Die griechische Lyrik: Gattungen, Dichter und Merkmale
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Die Entwicklung der griechischen Lyrik
Ursprünglich waren es Volkslieder. Diese populären Lieder erhielten einen Zustrom epischer Dichtung, wodurch sie an Würde gewannen und ihre Metrik regularisiert wurde. Die Lyrik entstand in Kleinasien während der archaischen Zeit, als sich diese neue literarische Gattung herausbildete:
- In der Polis basierte die Wirtschaft nicht mehr nur auf Landwirtschaft, sondern auch auf Industrie und Handel.
- Es entstanden neue soziale Klassen.
- Die Gesellschaft suchte nach neuen Idealen.
Es entwickelte sich eine intime Poesie, die von einzelnen Autoren verfasst wurde. Die Themen dieser Lyrik bewegen sich im Bereich des Persönlichen. Man unterscheidet folgende Untergattungen:
- Monodische Lyrik
- Chorlyrik
- Jambische Poesie
- Elegische Poesie
- Hellenistische Dichtung
1. Monodische Lyrik
Diese Gattung blühte auf der Insel Lesbos auf. Die Poesie von Alkaios und Sappho zeichnet sich durch die Monodie aus:
- Eine raffinierte Poesie ohne Künstlichkeit.
- Stärker persönlich als andere lyrische Formen.
- Geschrieben im lesbischen Dialekt.
Sappho: Ihre Poesie ist der Liebe gewidmet. Es gibt persönliche, intime Gedichte sowie Hochzeitslieder (Epithalamien). Viele Gedichte sind Frauen gewidmet. Sie nutzte die sogenannte sapphische Strophe und wurde von lateinischen Dichtern wie Catull und Ovid nachgeahmt.
Alkaios: Er verfasste leidenschaftliche und gewalttätige Angriffe auf politische Gegner, wobei er deren physische und moralische Defekte bloßstellte. Zudem thematisierte er den Tod und die Liebe.
Anakreon: Er bewegt sich in einer vielgestaltigen Welt, in der aristokratische Ideale in den Hintergrund treten. Er besingt die Gaben der Aphrodite und die Freuden des Festes mit erotischem Charakter. Er zeigt Originalität in Metaphern und der Verwendung von Epitheta.
2. Chorlyrik
Diese Gedichte wurden von einem Chor bei gemeinschaftlichen Feiern rezitiert und oft von Saiteninstrumenten begleitet. Zu den Formen gehören Epinikien, Hymnen und Prozessionslieder.
Pindar ist der prominenteste Dichter dieses Genres. Seine Werke spiegeln die aristokratische Ideologie des griechischen Adels wider, insbesondere die Konzepte des angeborenen und vererbten Charakters. Er ist bekannt für seine Epinikien, in denen er Sieger bei Sportspielen lobt. Diese Oden werden in vier Kategorien unterteilt: olympische, pythische, nemeische und isthmische Oden. Die Struktur des Epinikions ist dreigliedrig: mythischer Teil, Nachrichten und gnomische Elemente.
3. Jambische Poesie
Die jambische Poesie scheint in obszönen, volkstümlichen Spottliedern verwurzelt zu sein. Das Metrum war nah an der gesprochenen Sprache.
Archilochos: Der wichtigste Vertreter. Er drückt grundlegende Gefühle wie Liebe und Hass aus. Sein Hauptmerkmal ist der beißende Spott, der oft in Flüche und Sarkasmus umschlägt.
Semonides: Drückt in seiner Dichtung einen absoluten Pessimismus aus.
Hipponax: Bekannt für seine kritische, spöttische Art und zahlreiche obszöne Beschreibungen.
4. Elegische Poesie
Ursprünglich ein Klagelied, oft bei Leichenschmausen. Das elegische Distichon besteht aus einem Hexameter und einem Pentameter. Die Elegie zeigt starken Einfluss des Epos.
- Kallinos: Ermutigt in seinen Gedichten zum Kampf für die Stadt.
- Tyrtaios: Seine Dichtung betont die Notwendigkeit, das Leben für den Sieg an der Front zu riskieren.
- Mimnermos: Beklagt den Lauf der Zeit und den Verlust der Jugend.
- Solon: Verarbeitete politische und moralische Ermahnungen in seinen Elegien.
- Theognis: Seine Elegien thematisieren Liebe, Sehnsucht nach vergangenen Zeiten und aristokratische Ideale.
5. Hellenistische Lyrik
Dichter wurden zu Gelehrten, die die Klassiker studierten und bewusst imitierten (die sogenannte „Kunst allusiva“). Themen sind oft tragische Liebe, aber auch Humor und Ironie.
Kallimachos: Seine Hymnen und Aitia (Sammlungen mythologischer Geschichten) sind von Gelehrsamkeit und einem belehrenden Ton geprägt. Er nutzt einen variablen Stil mit Dialogen und direkten Ansprachen.
Teokrit: Er ist bekannt für seine bukolische Dichtung, die sich durch Detailreichtum, Sentimentalität und die Erforschung mythologischer Stoffe auszeichnet" }