Das Groteske bei Valle-Inclán: Theorie und Merkmale
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Das Groteske bei Valle-Inclán
Der Begriff „Grotesk“ leitet sich von der Volksstimme ab und trägt Bedeutungen wie „Verschwendung“ und „Hässlichkeit“. Valle-Inclán verwendet diesen Begriff, um sein Theater zu definieren. Die Figuren sind oft unfähig, die Höhe ihrer Tragödie zu erreichen, da sie in einer lächerlichen Position verharren.
Die Theorie des neuen Genres
Die Theorie über das neue Genre erscheint in Szene XII. Dort sagt die Hauptfigur: „Unsere Tragödie ist keine Tragödie.“ Die Tragödie gilt als ein zu edles Genre für die umliegende Landschaft. Die Unmöglichkeit der Tragödie führt zur Leere. Die Natur dieser ästhetischen Deformation wird durch konkave Spiegel dargestellt, die einst die Fassade eines Geschäftes in der Cat Street in Madrid schmückten.
Die drei ästhetischen Perspektiven
In einem Interview im Jahr 1928 erklärte Valle-Inclán, dass man die Welt auf drei Arten ästhetisch betrachten kann:
- Kniend: Die Charaktere werden als Helden betrachtet, die uns überlegen sind.
- Stehend: Die Charaktere sind uns ebenbürtig, wie unsere Brüder.
- Von oben (in die Luft gehoben): Wir betrachten die Charaktere als Puppen oder Marionetten.
Struktur und Merkmale des Grotesken
Der Hauptcharakter stirbt drei Szenen vor dem Ende des Werkes, was das Urteil eines Betrunkenen unterstreicht: „Wir haben eine Tragödie.“ Die Verformung wird durch die Parodie des Melodrams gekennzeichnet. Kritiker betonen, dass die groteske Wirklichkeit durch Satire abgebaut wird.
Merkmale nach Ángel Lasanta (1980)
- a) Ausdrucksform: Verschmelzung von menschlichen und tierischen Formen.
- b) Systematische Verzerrung: Überzeichnung der Wirklichkeit, um gesellschaftliche Widersprüche hervorzuheben.
- c) Dual-Code: Verwendung doppelter Bedeutungsebenen.
- d) Heftige Kontraste: Führen oft zum absurden Unsinn.
- e) Präsentation des Außergewöhnlichen: Groteske Charaktere sind oft keine gewöhnlichen Personen, obwohl ihre menschliche Realität mit anderen identifizierbar bleibt.
- f) Präsenz des Todes: Ein fundamentales Charakteristikum.
- g) Prosopopöische Balance: Animalisierungsprozess, der sich auf die körperliche und seelische Präsenz der Individuen auswirkt.
- h) Sprache: Gewaltvolle Sprache und formale Freiheit.