Die Entwicklung der spanischen Stadt: Von der Industrialisierung
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Industrielle Urbanisierung (Mitte 19. bis Mitte 20. Jh.)
Das soziale und ökonomische Wachstum sowie die Expansion der Landeshauptstädte seit 1833 führten zu einer Zunahme staatlicher Einrichtungen. Ab dem zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts wurden mittelalterliche Stadtmauern abgerissen. Es entstanden bürgerliche Erweiterungen in orthogonaler oder radialer Form sowie periphere Arbeiterviertel. Infrastruktur und Verkehr wurden ausgebaut, ergänzt durch Gartenstädte und preiswerten Wohnraum ab den 1920er Jahren.
Postindustrielle Urbanisierung (Mitte 20. Jh. bis heute)
Nach dem Bürgerkrieg konzentrierte sich die Entwicklung auf den Nordwesten der Halbinsel (Madrid, Barcelona, Valencia, Bilbao). In den 1960er Jahren entstanden Wohnsiedlungen an der Peripherie, während historische Zentren zunehmend für Büros und Handel genutzt wurden. Zwischen 1975 und den 1990er Jahren verlangsamte sich das Wachstum. Faktoren des Wandels waren:
- Niedergang der Industrie in den Städten.
- Entstehung vorstädtischer Gebiete und Satellitenstädte.
- Wachsende Bedeutung des Dienstleistungssektors.
1. Die Altstadt (Casco Antiguo)
Die Altstadt bewahrt Strukturen aus der Römerzeit, dem Mittelalter, der Renaissance und dem Barock. Charakteristisch sind unregelmäßige Grundrisse, enge Straßen und eine hohe Dichte. Heute dient sie primär administrativen Zwecken und dem Handel. Nach einer Phase der Verschlechterung im 20. Jahrhundert wurden seit 1975 verstärkt Rehabilitationsmaßnahmen eingeleitet.
2. Die bürgerliche Stadterweiterung (Ensanche)
Nach dem Abriss der Stadtmauern entstanden geplante Erweiterungen mit orthogonalem Raster, großen Blöcken und breiten Boulevards (z. B. Madrid, Barcelona). Diese Gebiete beherbergen oft das CBD (Central Business District). Am Rande dieser Erweiterungen finden sich:
- Arbeiterviertel und Industriegebiete: In Bahnhofsnähe oder an Hauptverkehrsstraßen.
- Gartenstädte: Inspiriert durch E. Howard (z. B. Ciudad Lineal in Madrid).
Städtische Expansion und Peripherie
Die heutige Stadt umfasst weitläufige periurbane Zonen. Man unterscheidet:
- Wohnviertel: Von illegalen Elendsvierteln bis hin zu staatlich geförderten Wohnsiedlungen der 1940er-60er Jahre.
- Gewerbeparks: Industriegebiete und große Einkaufszentren an der Peripherie.
Das spanische Städtesystem
Das spanische Städtesystem ist durch eine starke Zentralität Madrids und eine periphere Anordnung der übrigen Metropolen geprägt. Wichtige Achsen sind:
- Nordachse: Galicien, Asturien, Kantabrien, Baskenland.
- Mittelmeerküste: Die bedeutendste Achse von Katalonien bis Murcia.
- Andalusien: Unterteilt in die Küstenachse und das Guadalquivir-Tal.
- Ebro-Tal: Mit Zaragoza als strategischem Knotenpunkt.