Die Flucht des portugiesischen Hofes nach Brasilien 1808
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Die Flucht des portugiesischen Hofes nach Brasilien
Am 15. Juli 1799 wurde der Prinz von Brasilien, Dom João, Prinzregent von Portugal. Die Ereignisse in Europa, geprägt durch Napoleon Bonaparte, überschlugen sich in dieser Zeit mit zunehmender Geschwindigkeit.
Seit 1801 wurde die Idee diskutiert, den portugiesischen Hof nach Brasilien zu verlegen. Die portugiesische Regierung war dabei in zwei Fraktionen gespalten:
- Anglophile Fraktion: Favorisierte den Erhalt des portugiesischen Kolonialreichs und die Stärkung des Königreichs über das Meer, unterstützt durch die Luso-britische Allianz.
- Frankophile Fraktion: Setzte auf Neutralität und eine Annäherung an Frankreich.
Beide Fraktionen wurden durch Logen englischer oder französischer Herkunft beeinflusst. Zudem verbreiteten sich die Ideen der französischen Aufklärung heimlich durch zahlreiche Bücher.
Der Druck durch Napoleon und die Flucht
Die Kontinentalsperre ab 1806 erschwerte die portugiesische Neutralität erheblich. Im Jahr 1807 wurde Portugal durch den Vertrag von Fontainebleau willkürlich in drei Königreiche aufgeteilt. Ab Oktober 1807 bereitete Jean-Andoche Junot, ein ehemaliger französischer Botschafter in Lissabon, die Eroberung Portugals vor. Vor diesem Hintergrund vereinbarte Dom João mit der britischen Regierung die Verlegung des Hofes nach Rio de Janeiro unter britischem Schutz.
Mit der französischen Invasion im Gange begann am 29. November 1807 die Reise der königlichen Familie und des Hofes nach Brasilien. Achtzehn portugiesische Kriegsschiffe, eskortiert von britischen Schiffen, sowie mehr als 25 Handelsschiffe verließen Lissabon in Richtung Brasilien. Über 15.000 Portugiesen begleiteten den Hof. In Portugal wurde ein Regentschaftsrat eingesetzt, den Junot jedoch bald auflöste.
Die Inversion des Mutterlandes
Mit der Ankunft der königlichen Familie in Brasilien im Jahr 1808 begann das, was Historiker als „Mutterland-Inversion“ bezeichnen: Der portugiesische Staatsapparat operierte nun von Brasilien aus. Dadurch verlor Brasilien seinen Status als „Kolonie“ und übernahm faktisch die Funktionen der Metropole.