Faktoren der vorbeugenden Instandhaltung in der Industrie
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Kapitel 4: Faktoren zur Steigerung der Instandhaltung
Wie bereits erläutert, wurde zur Analyse der Productive Maintenance in der verarbeitenden Industrie ursprünglich eine Segmentierung basierend auf dem Prozessfluss gewählt. Im vorangegangenen Kapitel stellte sich jedoch heraus, dass diese Art der Klassifizierung unzureichend ist. Daher wiesen Besuche bei verschiedenen Herstellern auf die Notwendigkeit hin, neue Faktoren zu prüfen, welche die Bedeutung der Instandhaltung bestimmen.
4.1 Forschungsbereich und Methodik
Vor den Werksbesuchen wurde ein Instrument zur zuverlässigen Diagnose verschiedener Unternehmensaspekte erstellt. Die Fragen im Fragebogen basierten auf Kriterien etablierter Qualitätsauszeichnungen zur Qualifizierung von Unternehmen. Folgende Standards wurden verglichen:
- ISO 9001:2000
- National Quality Award
- Shingo Model
- Deming Prize
- Malcolm Baldrige Award
Eine Zusammenfassung dieser Kriterien findet sich in Tabelle 4.1 in Anhang F. Nach der Bewertung der Abteilungen wurde ein Fragebogen mit 33 offenen Fragen entwickelt (siehe Anhang G). Anschließend wurde ein vertiefender Fragebogen erstellt, der auf der Likert-Skala basiert. Diese Skala (1 bis 5 Punkte) wurde gewählt, da sie eine einfache, aber aussagekräftige Durchführung von Erhebungen ermöglicht.
Dieser Fragebogen dient dazu, durch die Meinung des Instandhaltungspersonals das Niveau der Anlageneffizienz und den Kenntnisstand der Mitarbeiter zu ermitteln (siehe Anhang H). Nach der Analyse der Ergebnisse wurden Faktoren identifiziert, die maßgeblich die Bedeutung der Wartung in der Industrie beeinflussen. Diese Faktoren sind in Abbildung 4.1 zusammengefasst.
Abbildung 4.1: Einflussfaktoren der Instandhaltung
- Ressourcen: Menschliche Ressourcen (Training, Ausbildung), physikalische Ressourcen (Zustand der Teams, Alter der Anlagen).
- Prozess: Fluss, Volumen, Kapazität, kontinuierlicher Fluss.
- Produktmerkmale: Qualität, Sicherheit, Haltbarkeit, Verbrauch.
- Organisationskultur: Strategien, Management-Mentalität, Widerstand gegen Veränderungen.
- Kunde: Reklamationspolitik, Lieferzeiten, Zufriedenheit.
Die Ergebnisse zeigen, dass diese Faktoren die Bedeutung der Wartung unterschiedlich stark beeinflussen. Im Folgenden wird die Wirkung jedes einzelnen Faktors detailliert beschrieben.
4.2 Der Einfluss des Kunden auf die Wartung
Ein entscheidendes Element für jedes Unternehmen ist der Kunde. Kundenzufriedenheit ist die wichtigste Komponente für dauerhaften Erfolg. Eine kontinuierliche Kommunikation ist notwendig, damit das Unternehmen genau weiß, was der Kunde wünscht. Die Produktion kann nur dann mit höchster Effizienz arbeiten, wenn Maschinen und Anlagen einwandfrei funktionieren.
Ein gutes Instandhaltungs-Management ermöglicht es dem Unternehmen:
- Die gewünschte Qualität zu halten: Durch präventive Wartung wird sichergestellt, dass die Ausrüstung innerhalb der Spezifikationen und Toleranzen arbeitet.
- Die Einhaltung der Lieferzeit: Ein guter Zustand der Anlagen garantiert verlässliche Liefertermine und vermeidet hohe Kosten durch Stillstände in der Fertigungsstraße.
Schlechtes Wartungsmanagement führt zu Verspätungen, Retouren und Nacharbeit. Da Kunden immer strengere Anforderungen stellen, ist ein effizientes Wartungssystem essenziell für die Marktposition.
4.3 Produktionsvolumen und Wartung
Dieser Faktor steht in enger Beziehung zum Kunden. Oft nimmt die Vertriebsabteilung große Aufträge an, die die Kapazitätsgrenzen des Unternehmens überschreiten. Leider wird bei der Kapazitätsschätzung oft die Zeit für vorbeugende Instandhaltung vernachlässigt. Wird diese Zeit stattdessen für die Produktion genutzt, führt dies langfristig zu schweren Schäden an den Anlagen und unvorhersehbaren Ausfällen.
Unternehmen, die ein TPM-System (Total Productive Maintenance) erfolgreich einsetzen, haben die Wartungs- und Produktionsbereiche fusioniert, um ein gemeinsames Ziel zu verfolgen und Konflikte zwischen den Mitarbeitern zu vermeiden.
4.4 Auswirkung der Organisationskultur
Die Unternehmenskultur bestimmt maßgeblich den Handlungsspielraum der Instandhaltung. Wenn die Priorität des Managements rein auf hoher Produktionseffizienz liegt, wird der Zugang zu Maschinen für Wartungszwecke oft eingeschränkt. Wenn Führungskräfte jedoch verstehen, dass Wartung der Ausgangspunkt für höhere Produktivität und nicht nur ein Kostenfaktor ist, lassen sich ungewollte Stillstandszeiten und hohe Fehlerkosten vermeiden.
4.5 Auswirkungen der Personalabteilung
Mängel entstehen oft durch den Zustand der Ausrüstung, die Umgebung oder das Personal. Negative Auswirkungen durch Mitarbeiter entstehen durch:
- Fehler in der Bedienung oder mangelnde Check-ups.
- Unkenntnis über den Austausch von Teilen oder korrekte Schmierung.
- Mangelnde Ausbildung des Wartungspersonals und individualistische Arbeitsweisen.
Menschliche Ressourcen sind der Schlüsselfaktor für kontinuierliche Arbeit und steigende Produktivität.
4.6 Physikalische Ressourcen in der Wartung
Der Grad der Instandhaltung hängt vom aktuellen Zustand, dem Alter und der Nutzung der Anlagen ab.
4.6.1 Aktueller Status der Ausrüstung
Vielen Unternehmen fehlt ein System für das Instandhaltungs-Management. Überkapazitäten führen oft zu schnellerem Abbau und Qualitätsverlust. Vorab geplante Arbeitsaufträge nach Herstellerspezifikationen mindern diese Schäden erheblich.
4.6.2 Alter der Teams
Viele Unternehmen arbeiten mit Geräten, deren Lebensdauer die Herstellerangaben überschreitet. Wenn keine Investitionen in neue Anlagen möglich sind, muss die Instandhaltung die vorhandenen Ressourcen optimal nutzen.
4.6.3 Nutzung und Auslastung
Wenn Anlagen mit maximaler Kapazität laufen, wird die Zeit für Wartungsarbeiten oft eliminiert. Es müssen Standards festgelegt werden, um die Arbeitsbelastung zu steuern und regelmäßige Wartungen zu ermöglichen. Hierbei ist die Klassifizierung der Anlagen (nach Dounce, 2000) in essenziell, normal oder trivial hilfreich.
4.7 Auswirkungen des Prozessflusses
Der Prozessfluss charakterisiert die Kosten, die bei Ausfällen entstehen. In einem kontinuierlichen Fluss oder einem Just-in-Time-System sind Stillstände extrem teuer, da sie die gesamte Linie stoppen und zu hohen Geldbußen führen können. In Werkstattstrukturen sind die Kosten bei Pannen zwar vorhanden, aber oft weniger kritisch als bei stetigen Flüssen.
4.8 Merkmale des Produkts in der Wartung
Je nach Produktart (Sicherheit, Unterhaltung, Körperpflege etc.) variieren die Anforderungen an die Wartung. Bei Sicherheitsprodukten, bei denen Menschenleben auf dem Spiel stehen, muss die Ausfallrate Null sein. Dies erfordert ein hocheffizientes administratives System, das fast zu 100 % auf präventiven Maßnahmen basiert, um korrektive Instandhaltung und Fehlerkosten zu eliminieren.