren.
Wenn man annimmt, dass die Elektronen beschleunigt werden, müssten sie Strahlung emittieren, dadurch Energie verlieren und schließlich spiralförmig in den Atomkern stürzen. Dies würde bedeuten, dass das Atom extrem instabil wäre – was in der Realität jedoch nicht auftritt.