Die Generation von 98: Literatur und Erneuerung
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Die Generation von 98
Die Generation von 98 war eine Gruppe von Schriftstellern, die in ihrer Jugend eine tiefe Abneigung gegen die Restauration zum Ausdruck brachten. Sie proklamierten die Notwendigkeit einer sozialen, kulturellen und reformistischen Wiederbelebung. Ausgehend von einer kritischen Haltung gegenüber der spanischen Gesellschaft reflektierten sie über die historischen und literarischen Ursprünge Kastiliens.
Die Gruppe war geprägt von existenziellem Pessimismus und Subjektivismus. Ihr bevorzugtes Genre war der Essay, wobei sie großen Wert auf einen persönlichen Stil legten. Zu den bedeutenden Autoren zählen:
- Antonio Machado: Lyrik
- Valle-Inclán: Theater
- Miguel de Unamuno: Essay
- Azorín: Theater, Romane und Essays
- Pío Baroja: Roman
Der Name „Generation von 98“ wurde 1913 durch Artikel von Azorín und Ortega y Gasset geprägt.
Merkmale der Gruppe
- Kritische Haltung: Beeinflusst durch Denker wie Larra und die Krausisten.
- Entwicklung: Wandel von radikalen Jugendpositionen (Anarchismus/Sozialismus) hin zu konservativen oder skeptischen Ansichten im Alter.
- Das Thema Spanien: Die Frage „Wie ist Spanien?“ steht im Zentrum, insbesondere bei Unamuno, der die „Seele Spaniens“ in der kastilischen Landschaft und Geschichte suchte.
- Existenzielle Krise: Angst, Misstrauen gegenüber der Vernunft und eine Neigung zum Subjektivismus.
Lyrik und Antonio Machado
Die Lyrik des frühen 20. Jahrhunderts erlebte durch Antonio Machado und Juan Ramón Jiménez einen Höhepunkt. Machado gilt als der bedeutendste Lyriker dieser Zeit. Sein Werk unterteilt sich in drei Phasen:
- Erste Phase: Soledades (1903). Geprägt von Modernismus, Symbolismus, Intimität und Melancholie.
- Zweite Phase: Campos de Castilla (1912). Fokus auf die Landschaft Sorias, historische Reflexion und eine beschreibende, rhetorischere Sprache.
- Letzte Phase: Nuevas canciones (1924). Themen wie Relativismus, Zeit und die Suche nach Gott.
Theater des frühen 20. Jahrhunderts
Das Theater dieser Zeit war zunächst vom kommerziellen, realistischen Stil geprägt (z. B. Jacinto Benavente). Erst Autoren wie Unamuno, Azorín und vor allem Valle-Inclán brachen mit diesen Konventionen.
Valle-Inclán und der „Esperpento“
Valle-Inclán entwickelte sich vom Modernismus hin zum Esperpento – einer Ästhetik der Groteske und Verzerrung, die dem Expressionismus nahesteht. In Werken wie Bohemian Lights (Luces de bohemia) nutzt er die Verzerrung der Realität, um eine tiefgreifende gesellschaftliche Kritik zu üben und die sentimentale Identifikation des Publikums zu verhindern.