Die experimentelle Romanliteratur der 1960er Jahre
Eingeordnet in Spanisch
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 2,78 KB
In den 1960er Jahren verspürten experimentelle Romanautoren die Notwendigkeit, nach neuen Formeln, komplexeren Ansätzen und einer verstärkten Aufmerksamkeit für die literarische Sprache zu suchen. Zu dieser Verschiebung trugen vor allem zwei Faktoren bei:
- Einfluss ausländischer Schriftsteller des Jahrhunderts: Marcel Proust (Frankreich), Franz Kafka (tschechisch-deutschsprachig), James Joyce (Irland) und William Faulkner (USA).
- Entdeckung des zeitgenössischen amerikanischen Romans: Werke wie Rayuela (1963) von Julio Cortázar, La ciudad y los perros (1963) von Mario Vargas Llosa, Hundert Jahre Einsamkeit (1967) von Gabriel García Márquez sowie Autoren früherer Generationen wie Jorge Luis Borges (Argentinien), Alejo Carpentier (Kuba) und Juan Rulfo (Mexiko).
Autoren der experimentellen Darstellung
Das Jahrzehnt beginnt mit einem bezeichnenden Titel: Tiempo de silencio (1962) von Luis Martín-Santos. Dieser Roman vereint alle erzählerischen Innovationen der großen europäischen und nordamerikanischen Vertreter und gilt als das anspruchsvollste Werk dieser Periode. Ein neuartiges Lexikon, innovative Techniken sowie die Vielfalt narrativer und stilistischer Verfahren machen dieses Werk zum Ausgangspunkt für ein neues Verständnis des Romans.
Die verschiedenen Protagonisten, allen voran ein Wissenschaftler, ermöglichen es dem Leser, eine Vielzahl von Schauplätzen in Madrid zu erkunden: von den Slums über die geistige Welt bis hin zur Mittelschicht und Aristokratie.
Mit der Erneuerung des Erzählgenres sind in dieser Zeit bereits etablierte Namen verbunden:
- Miguel Delibes mit Cinco horas con Mario (1966)
- Camilo José Cela mit San Camilo, 1936 (1969)
- Gonzalo Torrente Ballester mit La saga/fuga de J. B. (1972)
Gleichzeitig setzen sich die Bemühungen des vorangegangenen Jahrzehnts fort, etwa durch Juan Goytisolo, der 1966 Señas de identidad veröffentlichte, sowie durch neue Schriftsteller wie Juan Benet und Juan Marsé. Letzterer veröffentlichte 1967 zwei Schlüsselwerke des neuen Trends: Últimas tardes con Teresa und La oscura historia de la prima Montse.
In Últimas tardes con Teresa präsentiert Juan Marsé einen kritischen und ironischen Blick auf das katalanische Bürgertum durch die Geschichte der Beziehung zwischen einem jungen Mann aus der Unterschicht und einer jungen Frau aus einer bürgerlichen Universitätsfamilie.
Die Phase des experimentellen Romans schließt mit La verdad sobre el caso Savolta (1975) von Eduardo Mendoza, einem Roman, in dem sich bereits eine Tendenz zur Rückkehr zu traditionellen Erzählformen abzeichnet.