Grammatikalische Kompetenz im Sprachunterricht

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Punkt 9: Das System der Sprache I

1. Was umfasst die grammatikalische Kompetenz?

Die kommunikative Kompetenz (Sprechen, Lesen, Zuhören und Schreiben) umfasst verschiedene Fähigkeiten, darunter als führende Komponente die grammatikalische Kompetenz. Diese ist nicht nur eine Ansammlung sprachlicher Spielregeln, sondern auch das Wissen über deren praktische Anwendung. Canale (1985) definiert vier Bereiche der kommunikativen Kompetenz: grammatisch, soziolinguistisch, diskursiv und strategisch (pragmatisch).

Komponenten der grammatikalischen Kompetenz

  • Phonologie: Bedeutung der Sprechkette, Auslassungen, Sprechgeschwindigkeit und Intonationskontraste.
  • Rechtschreibung: Grafie, Orthografie, Segmentierung und Interpunktion.
  • Vokabular: Allgemeine und fachspezifische Begriffe, Bedeutung von Wörtern im Kontext, grammatikalische Funktionen.
  • Morphologie und Syntax:
    • Wortbildung (Flexion von Substantiven, Adjektiven und Verben).
    • Beziehungen zwischen Pronomen, Substantiven und Verben sowie Wortableitungen.
    • Satzbildung: Struktur und Bedeutung von Sätzen im Kontext.

Das Wesentliche dieser Beschreibung ist nicht die theoretische Auflistung grammatikalischer Konzepte, sondern die Entwicklung des „Know-how“ – also der praktischen Fähigkeiten des Lernenden.

Grammatikziele

Das Ziel ist die Entwicklung sprachlicher Fähigkeiten, d. h. die Verwendung, Produktion und das Verständnis der Sprache. Wir konzentrieren uns auf folgende Punkte:

1. Explizite und implizite Grammatik

Es gibt zwei grundlegende Manifestationen der Grammatik:

  • Implizite Grammatik: Das unbewusste Wissen eines Sprechers über seine Sprache.
  • Explizite Grammatik: Die wissenschaftliche Theorie und Erklärung der Sprachmechanismen.

Die implizite metasprachliche Reflexion wird ohne formale Manipulation erworben. Es ist wichtig, den Sprachunterricht nicht mit dem Studium der Sprachwissenschaft zu verwechseln. Unsere Schüler müssen den korrekten Gebrauch der Sprache erlernen, nicht bloße Theorie. Die implizite Grammatik sollte die Basis bilden, während die explizite Grammatik eine nützliche Ergänzung darstellt.

2. Nutzen der Grammatik

Neben der Kommunikation dient die Grammatik als Instrument des Denkens und der Reflexion. Eine strukturierte Syntax hilft Lernenden, ihr Denken zu ordnen und zwischen Wesentlichem und Nebensächlichem zu unterscheiden. Zudem ist grammatikalisches Wissen Teil der allgemeinen kulturellen Bildung.

3. Aktuelle grammatikalische Terminologie

Oft beschränken sich Änderungen im Sprachunterricht nur auf eine „Modernisierung“ der Terminologie (z. B. die Umbenennung von Satzgliedern), was bei Lehrern und Schülern oft zu Verwirrung führt. Es ist wichtiger, die Sprache korrekt anzuwenden, als die neuesten linguistischen Theorien zu beherrschen. Strukturelle, beschreibende Methoden sind oft praktischer und leichter verständlich als rein theoretische Ansätze, die den Sprachunterricht auf die reine Satzanalyse reduzieren.

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