Geschichte der Pathophysiologie und Ätiopathogenese
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Die pathophysiologische Mentalität
Die Krankheit wird als funktioneller Prozess verstanden. Während die Krankheit subjektiv ist, sollte die Wissenschaft objektiv sein. Das Ziel dieser Mentalität ist es, subjektive Symptome in objektive Zeichen zu verwandeln.
Ärzte dieser Strömung kümmern sich bereits um Patienten, bevor klinische Anzeichen vorliegen, da sie das Frühstadium der Krankheit als Vorläufer späterer Symptome begreifen. Diese Denkweise entwickelte sich vor allem im deutschsprachigen Raum zwischen 1830 und 1850.
C. Bernard (1865) betonte, dass das Labor zum wichtigsten medizinischen Zentrum wurde, was zur Gründung der Labormedizin führte. Die anatomische Mentalität hingegen unterschätzte das Symptom und erhob die organische Schädigung zur absoluten Wahrheit.
Vorgeschichte und metabolische Spekulationen
- Pulsdiagnostik (Iatromechanik): Sanctorius beschrieb den Pulsílogo zur Messung des Pulses. Floyer entwickelte eine tragbare Uhr für präzisere Messungen.
- Körpertemperatur: Galileo Galilei erfand das Thermoskop. Sanctorius entwickelte ein Alkohol-Thermometer, das jedoch aufgrund der Flüchtigkeit des Alkohols unzuverlässig war. 1867 führte C. Albutt das Quecksilberthermometer ein.
Klinische Analyse der Körpersäfte
Wichtige Meilensteine waren die Identifizierung von Albumin im Urin durch Cotugno, der Nachweis von Harnstoff und Mineralsalzen durch Wollatson sowie die Diagnose von Diabetes durch F. Home und M. Dobson.
Symptome als Ausdruck von Energieänderungen
Fieber wurde als zentrales Symptom untersucht. L. Traube erkannte, dass Fieber nicht durch erhöhte Wärmeerzeugung, sondern durch eine Verringerung des Wärmeverlusts entsteht. Wunderlich führte die statistische Methode ein und erstellte 25.000 thermische Kurven, um Krankheiten zu charakterisieren.
Grafische Methoden in der Physiologie
Zur Objektivierung subjektiver Symptome wurden zahlreiche Geräte entwickelt:
- Kinograph: Zur Messung der Brustbewegung bei der Atmung.
- Sphygmograph: Zur Messung des arteriellen Pulses (Vierordt).
- Registriertrommel (Marey): Zur Aufzeichnung physiologischer Daten.
- Polygraph (Mackenzie) & Saitengalvanometer (Einthoven): Wegbereiter für das EKG.
- Elektroenzephalograph (Berger): Zur Messung der Hirnaktivität.
Die ätiopathogenetische Mentalität
Dieses Konzept, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand, basiert auf dem Prinzip von Ursache und Wirkung: Eine externe Ursache führt immer zur gleichen Wirkung im Körper. Dies markiert den Übergang zur modernen Toxikologie und Bakteriologie.
Meilensteine der Mikrobiologie
- G. Fracastoro: Begründer der Lehre von der Ansteckung (Epidemiologie).
- Louis Pasteur: Pionier der Mikrobiologie, Immunologie und Pasteurisierung. Er widerlegte die Theorie der Urzeugung (Omni vivum ex vivo).
- Robert Koch: Entwickler mikrobiologischer Techniken (Färbung, feste Nährböden) und Entdecker zahlreicher Krankheitserreger (Tuberkulose, Cholera).
- Edwin Klebs: Pionier der experimentellen Mikrobiologie und Pathologie.
Diese Entwicklungen führten zur Etablierung der medizinischen Mikrobiologie, Parasitologie und Immunologie, die das Verständnis von Infektionskrankheiten als Kampf zwischen Körper und Keim revolutionierten.