Grundlagen und Ansätze der moralischen Erziehung
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Grundlagen der moralischen Erziehung
Wir verstehen moralische Verantwortung als die Fähigkeit, auf das eigene Verhalten zu reflektieren und bewusst zu handeln (vom lateinischen responsum – antworten).
Eine moralische Person ist eine verantwortungsbewusste Person, die auf ethischen Grundsätzen basiert. Ihr Verhalten zielt nicht darauf ab, anderen zu schaden, sondern für sie zu sorgen. Moralische Erziehung lehrt uns, verantwortungsbewusst zu leben.
Genesis des Gewissens
Das Gewissen entsteht durch persönliche Reflexion und wird zum Richter über das eigene Leben. Es verhindert das „Wegschauen“ vor dem Anderen und appelliert an ethische Grundsätze.
- Soziale Herkunft: Ergebnis der Interaktion durch Sprache (Mead, Wygotski).
- Mitgefühl: Rousseau betont die fast instinktive Reaktion auf das Leid anderer.
- Psychoanalyse: Freud sieht darin die Bildung des Über-Ichs.
- Mitleidsethik: Schopenhauer begründet Moral auf Mitleid.
- Vernunftethik: Kant basiert Moral auf universellen Prinzipien.
Arten der Moral
Moral ist eine menschliche Qualität, die uns durch unsere Vernunft von Tieren unterscheidet. Als moralische Person sind wir verantwortlich für:
- Menschen in der Ferne und Ungeborene.
- Verstorbene und alle Lebewesen.
- Den verantwortungsvollen Umgang mit Dingen (gemeinsames Erbe).
- Unsere Gemeinschaft.
Theoretische Positionen
- Kantische Moral: Formal, transzendental und universell.
- Ethik der Fürsorge: Mitleidsethik (Schopenhauer, Levinas, Horkheimer).
Warum moralische Erziehung?
- Notwendigkeit von Werten: Ohne moralische Selbstregulierung würde das Chaos herrschen. Erziehung hilft uns, uns von rein instinktgesteuertem Verhalten zu distanzieren.
- Möglichkeit der Werteerziehung: Werte können durch empirische Beobachtung und gezielte pädagogische Strategien vermittelt werden.
Definition moralischer Erziehung
Moralische Erziehung ist keine religiöse oder politische Indoktrination, sondern lehrt den Respekt vor anderen und die Verantwortung für das eigene Handeln.
Aktuelle Ansätze
Sozialisationstheorie (Piaget)
Piaget beschreibt sechs Stadien der moralischen Entwicklung, wobei die sittliche Reife etwa mit 19 bis 20 Jahren erreicht wird. Die Entwicklung verläuft parallel zur kognitiven Reifung und ist durch soziale Interaktion motiviert.
Kognitive Entwicklungstheorie (Kohlberg)
Kohlberg unterteilt die Entwicklung in drei Ebenen:
- Prä-konventionelle Ebene: Gehorsam und instrumentelle Orientierung.
- Konventionelle Ebene: Zwischenmenschliche Konkordanz und Aufrechterhaltung der Ordnung.
- Post-konventionelle Ebene: Gesellschaftsvertrag und universelle ethische Prinzipien.
Pädagogische Implikationen: Einsatz von moralischen Dilemmata zur Förderung des Denkens.
Character Education
Als Reaktion auf gesellschaftliche Probleme wie Gewalt und Korruption betont dieser Ansatz die Schule als Ort der Wertevermittlung. Er umfasst:
- Moralisches Wissen: Begriffe wie Pflicht, Dankbarkeit und Integrität.
- Moralische Gefühle und Verhalten: Die Umsetzung in tugendhaftes Handeln.
Moralische Erziehung als Pädagogik der Alterität
Dieser Ansatz versteht Moral als Widerstand gegen das Böse, die aus der Begegnung mit dem Leid des Anderen erwächst. Er fordert:
- Die Kündigung von Ungerechtigkeit.
- Die Förderung einer „Vernunft der Gefühle“, die uns zum Kümmern bewegt.
- Die Befreiung des Menschen aus Strukturen, die ein Leben in Würde verhindern.