Goyas Spätwerk: Vom Unabhängigkeitskrieg zu den Schwarzen Bildern
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Phase III (1808–1814): Der Unabhängigkeitskrieg
Diese Phase fällt mit dem Spanischen Unabhängigkeitskrieg (1808–1814) zusammen. Napoleon forderte durch Godoy den Zugang zu Portugal und die Blockade Englands. Als die wahren Absichten Godoys erkannt wurden, kam es zur Meuterei von Aranjuez. Karl IV. dankte zugunsten seines Sohnes Ferdinand ab, was schließlich zum Einfluss Bonapartes und zur Verfassung von 1812 („La Pepa“) führte.
Goyas künstlerische Entwicklung
In dieser Phase übersetzt Goya Szenen der Realität in eine symbolische Überhöhung des Menschen und das Nationalgefühl der Romantik. Komposition, Farbe und Licht erinnern an barocke Theatralik.
Analyse: „Die Erschießung der Aufständischen“ (3. Mai 1808)
Dieses Werk von 1814 zeichnet sich durch großen Realismus, lange, flüssige Pinselstriche und dramatisches Pathos aus. Es zeigt die Hinrichtung anonymer Bürger durch die französische Armee:
- Zentralfigur: Der Mann im weißen Hemd wird wie ein Märtyrer dargestellt, dessen Haltung an das Martyrium des Heiligen Bartholomäus (Ribera) erinnert.
- Kontraste: Die französische Armee wirkt wie eine anonyme „Tötungsmaschine“ (ähnlich dem Schwur der Horatier), während die Verurteilten Schmerz und Angst zeigen.
- Licht und Schatten: Ein Leuchtturm beleuchtet die Szene und verstärkt den Kontrast zwischen Licht und Finsternis sowie zwischen Individuum und Masse.
- Technik: Pastoser Farbauftrag ohne präzise Zeichnung, Fokus auf Lichteffekte auf dem weißen Hemd als Symbol der Freiheit.
Phase IV (1814–1824): Absolutismus und die Schwarzen Bilder
Diese Phase ist geprägt von der absolutistischen Restauration unter Ferdinand VII. (Manifest der Perser) und dem Scheitern des liberalen Trienniums (1820). Goyas schlechter Gesundheitszustand und sein Pessimismus gegenüber dem Absolutismus führten zu den sogenannten „Schwarzen Bildern“ (Pinturas negras).
Die Schwarzen Bilder
Goya bemalte die Wände seines Hauses bei Manzanares mit Ölbildern, die später auf Leinwand übertragen wurden. Sie zeichnen sich durch dunkle Töne (Schwarz, Braun, Erdfarben) und eine aggressive, revolutionäre Technik aus. Sie gelten als Chronik eines „dunklen Spaniens“ und nehmen den Surrealismus sowie den Impressionismus vorweg.
„Der Hexensabbat“ (El aquelarre)
Eine Kritik an Täuschung und Irrationalität. Die Szene zeigt ein Treffen von Hexen, die einer schwarzen Ziege lauschen. Charakteristisch sind die expressionistischen Gesichter, opake Hintergründe und eine dynamische diagonale Komposition.
„Die Milchverkäuferin von Bordeaux“
Dieses Werk (ca. 1822) kündigt den Impressionismus an:
- Technik: Fokus auf Licht und Farbe statt auf präzise Linien.
- Lichtführung: Das Licht umgibt den Kopf des Mädchens und erzeugt eine helle, atmosphärische Wirkung.
- Komposition: Trotz der modernen Technik bleibt die dreieckige Komposition dem klassischen Konzept treu.