Geschichte und Theorie der visuellen Kommunikation
Eingeordnet in Lehre und Ausbildung
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 5,11 KB
Die Kommunikationswissenschaft wurde um das Jahr 1950 begründet und konzentrierte sich primär auf die Medien.
Die Anfänge der Massenkommunikationsforschung
Die ersten Erforschungen der Massenkommunikation fanden traditionell in den USA in der Zwischenkriegszeit statt. Diese verfolgten klare wirtschaftspolitische Ziele in Bezug auf das Publikum. In den 1930er Jahren begannen Studien zur Inhaltsanalyse, zu Effekten und zum Publikum. Diese erhielten zwischen 1945 und 1950 weitere entscheidende Impulse.
Kybernetik und Systemtheorie
Bis 1942 entwickelte sich der Begriff der Kommunikation im Zusammenhang mit der Kybernetik (begründet von Norbert Wiener). Ziel war es, verschiedene kommunikative Praktiken, die bisher verteilt waren, zu vereinen. Dies sollte Disziplinen wie Telefonie, Elektronik und Neurophysiologie zusammenführen. Die Kybernetik widmete sich der Erforschung der Gesetze der Kommunikation zwischen natürlichen und künstlichen Elementen, belebten oder unbelebten Objekten sowie Einzelpersonen oder Unternehmen.
Der Funktionalismus in den USA
In den 1950er Jahren entwickelte sich in den USA der Funktionalismus durch die Forschung und Analyse interdependenter Faktoren des öffentlichen Verhaltens. Die funktionalistische Vorstellung betonte die Beziehung zwischen der sozialen Situation und dem Willen, durch die Medien die Demokratie zu beeinflussen und das internationale Gleichgewicht zu wahren.
Der Funktionalismus sah in einer ausgewogenen Kommunikation ein essentielles Instrument, um einer intellektuellen, politischen und wirtschaftlichen Elite Gehör beim anonymen Publikum zu verschaffen. Dadurch rückte die Massenkommunikation in das Zentrum von Politik, Wirtschaft und Bildung.
Kritik der Frankfurter Schule
Die stärksten Angriffe auf die Massenkommunikation kamen von der Frankfurter Schule. Diese versuchte, die Machtstrukturen zu identifizieren und zu beschreiben, die den Diskurs der Medien, kultureller Einrichtungen und pädagogischer Programme prägen.
Semiotik und die europäische Perspektive
In den 1960er Jahren erwachte das Interesse an Kommunikationsstudien in Europa, wobei der Fokus zentral auf der Semiologie und Semiotik lag. Das visuelle Bild erregte schnell die Aufmerksamkeit der Analysten, die begannen, die Kommunikation aus unterschiedlichen theoretischen Positionen zu betrachten. Abraham Moles unterschied beispielsweise zwei Arten von Informationen in einem Werk:
- Semantische Information: Die verschlüsselte Botschaft, die durch Zeichen übersetzbar ist.
- Ästhetische Information: Die Gesamtheit, die zwar wahrnehmbar, aber unbeschreiblich ist.
Die Ulmer Schule und das Design
Die Ulmer Schule integrierte diese Theorien in ihre Lehrprogramme. Ab 1953 lehrten die Dozenten Visuelle Kommunikation und Information. Tomás Maldonado führte einige Jahre später Untersuchungen zu semantischen visuellen Materialien, zur Wahrnehmungstheorie und zur Symmetrie ein. Die Bildsprache wurde zu einem allgemeinen Ausdrucksmittel, auf das Kategorien der Linguistik und Semiotik angewendet wurden – sowohl auf das Objekt selbst als auch in Bezug auf seine Formen.
Studien über die Kunst und das Bild entwickelten sich rasant. Das Feld der visuellen Kommunikation wurde zentral für die Untersuchung von Formen.
Visuelle Kommunikation vs. Grafikdesign
Dieser Schritt war für das gesamte Design und insbesondere für das Grafikdesign von großer Bedeutung. Die visuelle Kommunikation wurde in Bezug auf das Grafikdesign vielschichtig verstanden: Entweder als eine Syntax von Gesetzen, die der Sprache ähneln, oder als verbale Botschaft selbst.
Bruno Munari argumentierte, dass visuelle Kommunikation alle grafischen Ausdrucksformen umfasst – vom Layout einer Zeitung bis hin zur Lesbarkeit eines Wortes und allen Mitteln, die das Lesen eines Textes erleichtern. Alle Aspekte der visuellen Kommunikation haben jedoch eines gemeinsam: die Objektivität. Wenn ein Bild für eine bestimmte Nachricht verwendet wird, verliert es ohne Objektivität an kommunikativer Kraft.
Entwicklung seit den 1970er Jahren
In den 1970er Jahren gewannen einerseits der kommunikative Wert des Corporate Designs und andererseits die Vermittlung der Grundlagen der visuellen Sprache an Bedeutung. Die unterschiedlichen Ursprünge dieser beiden Linien behielten eine Zeit lang ihre Unabhängigkeit. Doch durch die Unschärfe des Begriffs „Kommunikation“ entstand ein Feld, in dem Form und Funktion teils getrennte Wege gingen.
Heute, Jahrzehnte später, sprechen wir über Kommunikation im Design oft ohne klare Differenzierung. Unter dem Dach der Kommunikation werden Wahrnehmungsphänomene, soziale Vorstellungen und technische Kanäle zusammengefasst. Es wird selten klargestellt, ob Kommunikation als visuelle Sprachstruktur oder als kulturelle Praxis verstanden wird, in der die Sichtbarkeit eine politische Rolle spielt.