Die Entwicklung des spanischen Romans (1898–1936)

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1.1 Der neue Roman der Moderne und der Generation von 98

Die modernistische ästhetische Erneuerung der poetischen Sprache erstreckt sich auch auf Prosa und Fiktion. Themen und Haltungen entsprechen denen der Poesie: Sinnlichkeit, Idealisierung und Stilisierung der Wirklichkeit bilden die Grundlage der Sonaten von Valle-Inclán und Platero und ich von Juan Ramón Jiménez. Diese Werke sind Höhepunkte der modernistischen Prosa, geprägt von rhetorischer Fülle, der Flucht aus der Alltagsrealität sowie einer Atmosphäre von Nostalgie und Melancholie.

Die Generation von 98 behielt signifikante modernistische Aspekte bei (wie die Erneuerung der Sprache, impressionistische Beschreibungen und die nostalgische Verklärung der Landschaft), reagierte jedoch auf den „vulgären“ Realismus. Sie integrierte in einigen Fällen das thematische Erbe des Naturalismus (Baroja), die intellektuelle und existenzielle Belastung (Unamuno) oder eine neue Sensibilität für sprachliche Präzision und romantische Erinnerungen (Azorín).

Weitere erwähnenswerte Romanciers dieser Zeit sind neben Unamuno, Baroja, Valle-Inclán und Azorín: Manuel Ciges Aparicio und Concha Espina (realistische Tendenz), Eduardo Zamacois und Felipe Trigo (erotischer Roman) sowie Wenceslao Fernández Flórez (lyrische oder humoristische Tendenz).

1.1.1 Unamuno: Der geistige und existenzielle Roman

Miguel de Unamuno (1864–1936), Professor für Griechisch in Bilbao, war ein bedeutender Intellektueller. Sein Werk umfasst Dramen, Lyrik und Essays, doch sein Romanwerk ist besonders prägend. Er erneuerte die Gattung, indem er eine Antwort auf den vorangegangenen Realismus gab.

Seine Romane, die er als „Nivola“ bezeichnete, sind existentialistisch geprägt:

  • Nebel (1914): Suche nach der Persönlichkeit und Konflikt zwischen Schöpfer und Charakter.
  • Abel Sánchez (1917): Der Neid Kains.
  • Tante Tula (1921): Frustrierte Mutterschaft.
  • San Manuel Bueno, Märtyrer (1933): Religiöse Transzendenz und Unsterblichkeit.

In der Nivola ist die Sprache geistiger; der Autor dringt in die objektive Realität ein, anstatt sie nur abzubilden.

1.1.2 Baroja: Impressionismus und Psychologie

Pío Baroja verbindet die Verzweiflung der Romantik mit dem Determinismus und dem impressionistischen Stil. Er verzichtet auf komplexe Handlungsstränge und konzentriert sich auf die Psychologie seiner Charaktere. Bekannte Werke sind in Trilogien gruppiert, darunter Der Baum der Erkenntnis (1911) und Zalacaín der Abenteurer (1909).

1.1.3 Valle-Inclán: Roman der Moderne und Avantgarde

Ramón del Valle-Inclán (1866–1936) verwandelte sein Leben und Werk in eine ästhetische Erfindung. Seine Sonaten (1902–1905) gelten als Meisterwerke der modernistischen Prosa. Ab 1920 entwickelte er den „Esperpento“ (Groteske), eine Verzerrung der Realität, die den bürgerlichen Verfall kritisiert. Sein bedeutendster Roman dieser Phase ist Tirano Banderas (1926).

1.2 Der Roman des Novecentismo

Autoren wie Gabriel Miró und Ramón Pérez de Ayala werden oft als „Novecentistas“ bezeichnet. Sie reinigten den literarischen Ausdruck intellektuell.

1.2.1 Gabriel Miró und Ramón Pérez de Ayala

Gabriel Miró (1879–1930) ist der treueste Anhänger der modernistischen Idealisierung der Landschaft. Wichtige Werke: Bischof Aussätziger (1926). Ramón Pérez de Ayala (1880–1962) verbindet modernistische Symbolik mit novecentistischem Geist, etwa in Belarmino und Apolonio (1921).

1.3 Der Avantgarde-Roman

Zwischen 1910 und 1930 experimentierten viele Schriftsteller mit neuen Strukturen, Syntax und dem Spiel zwischen Realität und Fantasie.

1.3.1 Ramón Gómez de la Serna

Gómez de la Serna prägte die „Greguería“, eine Form der humoristischen Metapher, die zur Grundlage seines Erzählens wurde. Zu seinen Werken zählen Der unwahrscheinliche Doktor (1914) und sein Meisterwerk Der verlorene Mann (1946).

1.4 Der Roman der Generation von 27

Beeinflusst von Ortega y Gasset und der „entmenschlichten“ Kunst, suchten diese Autoren nach formaler Strenge und metaphorischer Sprache.

1.4.1 Der Avantgarde-Roman

Hier stehen Subjektivität und Abstraktion im Vordergrund. Wichtige Vertreter sind u. a. Benjamín Jarnés, Max Aub, Francisco Ayala und Rosa Chacel.

1.4.2 Der soziale Realismus

Ab 1930 wandten sich einige Schriftsteller der politischen Denunziation zu. Die zentrale Figur ist Ramón J. Sender mit Werken wie Requiem für einen spanischen Bauern (1953). Weitere Autoren sind César M. Arconada und Andrés Carranque de Andrés Carranque de Andrés Carranque de Ríos.

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