Gattungen und Themen der Renaissance-Literatur

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Wiederaufnahme griechisch-römischer Gattungen

In der Renaissance kam es zur Wiederaufnahme mehrerer poetischen Gattungen der griechisch-römischen Tradition:

  • Eklogen: Kompositionen, in denen der Dichter seine Gefühle durch die Stimmen von Hirten ausdrückt.
  • Oden: Lyrik mit hohem Ton und einer Vielfalt an Themen und Fragestellungen.
  • Episteln (Briefe): Behandeln dogmatische Fragen in Form eines Schreibens.
  • Elegien: Drücken die Gefühle angesichts eines schmerzhaften Ereignisses aus.

Zentrale Themen der Renaissance-Dichtung

Die Dichter der Renaissance verwendeten in ihren Werken verschiedene Themen der griechisch-lateinischen Literatur:

  • Das Carpe diem (Nutze den Tag): Lädt dazu ein, den gegenwärtigen Moment zu genießen.
  • Das Collige, virgo, rosas (Pflücke, Mädchen, die Rosen): Ruft ein junges Mädchen dazu auf, die Liebe zu genießen, bevor die Zeit ihre Schönheit verwelken lässt.
  • Der Locus amoenus (Lieblicher Ort): Beschreibt eine grüne Wiese mit frischem, klarem Wasser – eine Oase, in der der Dichter seine Liebesschmerzen verarbeitet.
  • Die Aurea mediocritas (Goldene Mittelmäßigkeit): Drückt ein maßvolles Lob auf ein Leben fernab von übertriebenem Ehrgeiz aus.
  • Das Beatus ille (Glücklich jener): Preist ein Leben abseits des Weltenchaos auf der Suche nach Frieden und Harmonie in der Natur.

Natur, Liebe und Mythologie

Die Natur der Renaissance ist friedlich und harmonisch. Dieses idealisierte Zentrum ist der Locus amoenus, der meist als Rahmen für Liebesszenen oder mythologische Geschichten dient. Es ist eine grüne Wiese voller Frische, mit dem sanften Rauschen der Brise, kristallklarem Wasser und schattigen Bäumen. Sie bietet dem Dichter Schutz auf seiner Flucht auf der Suche nach Ruhe und geistiger Entspannung.

Die Liebe ist durch die neuplatonische Philosophie und die petrarkistische Konzeption beeinflusst. Die Geliebte besitzt eine Güte und Schönheit, in der das Göttliche aufblitzt, sodass ihre Betrachtung den Zugang zur absoluten Schönheit ermöglicht. Diese Vergöttlichung macht die Liebe zu einem Akt der Anbetung, fast wie eine religiöse Verehrung.

Die Mythologie prägt die Werke mit Göttern, Nymphen, Helden und anderen Figuren der griechisch-römischen Antike. Diese Motive dienen als Symbole für eigene emotionale Konflikte. Ein bedeutender Vertreter dieser neuen Themen ist Garcilaso de la Vega.

Die Flucht aus der Welt und die Mystik

Die Flucht aus der Welt wird als Sehnsucht nach Transzendenz verstanden. Sie erscheint in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts in moralischen Gedichten, die das Beatus ille und die Aurea mediocritas weiterentwickeln. Das menschliche Leben wird als im Chaos und in trügerischen Zwiespälten gefangen betrachtet. Um diesem Gefängnis zu entfliehen, bedarf es eines Reinigungsprozesses durch verschiedene Modi:

  • Praxis und Entwicklung bestimmter Tugenden.
  • Die Verpflichtung zu Studium und intellektueller Arbeit.
  • Direkter Kontakt mit der Natur.
  • Die Wahrnehmung der musikalischen Kunst.

Das Thema der Weltflucht ist eine der Grundlagen der asketischen Poesie, die heidnische Strömungen christianisiert und im Wunsch gipfelt, mit der Gottheit zu verschmelzen.

Die mystische Vereinigung

Die mystische Vereinigung ist ein Konzept religiösen Ursprungs, das in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entsteht. Diese Literatur basiert auf der Erfahrung der Vereinigung der Seele mit Gott. Diese Kommunikation weist typische Merkmale auf:

  • Sie erfordert einen vorherigen Prozess der Reinigung.
  • Sie ist eine göttliche Gnade.
  • Sie erzeugt einen Zustand der Ekstase.
  • Da sie nicht in menschlicher Sprache ausdrückbar ist, nutzen mystische Dichter Symbole, Allegorien, Paradoxien und Antithesen.

Die zwei bedeutendsten Mystiker sind Johannes vom Kreuz und Teresa von Ávila.

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