Friedrich Nietzsches Kritik an den traditionellen Werten
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Die Kritik an traditionellen Werten
Dies ist ein Angriff auf den Platonismus und alle Folgen dieser Philosophie, vor allem in der Form, wie sie vom Christentum übernommen wurde. Zur weiteren Klärung der Begriffe unterscheiden wir innerhalb der Kritik der traditionellen Werte die Moralkritik, die Religionskritik und die Kritik der Philosophie.
I. Kritik an der Moral
Nietzsches Kritik an der abendländischen Kultur sitzt tief. Der grundsätzliche Fehler der traditionellen Moral besteht darin, dass sie sich gegen das Leben richtet. Die Grundlage der Moral ist genau jene, die aus dem Platonismus stammt: Sie stellt dieser Welt und diesem Leben, die authentisch sind, Ideale und Werte gegenüber, welche die Moral untermauern. Dies hat dazu geführt, dass die Werte der Schwachen über die wahren Werte der ursprünglichen Moral triumphierten. Dies war eine ursprüngliche Herrenmoral derer, die das Leben liebten. Dies ist die Gesinnung des Übermenschen. Eine auf dem Platonismus basierende Moral ist hingegen eine Sklavenmoral. Durch eine Umkehrung der Werte, die mit dem Judentum und dem Christentum einherging, wurde sie auf der Grundlage des Platonismus implementiert. In dieser Moral sind die Tugenden genau die negativen Werte wie Demut, Gehorsam, Resignation, Mitgefühl und so weiter.
Nietzsches Kritik ist jedoch nicht nur in der christlichen Moral verankert, sondern betrifft auch die Moral der Moderne, da diese die christlichen Werte lediglich säkularisiere. Auch kritisiert er den kantischen Formalismus angesichts fehlender solider Fundamente.
II. Kritik des Christentums
Diese steht in engem Zusammenhang mit dem vorstehenden Absatz. Religion entspringt der Angst und Hilflosigkeit, die der Mensch gegenüber sich selbst empfindet. Gott ist nur eine Projektion des Menschen, was zu einem schrecklichen Verlust authentischer Werte führt. Insbesondere das Christentum hat, im Einklang mit Platon, eine himmlische Welt erfunden, die gegen die Welt und das irdische Leben gerichtet ist.
III. Die Kritik an der traditionellen Philosophie
- Ontologie: Aus der Sicht der traditionellen Philosophie glaubte Platon, dass die wahre Wirklichkeit unveränderlich, universell und abstrakt sei. Dies ist genau das Gegenteil des Lebens selbst und der Wirklichkeit des Werdens. Für Nietzsche war Heraklit der einzige Philosoph der Antike, der die Wirklichkeit nicht verfälschte.
- Erkenntnis: Die traditionelle Philosophie ist dogmatisch und darauf ausgerichtet, Konzepte zu schaffen, die lediglich „Mumien“ sind, welche die Realität eher einschließen als widerspiegeln. Der Intellekt täuscht uns vor, dass wir durch Begriffe das wahre Leben erfassen könnten. Für Nietzsche ist Erkenntnis subjektiv, und diese Subjektivität unterscheidet sich nicht nur zwischen den Arten, sondern auch zwischen den Individuen.
- Sprache: In Bezug auf die Sprache sind Worte lediglich Metaphern. Sie werden zu Begriffen, wenn sie auf eine Vielzahl von Dingen angewendet werden. Darin liegt der Fehler: Die Natur und das Leben sind einzigartig und konkret, nicht formal und abstrakt. Begriffe sind nur der Rückstand von Metaphern und können die Realität des Lebens nicht ausdrücken.
Der Tod Gottes und der Nihilismus
Die destruktive Kritik, die Nietzsche an den traditionellen Werten übt, bezeichnet er als den Tod Gottes. Der Tod Gottes bedeutet den Zusammenbruch der Säulen, welche die Tradition, Geschichte und Kultur des Westens stützten, da alles auf der Vorstellung von Gott beruhte.
Schließlich führt der Tod Gottes zum Nihilismus: Dies bedeutet, dass die westliche Zivilisation ihrer Werte beraubt ist. Diese Werte sind nicht mehr sinnvoll, weil der Mensch schließlich verstanden hat, dass sie die Verneinung des Lebens selbst sind.