Georges Braque: Landschaft bei L'Estaque (1908)

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Georges Braque (1882–1963): Landschaft bei L'Estaque (1908)

Thema

In diesem Gemälde finden wir eine bäuerliche Landschaft, in der Häuser und Vegetation die markantesten Merkmale sind. Dieses Werk gehört zu einer Reihe von Landschaften, die Braque 1908 in L'Estaque an der Mittelmeerküste zwischen Marseille und Les Martigues malte.

Formale Elemente

  • Braque verwendet breite Pinselstriche, die so gesetzt sind, dass sie Farbebenen erzeugen. Die Textur wirkt insgesamt recht glatt, obwohl einige Bereiche einen pastoseren Pinselduktus aufweisen.
  • Die Farbskala ist reduziert und wird von kühlen Tönen wie Grau, Blau und Grün dominiert. Es gibt jedoch sehr spezifisch angeordnete Bereiche in warmen Farben wie Braun- und Orangetönen. Die Farben dienen nicht der naturgetreuen Wiedergabe, sondern betonen den Kontrast zwischen den Farbflächen mit ihren präzisen Grenzen.
  • Die Linienführung definiert die Formen und Volumina der Landschaftselemente und bildet das Grundgerüst des Bildes.
  • Die Objekte sind beleuchtet und weisen Schattierungen auf, die jedoch nicht auf eine Lichtquelle reagieren, sondern formal bedingt sind. Jedes Objekt scheint sein eigenes Licht auszustrahlen; das traditionelle Helldunkel (Chiaroscuro) ist aufgehoben.

Zusammensetzung

  • Das Bild setzt sich aus polyedrischen Formen, Trapezen, Quadraten und Rechtecken zusammen. Das Ergebnis ähnelt Quarz-Strukturen, die nebeneinanderstehen und durch die individuelle Behandlung von Licht und Farbe eine gewisse Autonomie besitzen.
  • Zwei Zonen in warmen Farben sind strategisch platziert – eine im Vordergrund links und eine in der oberen Bildmitte. Diese Bereiche verleihen dem Bild Klarheit und Tiefe.
  • Ein wesentlicher Aspekt ist das Raumverständnis, das mit der Renaissance-Tradition bricht, in der das Bild als „Fenster zur Welt“ fungierte. Der Kubismus bricht hier mit der klassischen Perspektive nach Brunelleschi.
  • Der Raum wird durch die Formen selbst konstruiert und existiert nur in Bezug auf diese. Fast alle Elemente der Landschaft drängen in den Vordergrund, hin zur Bildoberfläche.

Stil

Das Werk entstand im Sommer 1908, ein Jahr bevor Picasso seine Fabrik in Horta de Ebro malte. Hier setzte Braque die Ideen von Cézanne um, geometrische Formen zur Definition von Objekten zu nutzen.

Die geometrischen Formen und die Existenz mehrerer Standpunkte klassifizieren das Werk als einen frühen Vertreter des Kubismus. Zudem ist die Landschaft als Motiv in dieser Bewegung ungewöhnlich, da der Kubismus primär durch Stillleben geprägt wurde.

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