Geschichte und Definitionen von Gewalt: Ein Überblick

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Gewalt: Ein historischer Begriff

Gewalt ist ein integraler Teil der Geschichte, beginnend mit biblischen Erzählungen wie jener von Kain und Abel.

Historische Etappen der Gewalt (Guthman, 1991)

  • 1. Bis zum Mittelalter: Es gibt keine negative Konnotation.
  • 2. Mittelalter (Medioevo): Gewalt wird als negative Tatsache wahrgenommen; sie korrodiert die Reinheit und Harmonie mit Gott und gilt als Sünde gegenüber der Kirche, der Verwaltung und dem feudalen Herrn.
  • 3. Renaissance (Renacimiento): Gewalt wird instrumentalisiert und als Mittel der Macht und Politik etabliert (Machiavelli).
  • 4. Moderne: Integration der negativen Konnotation und Instrumentalität; die Legitimität liegt beim Staat und nicht bei Privatpersonen (normalen Menschen).

Neigung zur Gewalttätigkeit

Bei der Neigung zur Gewalttätigkeit spricht man heute eher von spezifischer Gewalt als von Gewalt im Allgemeinen (DEV – spezifische Diskurse); das Konzept wird dadurch entpolitisiert.

Was ist Gewalt? Definitionen und Ansätze

Philosophische und lexikalische Ansätze

Aristoteles unterscheidet zwischen natürlichen Bewegungen (wie das Aufsteigen von Rauch oder das Fallen eines Steins) und gewalttätigen Bewegungen (wie Steinwürfe). Es handelt sich um die Intervention durch eine Kraft, die nicht Teil des Objekts ist (RAE, 2001).

Nach Morfaux (1985) ist Gewalt jeder Angriff, der gegen die menschliche Person gerichtet ist – sei es gegen sich selbst oder gegen eine andere Person.

Der rote Faden der Gewalt muss laut Jackman (2001) die Folge von Verletzungen oder Schäden sein.

Formen der Einwirkung

Gewalt umfasst Drohungen oder Handlungen, die darauf abzielen, zu verletzen. Der Schaden kann physischer, psychischer, materieller oder sozialer Natur sein. Die Maßnahmen können körperlich, verbal oder schriftlich erfolgen.

Aggression: Die vorsätzliche Handlung von Krieg; sie verändert den emotionalen Zustand weniger und ist eher eine biologische Bewertung (z. B. Aggressivität in der Wirtschaft).

Gewalt, Staat und Macht

Gewalt ist die normale Ausübung der Macht im ganzen Land. Nach Max Weber (1969) ist der Staat jene menschliche Gemeinschaft, die innerhalb eines bestimmten Gebiets das Monopol legitimer physischer Gewaltsamkeit (Coercion) erfolgreich für sich beansprucht.

Körperliche Gewalt wird so lange ausgeübt, bis eine legitime Idee oder Herrschaft etabliert ist. Gewalt ist in jedem Fall als „Garantiefonds“ installiert, der dazu dient, die Macht als symbolisches Mittel aufrechtzuerhalten (Madriaza, 2006).

Die Beziehung zwischen Gewalt und Macht

  • Beziehungen zwischen Menschen sind oft von Biases geprägt, die physische, psychische oder soziale Ausgrenzung für eine der Parteien bedeuten können.
  • Das Opfer muss die Situation nicht zwingend als Gewalt wahrnehmen (symbolische Gewalt).
  • Die Person, die den Schaden verursacht hat, kann absichtlich und bewusst gehandelt haben oder auch nicht (z. B. Witze über Minderheiten oder Behinderte).
  • Es beinhaltet ein Ungleichgewicht von Macht und Stärke; Macht wird ohne Zustimmung ausgeübt.
  • Andere mögen das Verhältnis als Gewalt wahrnehmen oder auch nicht (relationaler Begriff mit historischer Bedeutung), wie etwa beim Beispiel „Rute und Verwöhnen“.

Die Gesichter der Gewalt

  • Körperliche Gewalt: Physische Gewalt in Form von Schlägen etc.
  • Psychische Gewalt: Missbrauch, Beschimpfungen, Grausamkeit, Schreien etc.
  • Strukturelle Gewalt und soziale Ausgrenzung: Mangelnder Zugang zu lebensnotwendigen Gütern für wichtige gesellschaftliche Gruppen (Armut). Diese Form ist oft nicht sichtbar und wird vom System nicht als Gewalt betrachtet, obwohl sie Leid produziert (symbolische Gewalt).
  • Symbolische Gewalt und Macht: Jede Macht, die es schafft, Bedeutungen aufzuerlegen und diese als legitim zu verschleiern, verbirgt die zugrunde liegenden Kraftverhältnisse. Sie fügt diesen ihre eigene symbolische Kraft hinzu (Bourdieu und Passeron) und wird mit dem Einverständnis (Anuencia) der sozialen Agenten ausgeübt (Bourdieu).

Arten von Gewalt

Reaktive Gewalt: Sie entsteht, wenn das Ausmaß an Absichten oder Schwierigkeiten die Fähigkeit der Person oder Gruppe übersteigt, die Situation anders zu bewältigen (Frustrations-Aggressions-Hypothese, Dollard und Miller, 1939).

Instrumentelle Gewalt: Sie verursacht oft weitere Gewalt, da sie darauf abzielt, bestimmte Ziele zu erreichen; sie wird verstärkt, wenn sie als gerechtfertigt gilt und keine Alternativen gesehen werden.

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