Europa: Migration, Urbanisierung und EU-Strukturen
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Migration in Europa
Europa hat sich historisch von einem Auswanderungskontinent zu einem Einwanderungskontinent gewandelt. Das schwache Bevölkerungswachstum und der hohe Entwicklungsstand erklären, warum unser Kontinent viele Einwanderer aus der ganzen Welt anzieht. In einigen Ländern außerhalb Europas liegt der Anteil der Immigranten bei 10 Prozent, und diese Zahlen steigen stetig.
Die neuen Einwanderer stammen überwiegend aus Afrika, Lateinamerika und Asien. Die Zusammensetzung variiert jedoch je nach Empfängerland aufgrund historischer und sprachlicher Gründe. So gibt es in Spanien viele hispanische Amerikaner, während in Frankreich und Großbritannien ein großer Teil der Einwanderer aus Asien stammt. Europäische Städte fungieren dabei als wichtige Zentren der Attraktion.
Zudem gab es erhebliche Migrationsbewegungen innerhalb Europas:
- 1960er bis 1970er Jahre: Viele Südeuropäer (Spanier, Portugiesen, Italiener, Jugoslawen und Griechen) wanderten in die entwickelten Länder West- und Mitteleuropas (Frankreich, Deutschland, Schweiz, Belgien, Niederlande, UK) ab. Diese Bewegungen endeten mit der Ölkrise 1974.
- Letzte Jahrzehnte: Es gibt eine entgegengesetzte Strömung von Norden nach Süden. Viele Rentner aus West- und Mitteleuropa ziehen in die Küstenstädte des Mittelmeerraums, um dort bei mildem Klima zu leben.
- Ost-West-Migration: Intensiv sind zudem die Migrationsströme aus weniger entwickelten Ländern des Ostens in die wohlhabenderen Länder West- und Mitteleuropas.
Urbanisierung und europäisches Städtenetz
Europa ist hochgradig urbanisiert und verfügt über ein ausgewogenes städtisches Netz mit einer weltweit hohen Dichte. Europäische Städte verbinden historische Viertel mit neuen Expansionsgebieten und sind durch moderne Transportsysteme vernetzt.
Wichtige städtische Achsen sind:
- Der Mittelmeerbogen (von der Iberischen Halbinsel bis Neapel)
- Der Atlantische Bogen (von den Britischen Inseln bis Nordportugal)
- Die baltischen Städte entlang der Ostsee
- Die Achse entlang der Donau
- Die Ebene des Dnjepr sowie die Achse zwischen Schwarzem Meer, Wolga und Ural
Die Internationalisierung und Spezialisierung prägen das Netz. Während Städte wie London und Paris global agieren, folgen auf der zweiten Ebene Brüssel, Amsterdam, Frankfurt, München, Madrid, Barcelona, Mailand und Rom. Andere Städte sind spezialisiert: Glasgow, Rotterdam und Antwerpen als Häfen, Zürich, Genf und Frankfurt als Finanzzentren, Bern als Verwaltungszentrum sowie Oxford und Cambridge als Universitätsstädte.
Ein kulturelles Mosaik
Der europäische Kontinent ist ein Mosaik aus Völkern mit unterschiedlichen Sprachen, Religionen und Traditionen. Dennoch gibt es gemeinsame Identitätsmerkmale, die von einer europäischen Zivilisation sprechen lassen. Die politische Landkarte ist das Ergebnis einer langen Geschichte, wobei einige Staaten seit Jahrhunderten bestehen, während andere (wie Slowenien oder Weißrussland) erst kürzlich gebildet wurden. Innerhalb vieler Staaten existieren zudem ethnische Minderheiten, wie etwa die türkische Bevölkerung in Bulgarien.
Politische Organe der Europäischen Union
Der Rat der Europäischen Union
Der Rat ist das wichtigste politische Organ der EU. Er besteht aus Ministern der Mitgliedstaaten, die je nach Sachgebiet zusammenkommen. Die EU-Ratspräsidentschaft wechselt alle sechs Monate zwischen den Regierungschefs der Mitgliedsländer. Der Sitz ist in Brüssel. Zu den Funktionen gehören die Verabschiedung europäischer Gesetze, die Koordinierung der Wirtschaftspolitik, die Verabschiedung des Haushalts (gemeinsam mit dem Parlament) sowie die Leitung der Außen- und Sicherheitspolitik.
Die Europäische Kommission
Die Kommission ist der Motor der EU. Ihr Präsident wird von den Regierungen gewählt und vom Parlament ratifiziert. Die Kommissare unterstützen ihn bei Aufgaben wie:
- Vorschlagen neuer Gesetze an Rat und Parlament
- Verwaltung und Durchführung der Unionspolitik und des Haushalts
- Durchsetzung des europäischen Rechts
- Internationale Vertretung der Europäischen Union
Das Europäische Parlament
Das 1957 mit den Römischen Verträgen gegründete Parlament wird seit 1979 alle fünf Jahre direkt von den Bürgern gewählt. Die Anzahl der Abgeordneten ist proportional zur Bevölkerung der Staaten (aktuell 786 Sitze). Es repräsentiert die fast 500 Millionen EU-Bürger, teilt die gesetzgebende Gewalt mit dem Rat, berät bei neuen Regeln, gibt Impulse an die Kommission und übt demokratische Kontrolle aus, indem es die Kommission bestätigt oder ablehnen kann.