Francisco de Goya: Analyse seiner bedeutendsten Meisterwerke
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1. Die Erschießungen vom 3. Mai (1814)
Dieses 1814 entstandene Öl auf Leinwand, das sich heute im Museo del Prado befindet, gilt als Meilenstein der Malereigeschichte. Die Komposition ist durch eine klare, dramatische Lichtführung strukturiert:
- Symbolische Trennung: Das Licht trennt den beleuchteten Bereich, in dem die Verurteilten auf ihre Hinrichtung warten, vom Halbschatten, in dem die Soldaten aufgereiht sind.
- Zentrale Figur: Der beleuchtete Mann, der erschossen werden soll, absorbiert das gesamte Licht und strahlt eine enorme Ausdruckskraft aus.
- Dynamik: Der militärische Zug bildet eine geschlossene Diagonale. Goya ordnet alle Elemente dem Ausdruck unter, reduziert den Farbraum, um das Drama zu steigern, und intensiviert den emotionalen Höhepunkt durch die Sprache der Hände.
Das Werk entstand sechs Jahre nach den tragischen Ereignissen in Madrid vom 2. Mai 1808. Goya nutzt eine expressionistische Technik, die bereits den Weg in die Moderne ebnet. Das Gemälde inspirierte später Édouard Manet zu seinem Werk Die Erschießung Kaiser Maximilians von Mexiko. Besonders eindrucksvoll ist der Kontrast zwischen der Verzweiflung des Patrioten und der stummen, grausamen Entschlossenheit der Soldaten.
2. Saturn verschlingt seinen Sohn
Dieses mythologische Werk aus der Serie der „Schwarzen Gemälde“ (Pinturas negras), die Goya an die Wände seines Hauses, der Quinta del Sordo, malte, befindet sich heute ebenfalls im Prado.
Goya stellt Saturn dar, wie er einen seiner Söhne verschlingt, um die Prophezeiung zu verhindern, dass ihn einer seiner Nachkommen entthronen wird. Die Darstellung ist geprägt von:
- Bestialität: Wilde Augen und ein Mund, der tief in den Körper des Opfers eindringt.
- Farbgestaltung: Die Dunkelheit des Hintergrunds betont das leuchtende Rot des Blutes.
- Interpretation: Das Werk dient als Ausdruck von Grausamkeit. Goya nutzt die Ikonographie, um die Gier und Tyrannei – möglicherweise in Anlehnung an Quevedo – darzustellen. Zudem symbolisiert es die Einsamkeit des Alters, die Taubheit und die Melancholie des Künstlers sowie die Angst vor dem absolutistischen Terror nach der Verfassung von 1812.
3. Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer
Diese Radierung und Aquatinta aus dem Jahr 1799 ist eines der bekanntesten Werke Goyas. Im Rahmen der Veröffentlichung von 80 Drucken rechtfertigte der Autor seine Arbeit mit der Überzeugung, dass die Malerei ein Medium sein kann, um menschliche Fehler und Laster zu kritisieren. Goya unterstreicht damit die kreative Freiheit des Künstlers als Gegenentwurf zur sklavischen Nachahmung.