Die Generation von '27: Spanische Avantgarde und Lyrik

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Die spanische Avantgarde im 20. Jahrhundert

Die Avantgarde (Vanguardismus) umfasst die künstlerischen Bewegungen, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelten. Die wichtigsten Merkmale sind: Anti-Realismus und Autonomie der Kunst, Irrationalismus sowie das Streben nach Originalität und ästhetischen Experimenten.

Die wichtigsten Strömungen

  • Futurismus: Feiert die Technik und die Moderne.
  • Kubismus: Zerlegt die Wirklichkeit in geometrische Formen.
  • Dadaismus: Reine Rebellion gegen die Logik.
  • Surrealismus: Völlige Befreiung der schöpferischen Kraft des Menschen.
  • Ultraismus: Betont das Unsentimentale und die Entmenschlichung.
  • Kreationismus: Eine bewusste Abkehr von der Realität.

Entwicklung und Einflüsse

Die Entwicklung der Avantgarde ist gekennzeichnet durch die Veröffentlichung der Übersetzung des futuristischen Manifests durch Ramón Gómez de la Serna sowie die Ankunft von Vicente Huidobro, dem Gründer des Kreationismus, in Spanien. Ein weiterer Meilenstein war die Übersetzung von Bretons surrealistischem Manifest. Ramón Gómez de la Serna leistete große kreative Arbeit und war ein bedeutender Verbreiter der Avantgarde; er definierte die Greguería als Humor + Metapher.

Die Generation von '27

In den 1920er-Jahren förderte diese Gruppe Dichter von außergewöhnlicher Qualität, die durch ähnliche Daten, Freundschaften und gemeinsame Ziele verbunden waren. Dámaso Alonso taufte die Gruppe „Generation von '27“. Das Datum bezieht sich auf bedeutende Veröffentlichungen wie die Zigeunerromanzen (Romancero gitano). Zu den führenden Dichtern gehören Pedro Salinas, Jorge Guillén, Luis Cernuda, Federico García Lorca, Dámaso Alonso, Rafael Alberti und Vicente Aleixandre. Als Einflüsse sind Juan Ramón Jiménez und Ortega y Gasset zu nennen.

Die drei Phasen der Entwicklung

Erste Phase (bis 1927)

Geprägt vom Einfluss der frühen Avantgarde, der „reinen Poesie“, dem Klassizismus sowie dem Neopopularismus im Stile Góngoras.

Zweite Phase (1927 bis 1939)

Mit dem Aufkommen des Surrealismus beginnt ein Prozess der Re-Humanisierung, der bis zum Ende des Bürgerkriegs andauert.

Dritte Phase (nach 1939)

Nach dem Tod von Lorca (1936) und dem Ende des Krieges gingen viele – mit Ausnahme von Aleixandre, Dámaso Alonso und Gerardo Diego – in ein langes Exil. Die Gruppe löste sich auf, und jeder Dichter verfolgte seine eigene Entwicklung.

Stile und zentrale Themen

Die Dichter verbanden Tradition (Alberti und Lorca), Neopopularismus und Klassizismus mit der Beherrschung metrischer Systeme. An der Spitze standen ein Sinn für Witz, formale Spiele, reine Poesie sowie die Verherrlichung der modernen Kunst und des Surrealismus.

Wichtige Motive:

  • Leidenschaft und Liebe: (Salinas, Lorca, Cernuda).
  • Sehnsucht nach der Kindheit: Als verlorenes Paradies (Alberti).
  • Lebensfreude: Die Erhöhung freudiger Momente (Guillén).
  • Die moderne Stadt: Loblied auf technischen Fortschritt, Kino, Schreibmaschinen und Autos (Salinas).
  • Realität vs. Traum: Die Antithese von Wünschen und Wirklichkeit (Cernuda).
  • Entmenschlichung: Die moderne Welt und die Großstadt (Lorca).
  • Krieg und Exil: Entwurzelung und die Tragödie des inneren Exils.

Bedeutende Vertreter und ihre Werke

Pedro Salinas: Poesie ist für ihn das Wesen der Dinge. Seine Hauptthemen sind Liebe und das Leben in Perfektion, geprägt durch eine präzise Lexik. Werk: La voz a ti debida (Die Stimme, die ich dir verdanke).

Jorge Guillén: Seine Dichtung ist ein strenges Auswahlverfahren. Sein Hauptthema ist die Anschauung und Verwertung der Wirklichkeit, was zu Unterthemen wie Sein, Zeit und Chaos führt. Werk: Homenaje (Hommage).

Gerardo Diego: Er verbindet Avantgarde und Tradition mit großartiger Technik und absolutem Wissen über Vers und Sprache. Werk: Manual de espumas (Handbuch des Schaums).

Dámaso Alonso: Er war ein Begleiter der Generation von '27, wirkte jedoch primär als Kritiker. Sein wichtigstes lyrisches Werk ist Hijos de la ira (Kinder des Zorns).

Rafael Alberti: Er besticht durch eine große Vielfalt an Themen und Stilen, von reiner Poesie über traditionelle und barocke Formen bis hin zur Avantgarde. Wichtiges Werk: Marinero en tierra (Seemann an Land).

Luis Cernuda: Seine Arbeit ist eine Darstellung seines Lebens. Beherrschende Themen sind Einsamkeit, die Sehnsucht nach einer lebenswerten Welt und die Liebe. Sein Gesamtwerk ist unter dem Titel La realidad y el deseo (Die Wirklichkeit und das Begehren) zusammengefasst. Einzelschrift: Donde habite el olvido (Wo das Vergessen wohnt).

Vicente Aleixandre: Liebe und Natur sind die essenziellen Themen. Die Liebe führt das Individuum zur Zerstörung oder zur Natur als Quelle des Lebens. Er nutzt starke Metaphern in freien Versen. Werk: La destrucción o el amor (Die Zerstörung oder die Liebe).

Federico García Lorca: Die Schlüsselfigur der Generation von '27. Das tragische Schicksal und die Unmöglichkeit der Erfüllung sind zentrale Elemente. Zu Beginn schrieb er Canciones, Poema del cante jondo und Suites. Später folgten die Zigeunerromanzen (Romancero gitano). Sein Aufenthalt in den USA (1929–1930) inspirierte ihn zu Poeta en Nueva York (Dichter in New York), worin er soziale Ungerechtigkeit und Entmenschlichung im surrealistischen Stil anprangert. Weitere Werke: Llanto por Ignacio Sánchez Mejías und die Sonetos del amor oscuro (Sonette der dunklen Liebe).

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