Die Entwicklung der Generation von 27: Phasen und Merkmale
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Die Entwicklung der Generation von 27
Die Entwicklung der Generation von 27 verläuft nicht einheitlich. Im Folgenden erläutere ich die drei Phasen, wobei vorab anzumerken ist, dass nicht alle Dichter diese Entwicklung im gleichen Umfang oder zur gleichen Zeit vollzogen haben.
Schritt 1: Die Zwanziger Jahre (ca. 1920–1927) – Reine Poesie
Während dieser Zeit und unter dem Einfluss von Góngora, Juan Ramón Jiménez und der Avantgarde kultivierten die meisten Dichter eine Art von Poesie, die durch folgende Merkmale geprägt war:
- Formale Strenge: Das Streben, Schönheit durch Worte zu erschaffen.
- Sinnfreiheit: Eine konzeptionelle Poesie, die als „reine“ und „entmenschlichte“ Dichtung betrachtet wurde.
- Elitärer Charakter: Aufgrund ihrer abstrakten und komplexen Natur war diese Lyrik oft dunkel und für eine „große Minderheit“ bestimmt.
Stufe 2: Die Dreißiger Jahre (1927–1939) – Rehumanisierung
Die Hommage an Góngora (1927) markiert den Höhepunkt und den Niedergang der ästhetischen Ideale der ersten Etappe. Man wurde des reinen Formalismus müde und entwickelte den Wunsch nach einer wärmeren, menschlicheren Kommunikation. Dieser Prozess der Rehumanisierung erfolgte in zwei Phasen:
1. Der Einfluss des Surrealismus
Der Surrealismus diente als Vehikel, um emotionale Räume des menschlichen Geistes zurückzugewinnen:
- Ausdruck tiefer persönlicher Krisen.
- Rückzug von der Entmenschlichung des modernen Lebens und des Fortschritts.
- Untersuchung tiefster Gefühle wie Liebe, Lust und Völlegefühl. Manche Kritiker sprechen hierbei sogar von einer neuen Romantik und dem Einfluss von Bécquer.
2. Engagierte Poesie
Die problematische soziale und politische Situation – gekennzeichnet durch soziale Konflikte, den Sturz der Diktatur von Primo de Rivera, die Ausrufung der Republik und den Aufstieg des Faschismus in Europa – führte zu einem Wandel. Die Dichter der Generation von 27 ersetzten poetische Spielereien durch die Anklage von Ungerechtigkeiten und das Zeugnis des Leidens der Benachteiligten. Die Sprache wurde direkter, der Ton bewegte sich von Heiterkeit zu Wut. Viele Mitglieder bekannten sich zum Kommunismus und unterstützten bei Ausbruch des Bürgerkriegs die Republik.
Schritt 3: Die vierziger Jahre
Nach dem Bürgerkrieg zerstreute sich die Gruppe: Lorca wurde ermordet, der Rest ging bis auf wenige Ausnahmen ins Exil. Jeder Dichter fand seinen eigenen Rhythmus, doch allgemeine Hinweise auf Pessimismus, Bitterkeit, Entwurzelung und Schmerz sind allgegenwärtig. Die neue Richtung erfordert eine doppelte Unterscheidung:
- Exil: Bei den Dichtern im Exil dominiert die Sehnsucht nach der verlorenen Heimat und die Verwünschung gegen die Sieger.
- In Spanien: Es entwickelte sich eine existenzielle Poesie des Humanismus, die Themen wie die durch den Krieg verstörte Welt, die Entwurzelung des Menschen, Verzweiflung und die Suche nach Gott behandelte.