Folklorisierung und musikalischer Nationalismus

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Folklorisierung

Applegate thematisiert den Eurozentrismus in der Musikwissenschaft der 60er bis 80er Jahre. Die Studien spiegeln oft eine deutsche Perspektive wider, nicht eine europäische. Folklore ist das Interesse der Gesellschaft an populärer und traditioneller Kultur. Es gibt zwei Arten von Zuhörern:

  • Stärken: Ruft dazu auf, folkloristische Elemente in einem Werk zu übernehmen.
  • Verbindlichkeiten: Der Zuhörer unterstützt Musik, mit der er sich identifiziert, auch wenn er sie zuvor nicht kannte.

Ebenen der Folklore

  1. Ideen, Einstellungen und Werte innerhalb des ideellen Grundkonzepts der Globalisierung.
  2. Produkt-Ebene: Einheiten, in denen formale oder praktische Leistungen der Folklore erkennbar sind.
  3. Konstruktive Ebene: Aktualisierung traditioneller Produkte.

Folklorisierung lässt sich nicht ohne die frühen Volkskundler verstehen. Sie betrachteten Bauernmelodien als reine Kopien alter Lieder. Die Dichotomie zwischen religiöser und populärer Musik ist oft eine Illusion, da die Grenze subjektiv ist.

Nationalismus in der Musik

Im 19. Jahrhundert diente Folklore der nationalen Identifikation und sozialen Unterhaltung. Im 20. Jahrhundert wandelte sich dies zur Schaffung einer modernen Sprache als Alternative zu impressionistischen, futuristischen und atonalen Tendenzen.

Neo-Nationalismus (ab 1910)

Der Neo-Nationalismus brachte neue rhythmische Aspekte und tonale Rahmen hervor:

  • Polytonalität und Bitonalität
  • Verwendung von Skalen wie Ganztonleitern und Entatonismus
  • Besondere Orchestrierung mit Fokus auf Klangfarbe und Artikulation

Zoltán Kodály (1882–1967)

Der ungarische Komponist Zoltán Kodály wurde am 16. Dezember 1882 in Kecskemét geboren und starb am 6. März 1967 in Budapest. Sein Stil entwickelte sich von der Wiener Spätromantik hin zur Verbindung von Folklore mit komplexen Harmonien des 20. Jahrhunderts, was er mit Béla Bartók teilte.

Kodály studierte an der Franz-Liszt-Musikakademie in Budapest. Ab 1906 erforschte er gemeinsam mit Bartók die ungarische Folklore und sammelte etwa 100.000 Volkslieder auf Grammophon-Zylindern. Sein internationaler Durchbruch gelang 1923 mit Psalmus Hungaricus.

Wichtige Werke

  • Háry János: Komische Oper basierend auf Märchen, bekannt für ihre brillante Orchestersuite.
  • Cello-Sonate: Ein virtuoses Werk, das fortgeschrittene Techniken und ungarische Volksmusik integriert.
  • Tänze von Galánta (1933): Eine Zusammenstellung beliebter Tänze (Verbunkos) in Rondo-Form.

Theorien des Nationalismus

Die moderne Musikwissenschaft betrachtet Nationalismus oft kritisch im Kontext ethnischer Konflikte und nationaler Identität. Es werden zwei Kategorien von Nationen unterschieden:

  1. Kulturell: Basierend auf kulturellem Erbe, Sprache und Religion.
  2. Politisch: Basierend auf gemeinsamer Geschichte und dem Prinzip der Souveränität.

Hans Kohn unterscheidet zudem zwischen dem westlichen Modell (politisch, staatsbürgerlich) und dem östlichen Modell (kulturell, ethnisch). Forscher wie Gellner sehen Nationalismus als ein modernes Phänomen, das soziale Einheiten durch den Mythos einer langen, schlafenden nationalen Identität neu organisiert.

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