Erkenntnistheorie, Ethik und Politik bei Aristoteles
Eingeordnet in Philosophie und Ethik
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 4,49 KB
Erkenntnistheorie
Aristoteles stimmt mit Platon überein, dass wahre Wissenschaft festgesetzt werden sollte, unterscheidet sich aber in folgenden Punkten:
- 1. Wissenschaftlichen Erkenntnissen geht es nicht um Ideen, sondern um das Wesen der Dinge.
- 2. Während Platon nur das Wissen der Vernunft als gültig anerkennt, räumt Aristoteles auch den Sinnen als Quelle des Wissens einen Stellenwert ein.
- 3. Platon postuliert die reale Existenz von Ideen außerhalb der Einzelpersonen (übertriebener Realismus). Aristoteles lehnt die Existenz von Ideen neben den eigentlichen Personen ab; die Realitäten existieren in den Dingen selbst. Diese Theorie nennt Thomas von Aquin „gemäßigten Realismus“.
- 4. Wissenschaftliche Erkenntnis ist für Aristoteles die vollkommene Kenntnis der Ursachen, warum Dinge so sind, wie sie sind.
Ethik
A) Glückseligkeit
Aristoteles geht vom Grundsatz aus, dass das letzte Ziel aller Menschen das Glück ist. Dies befasst sich mit der menschlichen Natur: Jedes natürliche Wesen ist glücklich durch Aktivitäten, die seiner Natur entsprechen. Der Mensch ist glücklich, wenn er gemäß seiner teleologischen Konzeption handelt.
Aristoteles prüft verschiedene Theorien:
- Bios apolaustikos: Glück im Leben, das der Freude gewidmet ist.
- Bios politikos: Glück im Leben, das dem höchsten Gut, Ehre und Prestige gewidmet ist.
Beide reichen nicht aus, da sie nicht autark sind. Nur das theoretische Leben ist spezifisch für den Menschen und autark. Das Wesentliche für das Glück ist die Tugend, vor allem die Klugheit. Sie ermöglicht die bewusste Wahl des Guten und Schönen sowie das Finden der Mitte zwischen Extremen.
B) Definition der Tugend
Tugend bedeutet Exzellenz und den Abschluss der Entwicklung der Fähigkeiten eines Wesens. Der tugendhafte Mensch zeichnet sich durch hervorragende Handlungen aus. Aristoteles definiert Tugend als eine „Gewohnheit“, die durch Übung erworben wird. Im Gegensatz zum moralischen Intellektualismus reicht Wissen allein nicht aus; es bedarf der Beratung und Mühe.
Klassen der Tugenden
- Dianoetische (intellektuelle) Tugenden: Erworbene Dispositionen des geistigen Vermögens. Sie sind wichtig für moralische Tugenden, da sie helfen, die richtige Mitte zu bestimmen.
- Ethische (moralische) Tugenden: Sie regeln die irrationalen Leidenschaften und Gefühle der Seele.
Der Begriff der Gerechtigkeit
Die Gerechtigkeit ist die vollkommenste Tugend und bildet die Grundlage der Polis. Aristoteles unterscheidet:
- Allgemeine oder juristische Gerechtigkeit: Einhaltung der Rechtsvorschriften zum Gemeinwohl.
- Besondere Gerechtigkeit: Gleichheit unter den Bürgern, unterteilt in:
- Korrektive Gerechtigkeit: Betrifft Verträge zwischen Mitgliedern.
- Distributive Gerechtigkeit: Regelt die Verteilung von Aufgaben und Lasten.
- Strafgerechtigkeit: Verhängung von Sanktionen bei Verfehlungen.
Politik
A) Die Politik in der Philosophie des Aristoteles
Aristoteles unterscheidet zwischen theoretischen, praktischen und produktiven Wissenschaften. Die Politik gehört zu den praktischen Wissenschaften und befasst sich mit dem Gemeinwohl und der guten Regierung der Polis. Ethik und Politik sind untrennbar verbunden, da das höchste Gut des Menschen nur in der Gemeinschaft der Stadt erreicht werden kann.
B) Der Mensch als politisches Wesen
Geselligkeit ist ein wesentliches Merkmal der menschlichen Natur. Der Mensch ist nicht autark und benötigt die Gemeinschaft. Der Logos (Sprache und Vernunft) ist der Beweis für diese Geselligkeit, da er es dem Menschen ermöglicht, über Gerechtigkeit und das Gemeinwohl zu kommunizieren.
C) Die aristotelische Konzeption der Polis
Die Polis ist eine Gemeinschaft freier Menschen, die auf ein gutes Leben ausgerichtet ist. Aristoteles unterteilt Gemeinschaften:
- Familie: Dient der Befriedigung alltäglicher Bedürfnisse.
- Dorf: Zusammenschluss mehrerer Familien.
- Polis: Die perfekte Gemeinschaft, deren Ziel nicht nur das bloße Überleben, sondern das „gute Leben“ gemäß der Tugend und Gerechtigkeit ist.