Entwicklung der spanischen Literatur: 1940 bis 1960

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Merkmale des Realismus

Die Literatur spiegelt die Umstände der Epoche wider. Es lassen sich drei Typen des Realismus unterscheiden: der kritische Realismus, der reine Realismus und der magische Realismus.

  • Argumentation: Die Erzählung kann nicht mehr nur auf der Grundlage eines klassischen Romans erfolgen.
  • Autor: Er tritt objektiv und allwissend auf, gibt Kommentare ab, wenngleich er manchmal als Erzähler verschwindet.
  • Leser: Er verhält sich nicht passiv, sondern aktiv (oder apathisch) und ist in der Lage, ein Buch geistig mitzuverfassen.
  • Charaktere: Der klassische Protagonist verliert an Bedeutung.
  • Techniken: Verwendung verschiedener Diskurspersonen, Entfernung von Satzzeichen und Aufbrechen der syntaktischen Struktur. Der Behaviorismus (Erzähler verschwindet) führt dazu, dass Kapitel und Sequenzen simultan angeordnet werden.
  • Struktur: Abbau der Genregrenzen; die Narration wird länger (Beispiel: "Platero y yo").

Die 40er Jahre: Prosa und Roman

Strömungen der Nachkriegszeit

  • Nationalistische Literatur: Geprägt durch den Bürgerkrieg (Guerra Civil), ideologisch ausgerichtet und formal oft schlicht. Autoren: Rafael García Serrano, Agustín de Foxá und Tomás Salvador.
  • Realistisch-traditionell: In der traditionellen Erzählweise des 19. Jahrhunderts (oder der Generation von '98). Autoren: Zunzunegui, Ignacio Agustí.
  • Phantastisch und humorvoll: Dient dem Eskapismus (Flucht aus der Realität). Autoren: Wenceslao Fernández Flórez.
  • Exilliteratur: Von großer Bedeutung; spricht über die spanische Gesellschaft aus der Ferne. Autoren: Ramón J. Sender, Francisco Ayala und Rosa Chacel.

Existenzielle Romane

Diese Werke thematisieren die Einsamkeit und die Ablehnung der Nachkriegszeit. Der Autor möchte sich aufgrund der Zensur nicht direkt sozialkritisch äußern, weshalb die individuelle Problematik im Vordergrund steht, angesiedelt in Stadt und Land.

  • Themen: Gewalt, Hunger und Elend.
  • Rollen: Charaktere, die allein in der Welt, aggressiv oder egoistisch sind.
  • Techniken: Ökonomischer Stil, häufige Verwendung der 1. Person.
  • Wichtige Romane:
    • "Nada"Carmen Laforet (nihilistisch)
    • "Schatten der Zypressen sind lang"Miguel Delibes
    • "Lola"Fernández Flórez
    • "Dunkler Spiegel"Wenceslao Fernández Flórez
    • "Pascual Duarte"Camilo José Cela

Die 50er Jahre: Sozialer Realismus

Thematische Schwerpunkte

  • Kriegsthematik: Objektive Darstellung durch Zeitübertragung. Autoren: José María Gironella, Juan Goytisolo und Cela.
  • Phantastik: Weicht vom rein sozialen Inhalt ab. Autoren: Torrente Ballester und Álvaro Cunqueiro.
  • Sozialer Realismus: Fokus auf die Gruppe statt auf das Individuum. Analyse der aktuellen Umstände. Themen: Armut, Frivolität, Geschlechterrollen, graue und düstere Atmosphäre im urbanen Raum.

Wichtige Romane der 50er Jahre

"Die Mine" (López Salinas), "Der Graben" (A. Grosso), "Das Blut" (I. Aldecoa), "Der Jarama" (Sánchez Ferlosio), "Der Weg" (M. Delibes), "Zwischen den Vorhängen" (Carmen Martín Gaite).

Technik und Stil

Es herrscht reiner Objektivismus (versteckter Erzähler) oder kritischer Realismus vor. Der Stil ist einfach, nüchtern, linear und direkt. Der Dialog ist extrem wichtig, da der Erzähler im Hintergrund bleibt. Die Sprache ähnelt einer Chronik. Zeit und Raum brechen mit der Linearität; es gibt oft keine klaren zeitlichen Referenzen.

Die 60er Jahre: Literarischer Wandel

Die politisch-kulturelle Situation ändert sich unter den Technokraten (weiche Diktatur). Spanien öffnet sich leicht, was den Zugang zu neuen Medien (Zeitschriften, Tourismus) erleichtert. Der rein soziale Roman verschwindet, da die einfache Darstellung der sozialen Thematik aufgegeben wird.

  • Technik: Rückblenden (Flashbacks), innerer Monolog, neue Konzepte von Zeit und Raum.
  • Einflüsse: Autoren wie Marcel Proust, Franz Kafka und James Joyce beeinflussen das neue Leserbild.

Lyrik der 40er Jahre

Exil und Gefängnis

Dichter, die nicht sprechen können, verharren im Schweigen oder schreiben aus dem Exil. Themen: Verlorene Heimat, Krieg und Niederlage. Autoren: León Felipe und Miguel Hernández (Themen: Liebe, Tod, Schmerz).

Verwurzelte Lyrik (Garcilasismo)

Benannt nach der Zeitschrift "Garcilaso". Klassischer, traditioneller und konservativer Schnitt. Themen: Religion, Liebe und eine idealisierte Welt. Form: Silva, Lira und Sonett. Autoren: Dionisio Ridruejo, Leopoldo Panero und Luis Rosales.

Entwurzelte Lyrik

Hartes, nüchternes und ernstes Vokabular. Themen: Die bittere Realität Spaniens, existenzielle Probleme, Schuld und Fragen an Gott. Autoren: Dámaso Alonso, Victoriano Crémer, Eugenio de Nora, Gabriel Celaya, Blas de Otero.

Andere Autoren zwischen diesen Strömungen: Carlos Bousoño, José María Valverde, José Luis Hidalgo.

Lyrik der 50er Jahre: Soziale Poesie

Solidarität mit den Leidenden steht im Vordergrund. Themen: Freiheit, Ungerechtigkeit, die Welt der Arbeiter. Der Stil ist einfach und umgangssprachlich, damit er von jedem verstanden wird (lyrisch teils als schlicht oder mittelmäßig bewertet).

  • Gabriel Celaya: "Cantos Iberos"
  • Blas de Otero: "Ich fordere Frieden und das Wort"
  • José Hierro: "Quinta del 42"

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