GMDSS und Seefunk: Leitfaden für den maritimen Notfunk
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1. Marine Band UKW-Frequenzbereich
Der VHF-Bereich umfasst 30 bis 300 MHz.
- Notsignal (Kanal 70): 156,525 MHz oder DSC (Digital Selective Calling).
- Verkehrskanal (Kanal 16): 156,8 MHz (Telefonie).
- Reichweite: Troposphärische oder Bodenwellen ermöglichen eine Reichweite von 25–30 Seemeilen bei Bordausrüstung (1–25 W) bzw. 10–15 Seemeilen bei Handfunkgeräten (1–5 W).
Navy Band MF
Der MF-Bereich umfasst 300 bis 3000 kHz.
- Notsignal: 2187,5 kHz oder DSC.
- Verkehrskanal: 2182 kHz (Telefonie).
- Reichweite: Durch Ionosphärenausbreitung ca. 150–200 Seemeilen.
2. Schiffsfunkstellen und Dokumentation
Für den Betrieb einer Schiffsfunkstelle sind folgende Dokumente erforderlich:
- Ship Station License: Nachweis zur Nutzung der installierten Funkanlage.
- MMSI & Rufzeichen: Zuteilung durch die zuständige Behörde.
- Pflichtunterlagen: Funkjournal, Funk-Sicherheitszeugnis, Liste der Küstenstationen, Liste der Rettungszentren (MRCC) sowie NAVTEX-Senderverzeichnisse.
3. 406 MHz Baken (EPIRB)
- Platzierung: An einem zugänglichen Ort, bereit zur manuellen Freigabe oder für Rettungsinseln.
- Float-free-Regelung: Automatische Aktivierung durch hydrostatische Auslöseeinheiten beim Sinken des Schiffes.
- Technische Daten: 406 MHz Trägerfrequenz, 5 W Leistung, 48 Stunden Batterielaufzeit.
- Aktivierung: Übermittlung der MMSI an das COSPAS-SARSAT-System. Mit GPS-Empfänger erfolgt eine präzise Positionsübermittlung; ohne GPS erfolgt die Ortung via Doppler-Effekt (Genauigkeit ca. 5 km).
4. Betriebliche Verfahren: UKW-Sprechfunk
Für den Anruf eines anderen Schiffes oder einer Küstenstation via DSC:
- DSC-Menü wählen und "Individual Call" (Routine) auswählen.
- MMSI des Zielschiffs oder der Küstenstation eingeben (9-stellig, in Spanien beginnend mit 224xxxxxx für Schiffe bzw. 00224xxxx für Küstenstationen).
- Arbeitskanal wählen (z. B. 06, 08, 13).
- "CALL"-Taste für zwei Sekunden drücken.
- Nach Empfangsbestätigung (ACK) auf den zugewiesenen Arbeitskanal wechseln.
5. Notfallkommunikation und GMDSS
Übermittlung eines Notsignals
- DSC-Menü: "Distress"-Typ wählen, Position validieren, UTC-Zeit bestätigen und "DISTRESS"-Taste für 5 Sekunden drücken.
- Direkt-Taste: "DISTRESS"-Taste für 5 Sekunden drücken (sendet MMSI, UTC und Koordinaten).
- Inhalt: MMSI, Notart, Position, Zeit und Arbeitskanal.
Verhalten bei Notrufen Dritter
Wenn keine Antwort einer Küstenstation erfolgt, muss der Notruf auf Kanal 16 quittiert werden. Sollte weiterhin keine Kommunikation mit der Küste möglich sein, ist ein MAYDAY RELAY zu senden.
Bestätigung eines Notrufs
Das Format lautet: "MAYDAY, [Name/MMSI des Schiffes in Not], RECEIVED MAYDAY, [Name/MMSI des eigenen Schiffes]".
6. Rechtliche und technische Rahmenbedingungen
- MMSI: 9-stellige Identifikationsnummer für Schiffe und Küstenstationen.
- Seegebiete A1 und A2: A1 umfasst UKW-Abdeckung (ca. 20–30 sm), A2 umfasst zusätzlich MF-Abdeckung (bis ca. 100–150 sm).
- COSPAS-SARSAT: Globales Satellitensystem zur Notfallortung.
- Dringlichkeitsstufen:
- MAYDAY: Unmittelbare Lebensgefahr.
- PAN PAN: Dringende Nachricht zur Sicherheit.
- SECURITE: Sicherheits- oder Wetterwarnung.
- Interferenzvermeidung: Unnötige oder falsche Aussendungen sind untersagt. Sendeleistung auf das notwendige Minimum begrenzen.
- Geheimhaltung: Der Kapitän ist für die Funkstelle verantwortlich. Das Abhören fremder Kommunikation ohne Genehmigung ist verboten.
- Küstenstationen: Bieten Wetterberichte, nautische Warnungen und öffentliche Dienste (z. B. ABERTIS RETEVISION) an.