Geschichte der Soziologie: Von Europa in die USA
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Die Entwicklung der Soziologie von Europa nach Amerika
Der Übergang der Soziologie vom 19. Jahrhundert bis ins 20. Jahrhundert markiert den Transfer von Europa in die USA. Soziologen verließen Deutschland und Europa, um in Chicago eine neue Strömung zu bilden, die von den dortigen intellektuellen Einflüssen geprägt war.
Führende Soziologen des frühen 20. Jahrhunderts
- Ferdinand Tönnies: Identifiziert die Gemeinschaft als eine Form der vorindustriellen Gesellschaft.
- Thorstein Veblen: Bekannt für sein Werk „Theory of the Leisure Class“. Er untersuchte den sozialen Wandel und Konzepte wie den auffälligen Konsum (conspicuous consumption) im Bereich der Freizeit und Erholung.
- Georg Simmel: Konzentriert sich auf die Analyse von Kleingruppen und untersucht die Bedeutung von Geld, Mode und sozialen Interaktionen.
- Émile Durkheim: Schreibt über den sozialen Wandel und den Übergang von mechanischer Solidarität zu organischer Solidarität unter Anwendung der wissenschaftlichen Methode.
Chicago School: Interaktionismus und Stadtökologie
Die Chicago School entwickelte zwei Hauptdenkrichtungen:
- Symbolischer Interaktionismus: Eine Perspektive mit deutscher Inspiration, welche die soziale Wirklichkeit durch die Untersuchung von Interaktionsformen zwischen Gruppen und Personen analysiert. Im Fokus steht die soziale Konstruktion von Bedeutung.
- Stadtökologie: Untersucht die Dynamik sozialer Einstellungen, beispielsweise warum bestimmte Gruppen in spezifischen Gebieten leben. Hierbei werden sowohl qualitative als auch quantitative Methoden angewandt.
Die Schulen von Oxford und Wisconsin
Oxford School (Pluralismus): Beeinflusst durch die Bedeutung des moralischen Konsenses in der Gesellschaft. Während früher Konflikte zwischen Bürgertum und Proletariat im Vordergrund standen, betont der Pluralismus die Interessen verschiedener Positionen in Fabriken. Ziel war eine nicht-mechanistische Studie darüber, wie Gruppen moralischen Konsens erreichen.
Wisconsin School (Institutionalismus): Bekannt als Wirtschaftssoziologie, die sich kritisch mit neoklassischen Prinzipien auseinandersetzt. Die zentrale Idee ist die Untersuchung von Prozessen und Gewohnheiten, die zur Bildung von Institutionen führen. In den 50er Jahren wurde versucht, diese Qualitäten in einer grundlegenden Theorie zu analysieren, um zur Stabilität des Systems beizutragen. Kritiker merkten an, dass hierbei alte Konflikte zwischen Kapital und Arbeit neu gerahmt werden.
Das funktionalistische Paradigma
Ab den 1920er Jahren verlagerte sich der Schwerpunkt der Soziologie an die UCLA und die US-Ostküste. Der Funktionalismus nutzt quantitative Methoden und stützt sich auf die Vordenker des 19. Jahrhunderts. Er versucht, Stabilität wiederherzustellen, indem er den Inhalt einer Gesellschaft und die Funktion ihrer einzelnen Teile analysiert. In den 70er Jahren wurde dieser Ansatz oft des Konservatismus bezichtigt, woraufhin neue Formen der Sozialforschung entstanden, die bisherige Annahmen hinterfragten.