Fallstudie: Polydrogenabhängigkeit und Interventionsplan
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Patientenprofil und Anamnese
Patient 1: Ein 24-jähriger Mann, geboren und wohnhaft auf Ibiza (FR), regelmäßiger Konsument von Cannabis und Tabak. Er wurde aufgrund von Herzrhythmusstörungen infolge des Konsums von Substanzen, die das Zentralnervensystem (ZNS) beeinflussen (Pilze – keine Abhängigkeit oder Sucht, Selbsttoleranz), stationär aufgenommen. Der Konsum erfolgt im Rahmen von Freizeitaktivitäten (sozial-lässiger Konsument). Es liegt kein Strafregister oder kriminelles Verhalten vor. Es zeigt sich ein polyvalenter Drogenkonsum mit sporadischen Mustern von Zwang.
Bei der Ankunft zeigt sich der Patient kooperativ und beantwortet Fragen ohne Widerstand. Er wirkt orientiert und scheint über ein gutes kognitives Niveau zu verfügen: Sekundarstufe, Verwaltungsangestellter. Er lebt mit seiner 20-jährigen Freundin zusammen, die ebenfalls Substanzen konsumiert. Dieser Zeitraum fällt mit dem Beginn seines Konsums von Tabak, Cannabis und anderen Stoffen zusammen (Risikoumwelt). Über seine Freundin sagt er, dass sie ihn in dieser Hinsicht nicht beeinflusse.
Er hat fünf Geschwister; seine Eltern sind berufstätig. Er berichtet von einer guten Beziehung zu allen Familienmitgliedern, hat jedoch seit seiner Aufnahme keine Besuche erhalten (mögliche Störung der Familienprozesse). Er konsumiert seit seinem 16. Lebensjahr regelmäßig Haschisch und Tabak (Risikoverhalten in frühem Alter) mit durchschnittlich 15 Zigaretten und 4 Joints pro Tag (Abhängigkeit und polyvalenter Drogenkonsum). In Spitzenzeiten erreichte der Konsum bis zu 20 Joints pro Tag („Binge-Konsum“). Seit seinem 20. Lebensjahr konsumiert er gelegentlich (etwa zweimal im Monat) bei Feierlichkeiten oder Wochenendausflügen Kokain, LSD, Speed und Pilze.
In Gesprächen zeigt sich eine angemessene emotionale Intelligenz, jedoch wirkt er unverwundbar. Dies könnte ein Problem in Bezug auf das Selbstbild und die Wahrnehmung darstellen. Er ist sich seines aktuellen Gesundheitsproblems offenbar nicht bewusst, sei es durch Verleugnung oder Unkenntnis. Es fehlt an einer Verinnerlichung der Problematik, was für eine gründlichere Beurteilung weiter untersucht werden muss. Es besteht keine Einsicht (Zero Insight). Er macht eine bestimmte Substanz (einen Pilz) für seinen Zustand und die Krankenhauseinweisung verantwortlich. Er sieht Drogen nicht als etwas Negatives an, glaubt nicht, dass ein Problem vorliegt, und denkt nicht, dass er Hilfe benötigt. Er lebt und arbeitet in einem Risikoumfeld, ist derzeit arbeitslos und gibt an, auf Arbeitssuche zu sein.
Diagnostische Einschätzung
Frage 2:
- Polydrogenabhängigkeit: Tabak und regelmäßiger Cannabis-Konsum.
- Wissensmangel oder Kompetenzlücke: Bezüglich der Arzneimittelwirkungen. Verbalisierung des Patienten: Missverständnisse – glaubt nicht, Hilfe zu benötigen; weiß nicht, was passiert ist; Unkenntnis über den realen Gesundheitszustand; mangelndes Interesse am Krankheitsprozess.
- Risikoumfeld: Bedingt durch das soziale Umfeld, Beziehungen und den Lebensstil.
- Risikoverhalten: Früher Konsumbeginn, geringe Risikowahrnehmung („Die Droge ist nichts Schlechtes“), Übergewicht von Risikofaktoren gegenüber Schutzfaktoren (klare Dekompensation), Wohnort mit leichtem Zugang zu Substanzen.
- Gestörte Familienprozesse: Wahrscheinlich durch den Substanzkonsum bedingt; mangelnde Besuche im Krankenhaus.
- Psychologische Problematik: Verleugnung des Gesundheitsproblems; psychologische Tests sind erforderlich.
Behandlungsziele und Maßnahmen
Frage 3:
Ziel: Verhaltensänderung und Umfeldanpassung
Die mögliche Lösung liegt in der Änderung des Verhaltens, um den Einfluss des sozio-persönlichen Umfelds zu minimieren.
- Aktivitäten: Programmevaluation, emotionale und psychologische Unterstützung, individuelle kognitive Verhaltenstherapie und/oder Gruppentherapie.
Ziel: Problembewusstsein und Hilfesuche
Die Lösung besteht darin, das Problem zu erkennen und Hilfe zu suchen.
- Aktivitäten: Gesundheitserziehung mit Informationen über die Risiken der Drogenabhängigkeit. Erläuterung der Bedeutung der Raucherentwöhnung sowie der kurz-, mittel- und langfristigen Folgen (COPD, Atemwegserkrankungen, Krebs etc.). Aufzeigen von Hilfsmöglichkeiten (psychologisch, emotional, pharmakologisch) und gemeinsamen Programmen. Aufklärung über die Gefahren des polyvalenten Drogenkonsums.
Ziel: Reduzierung des Umfeldrisikos
Verringerung des Einflusses von Risikobeziehungen.
- Aktivitäten: Die Bedeutung des sozialen Umfelds (Freundin, Familie) erklären. Bewertung, ob die Partnerin ein einflussreicher Faktor für den Konsum ist. Einbeziehung der Partnerin in die Behandlung, damit auch sie die Gefahren erkennt. Gemeinsame Interventionssätze.
- Informationen über drogenfreie Freizeitmöglichkeiten und Hobbys. Förderung gesunder Aktivitäten.
- Gesundheitserziehung zur Prävention von Risikoverhalten (z. B. sexuell übertragbare Krankheiten durch Drogenkonsum).
- Unterstützung bei der Jobsuche durch das SOIB (Arbeitsamt) und Sozialarbeiter; Workshops zur Jobsuche.
Ziel: Wissenserweiterung
Erhöhung des Wissensstandes zur Verhaltensänderung.
- Aktivitäten: Informationen über konsumierte Drogen, deren Wirkungen und Folgen. Aufklärung über Entzugserscheinungen und den Zusammenhang zwischen Gesundheit und Drogenkonsum. Ausräumen von Missverständnissen. Motivation zur Änderung der Gewohnheiten und Entscheidungshilfe zum Entzug.
Ziel: Effektive Bewältigung und Familiendynamik
Wiederherstellung einer gesunden Familiendynamik.
- Aktivitäten: Analyse der realen Beziehung und der Ursachen für familiäre Konflikte. Förderung von Dialog und Kommunikation. Einbeziehung der Familie in den Pflege- und Therapieprozess. Förderung des Ausdrucks von Gefühlen. Aufzeigen der Vorteile familiärer Unterstützung.