Ernährungslehre: Nährstoffe und Ernährung im Kindesalter
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Grundlagen der Nährstoffe
Proteine (Eiweiße)
Proteine werden zum Aufbau und zur Reparatur von Gewebe benötigt, vor allem während der Schwangerschaft, Stillzeit und Kindheit. Die Grundeinheit besteht aus 20 Aminosäuren, von denen 8 essenziell sind und über die Nahrung aufgenommen werden müssen.
- Funktion: Plastische Funktion, Immunsystem, genetische Übertragung, Speicherung und Transport von Mineralien (wie Eisen) im Blut.
- Nährstoffbedarf: 0,8–1 g pro kg Körpergewicht am Tag für einen gesunden Erwachsenen (entspricht 10–20 % des gesamten Kalorienwerts).
- Nahrungsquellen: Tierischen Ursprungs (Eier, Fleisch, Innereien, Fisch, Milch und Milchprodukte) sowie pflanzlichen Ursprungs (Hülsenfrüchte, Getreide, Nüsse).
Lipide (Fette)
Lipide sind wasserunlöslich (werden nicht über den Urin ausgeschieden) und stellen energiereiche Nährstoffe dar. Sie liefern essenzielle Fettsäuren und sind Energiequellen, die im Körper konzentriert gespeichert werden. Sie versorgen das Gehirn mit Energie und sind wichtig für das Funktionieren von Geweben.
Arten von Lipiden:
- Gesättigte Fette: Sie erhöhen das LDL-Cholesterin („schlechte Fette“), kommen meist in Tieren vor und haben bei Raumtemperatur eine feste Konsistenz.
- Ungesättigte Fette: Diese sind bei Raumtemperatur flüssig und meist pflanzlichen Ursprungs. Sie werden unterteilt in:
- Einfach ungesättigt: Erhöhen das Cholesterin nicht, schützen Arterien und Venen (z. B. Olivenöl).
- Mehrfach ungesättigt: Senken den Cholesterinspiegel und andere schädliche Elemente für das Herz-Kreislauf-System. Sie enthalten essenzielle Fettsäuren, die der Körper nicht selbst synthetisieren kann und über Lebensmittel wie Blaufisch aufgenommen werden müssen.
Funktionen: Energielieferant, unerlässlich für die Aufnahme und den Transport fettlöslicher Vitamine.
Nährstoffbedarf: 25–30 % des gesamten kalorischen Werts der Diät.
Vitamine
Essenzielle Nährstoffe, deren Aufgabe es ist, Stoffwechselreaktionen zu regeln. Sie werden in kleinen Mengen benötigt.
- Wasserlösliche Vitamine: In Wasser gelöst, können nicht im Körper gespeichert werden (z. B. Vitamin B und C).
- Fettlösliche Vitamine: (A, D, E, K) können im Fettgewebe des Organismus gespeichert werden.
Mineralstoffe
Mineralstoffe haben strukturelle und regulatorische Funktionen:
- Natrium: Reguliert den Säure-Basen-Gleichgewicht. Quellen: Tierisch (Milch, Fisch, Wurst).
- Kalium: Reguliert ebenfalls das Säure-Basen-Gleichgewicht. Quellen: Fleisch, Fisch, Gemüse, Hülsenfrüchte.
- Calcium: Verknöcherung der Knochen. Quellen: Milchprodukte, Obst, Gemüse.
- Phosphor: Bildung von Knochen und Zähnen. Quellen: Fleisch, Fisch, Eier, Getreide, Leguminosen.
- Eisen: Teil des Hämoglobins. Quellen: Rotes Fleisch, Fisch, Eier, Hülsenfrüchte, Nüsse.
- Jod: Synthese von Schilddrüsenhormonen. Quellen: Fisch, Meeresfrüchte, Algen.
- Magnesium: Bildung von Knochen und Zähnen. Quellen: Fleisch, Milchprodukte, Kakao, Nüsse, Hülsenfrüchte, Obst.
- Zink: Wachstum und Leberschutz. Quellen: Fleisch, Fisch, Eier, Hülsenfrüchte.
Wasser
Laut WHO ist Wasser essenziell. Es macht drei Viertel des Körpers eines Kindes aus und spielt eine fundamentale Rolle bei der Ausscheidung, dem Stoffwechsel, der Verdauung und dem Transport von Substanzen. Trotz des Wassergehalts vieler Lebensmittel sind die Verluste kontinuierlich, weshalb täglich 4 bis 8 Rationen ratsam sind.
Ernährung und Lebensmittelgruppen
Definitionen
- Diät: Die Menge an Stoffen, die regelmäßig als Nahrung aufgenommen wird.
- Ausgewogene Ernährung:
- Vollständig: Genügend Nährstoffe.
- Gesund: Vorteilhaft für den Körper.
- Abwechslungsreich: Kombination verschiedener Lebensmittel und Techniken.
Die Ernährungspyramide
Grafische Darstellung der empfohlenen wöchentlichen und täglichen Portionen. Die Basis bilden Getreide, Knollen, Gemüse, Hülsenfrüchte, Milch und Milchprodukte. Es wird empfohlen, Fisch, Fleisch und Eier sowie wöchentlich oder alle zwei Wochen Leber zu verzehren.
Lebensmittelgruppen
- Energetisch: Kohlenhydrate (Getreide, Kartoffeln, Zucker).
- Energetisch: Fette (Butter, Öl).
- Plastisch: Proteine (Fleisch, Eier, Fisch, Hülsenfrüchte, Nüsse).
- Plastisch: Proteine (Milchprodukte).
- Regulatoren: Obst und Gemüse.
- Regulatoren: Obst.
Ernährung in der Kindheit
Stufe 1: 0 bis 6 Monate
Laut WHO ist Stillen die beste Ernährung bis zum 6. Lebensmonat. Bei künstlicher Ernährung unterscheidet man:
- Anfangsnahrung: Die ersten 6 Monate.
- Folgenahrung: Ab dem 6. Monat bis zum 12./18. Monat, angepasst an Wachstum und Entwicklung.
Nährstoffe der Milch: Proteine (Vitamin B12 und D), Lipide (97–98 % Triglyceride), Kohlenhydrate (fast 70 % der Gesamtmenge), Mineralien (viel Calcium, Phosphor, Magnesium) und Wasser (87–88 %).
Kolostrum: Die erste Milch, die das Baby erhält; reich an Nährstoffen und Abwehrstoffen. Bei Kaiserschnittgeburten kann die Kolostrum-Phase länger dauern. Es gibt spezielle Formeln für Kinder mit Milchintoleranz. Ganze Kuhmilch sollte erst nach dem ersten Jahr gegeben werden.
Stufe 2: 6 bis 12 Monate (Zusatznahrung)
Das Baby muss schrittweise Lebensmittel kennenlernen:
- 5. Monat: Glutenfreie Getreidebreie. Als Snack: Obstbrei (Apfel, Banane, Birne, Orangensaft).
- 6. Monat: Gemüsebrei (Kartoffeln, grüne Bohnen, Karotten, Mangold, Lauch, Zucchini) mit etwas Olivenöl.
- 6,5 Monate: Einführung von magerem Fleisch (Huhn oder Rind, ca. 50 g), gedämpft und püriert mit Olivenöl und salzfreier Brühe.
- 7,5 Monate: Abwechselnd Huhn und ca. 50 g gekochter Schinken (York), püriert.
- 8. Monat: Lammfleisch, glutenhaltiges Getreide, Kekse im Fruchtbrei, Joghurt (Folgemilch-Basis).
- 9. Monat: Fisch (weiß, z. B. Seehecht) als Ersatz für Fleisch, gekocht mit Gemüse.
- 10. Monat: Gekochtes Eigelb (zunächst 1/4), zweimal pro Woche unter das Püree gemischt.
- 11. Monat: Schrittweise Einführung des Eiweißes zusammen mit dem Püree.
- 12. Monat: Omelett, Hülsenfrüchte (Linsen), Übergang zur Kuhmilch.
Stufe 3: 1 bis 3 Jahre
Energiebedarf: ca. 100 kcal/kg Körpergewicht pro Tag (insgesamt 1300–1500 kcal).
- 0–6 Monate: 120 kcal/kg
- 6–12 Monate: 110 kcal/kg
- 1–3 Jahre: 100 kcal/kg
- 3–6 Jahre: 90 kcal/kg
Nährstoffverteilung: Proteine (12–15 %), Kohlenhydrate (50–58 %), Fett (30–33 %).
Mahlzeiten: Frühstück (25 %), Mittagessen (30 %), Snack (15 %), Abendessen (30 %).
Täglicher Bedarf: 500 ml Milch, 2–3 Eier pro Woche, 2–3 Stücke Obst am Tag, 2–3 Mal pro Woche Kohlenhydrate und Hülsenfrüchte, täglich Gemüse. In dieser Phase erfolgt der Übergang von pürierter zu fester Nahrung (Kauen), wobei Meeresfrüchte noch vermieden werden sollten.