Die Entwicklung der griechischen Philosophie
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Vom Mythos zum Logos
Denken bedeutet, die Wirklichkeit zu erfassen und ihr Sinn und Bedeutung zu verleihen. Warum brauchen Menschen Ideen zum Denken? Wie können wir die Wirklichkeit erkennen? Die Realität, die sich unseren Sinnen manifestiert, stellt eine Veränderung der Wirklichkeit dar. Diese Tatsache ist ein Problem für das Wissen.
Magisch-religiöse Interpretationen waren und sind eine Erklärung für unsere Existenz. Sie erklären den Ursprung der Natur und des Universums aus einer göttlichen Perspektive (mythische Erklärung). Zwischen dem 7. Jahrhundert v. Chr. und der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. fand der Übergang zum Logos statt. Die einzige Erklärung, die zuvor existierte, war die legendäre (mythische). Diese wurde im Zuge des Demokratisierungsprozesses von Athen durch die rationale Erklärung ersetzt.
Eigenschaften der mythischen Erklärung
- Sie ist mit der Fantasie verbunden.
- Es handelt sich um eine Erklärung, die durch Tradition überliefert wurde.
- Die Dichter waren dafür verantwortlich, diese Erzählungen zu verbreiten.
- Es ist eine Erklärung, die die Wirklichkeit aus totalitären Fragestellungen ableitet.
Eigenschaften der rationalen Erklärung
- Sie ist mit dem Verstand verbunden.
- Wir stellen Fragen über die Gesamtheit der Wirklichkeit.
Die Bedeutung des Übergangs vom Mythos zum Logos liegt im Wort (was möglich ist, da der Mensch über Stimme und Sprache verfügt).
Unterschiede zwischen Mythos und Logos
Der Mythos basiert auf assoziativem Denken. Die Interpretation der Wirklichkeit ist kontingent; alles hängt vom göttlichen Willen und der Willkür ab. Es werden äußere Elemente zur Erklärung herangezogen.
Der Logos ist an Fakten, Regelmäßigkeiten und Beweisen interessiert, um die Wirklichkeit aus der Wirklichkeit selbst heraus zu erklären. Er nutzt abstraktes und logisches Denken.
Die Entstehung des rationalen Philosophierens
Wo, wann, wie und warum entstand das rationale Denken? Es entstand in Griechenland. Zu dieser Zeit siedelte sich die Bevölkerung in kleinen Tälern an und nutzte die dortigen Ressourcen. Mit wachsender Bevölkerung bildeten sich Dörfer und die Menschen wanderten aus. Es herrschte eine Ständegesellschaft: 1. Götter, 2. Adel, 3. Armee, Sklaven und Ausländer.
Die Tatsache, dass man in dieser Gesellschaft frei denken und sprechen konnte, erleichterte die Entstehung des rationalen Denkens. Die Philosophie entstand im späten 7. und 6. Jahrhundert v. Chr. Die ältesten Texte, die als philosophisch gelten können, stammen aus der Stadt Milet. Dort bildete sich eine Schule, zu der Thales, Anaximander und Anaximenes gehörten.
Milet war eine Kolonie in Magna Graecia. Zu dieser Zeit begann die Stadt Athen gegenüber anderen Poleis (Stadtstaaten) an Bedeutung zu gewinnen, da sie Kriege gewann und Handel, Denken sowie Kultur förderte. Athen wurde zur am weitesten entwickelten Polis. Die Blütezeit Athens lag im 5. Jahrhundert v. Chr. Später, im 4. Jahrhundert, gab es militärische Reformen, die den Zugang für mehr Menschen öffneten.
Man kann behaupten, dass die griechische Gesellschaft zeitweise totalitär strukturiert war (Götter, Adel, Arbeiter, Armee). Der Fortschritt der Demokratie in Athen wird auf den politischen und wirtschaftlichen Fortschritt (Handel) zurückgeführt. Durch die Kenntnis anderer Kulturen, Glaubensrichtungen und Sitten begannen die Menschen, die Wahrheit ihrer eigenen Kultur infrage zu stellen. Dank dieser Kritik entstand das rationale Denken parallel zum Prozess der Demokratisierung.
Die Vorsokratiker
Alle Philosophen vor dem 5. Jahrhundert v. Chr. (vor Sokrates) werden als Vorsokratiker bezeichnet. Sie waren „Physiker“ und suchten nach der Arché (oder Arge). Die Arché ist das ultimative Prinzip, das die gesamte Wirklichkeit erklären kann.
Der Begriff der Physis hatte bei den Griechen zwei Bedeutungen:
- Die Menge aller existierenden natürlichen Dinge.
- Die Natur als Ursprung, Ursache, Verfassung und Wesen des Seins.
Die ersten Philosophen glaubten, sie könnten dieses Prinzip verstehen, um alles Reale zu erklären. Die Arché sucht die Ursache und das Wesen der Natur.
- Thales von Milet: Er stellte fest, dass alle Lebewesen Wasser brauchen. Daher sagte er: „Die Arché ist das Wasser“, und alles geht daraus hervor.
- Anaximenes: Er behauptete, die Arché müsse die Luft sein. Durch Verdichtung und Verdünnung transformiert sie sich in verschiedene Zustände.
- Anaximander: Er sagte, die Arché sei weder Luft noch Wasser, sondern das Apeiron – ein unbestimmtes, unendliches Element.
Ontologie: Parmenides und Heraklit
Die Ontologie ist der Teil der Philosophie, der sich mit der Untersuchung des Seienden befasst. Parmenides und Heraklit vertraten gegensätzliche Positionen.
Parmenides
Parmenides vertrat eine absolute Ontologie. Er sprach von Realität, Wahrheit und dem Sein als etwas Absolutem. Da sich das Sein nicht ändert, nutzt er die Vernunft. Sein Grundsatz: „Das Sein ist, das Nicht-Sein ist nicht“ (Leere gibt es nicht). Alles hat eine Ursache; aus dem Nichts kommt nichts. Eigenschaften des Seins: Es ist ewig, unbeweglich, einzigartig, kompakt und kugelförmig.
Heraklit
Heraklit vertrat eine relativistische Ontologie. Das Sein ist nicht absolut, da man „nie zweimal in denselben Fluss steigen kann“. Die Evolution und der konstante Wandel sind das Wahre. Der Motor der Entwicklung ist der Kampf und der Konflikt zwischen Gegensätzen. Er beschreibt dies durch die Dialektik:
- These: Behauptung
- Antithese: Verneinung
- Synthese: Aufhebung der Verneinung, die These und Antithese zugleich überwindet und bewahrt.
Demokrit
Demokrit versuchte eine Synthese zwischen Parmenides und Heraklit. Er sagte, die Realität bestehe aus Atomen, Vakuum und Bewegung. Jedes Atom hat die Eigenschaften des parmenideischen Seins (einzigartig und unveränderlich). Gleichzeitig besitzen sie Eigenschaften von Heraklit: Sie bewegen sich und existieren in einer Vielzahl. Jede Veränderung in der Realität ist das Ergebnis der Verbindung von Atomen.
Sokrates
Sokrates wurde in Athen geboren. Er war ein Verfechter der Demokratie, aber auch ihr schärfster Kritiker. Er widmete sich der sozialen und politischen Moral. Er schrieb nie etwas auf, da er den lebendigen Dialog bevorzugte. Er akzeptierte sein Todesurteil, weil er die Gesetze achtete.
Sokrates verstand Bildung als etwas Individuelles, das aus dem Inneren kommt. Er nutzte die Vernunft, um Handlungen zu begründen. Es gibt zwei Formen der Argumentation:
- Deduktiv: Logisches und mathematisches Denken (vom Universellen zum Besonderen).
- Induktiv: Argumentation, die auf Erfahrungen basiert (vom Besonderen zum Universellen).
Die sokratische Methode (Mäeutik)
Die Methode wird auch „Hebammenkunst“ genannt. Sie besteht aus zwei Prozessen:
- Die Ironie: Sokrates stellte rhetorische Fragen, um den Schüler zur Einsicht in sein Unwissen zu führen.
- Die Begründung: Ein rationaler Dialog, der von spezifischen Erfahrungen zu einer universellen Definition führt.
Platon
Platon war ein Schüler von Sokrates und Lehrer von Aristoteles. Er war ein Vertreter des absoluten Idealismus. Im Gegensatz zu Sokrates lehnte er die Demokratie ab, da sie seinen Lehrer zum Tode verurteilt hatte. Er schlug eine Hierarchie der Stände vor.
Platon schuf die Zwei-Welten-Lehre:
- Welt der Ideen: Absolute, universelle Ideen. Sie ist die wahre Realität und hat die Eigenschaften von Parmenides.
- Sinnliche Welt: Materielle Dinge, die wir durch Sinne wahrnehmen. Sie ist unvollkommen und hat die Eigenschaften von Heraklit.
Die Seele ist unsterblich und stammt aus der Welt der Ideen. Bildung bedeutet „Erinnerung“ (Anamnesis). Es gibt drei Arten der Seele:
- Rationale Seele: Im Kopf (Weisheit und Klugheit).
- Mutartige Seele: In der Brust (Tapferkeit).
- Begehrende Seele: Im Unterleib (Mäßigung).
Die Sophisten und Protagoras
Protagoras sagte, dass die Wahrheit nicht existiert, und selbst wenn sie existierte, könnten wir sie nicht wissen oder kommunizieren. Sokrates kritisierte dies: Wenn alles relativ ist, was lehrt man dann?
Trugschlüsse (Fehlschlüsse) sind Gedanken, die korrekt erscheinen, es aber bei genauer Betrachtung nicht sind. Die Sophisten waren gebildete Menschen, die den Relativismus vertraten. Wahrheit war für sie abhängig von der Gesellschaft oder dem Individuum. Sokrates kritisierte sie, weil sie keine absoluten Werte anerkannten. Ein moderater Skeptizismus ist gesund, aber radikaler Subjektivismus führt zu Fehlern.