Grundlagen der Diskursanalyse und Pragmatik

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Voraussetzungen und ihre Taxonomie

Grundannahmen sind eine Art sprachlicher Schluss. Der Unterschied zu Implikaturen besteht darin, dass diese auf Kontextannahmen beruhen, während Voraussetzungen in die sprachliche Struktur der Sätze eingebaut sind. Voraussetzungs-Trigger sind sprachliche Ausdrücke, die Voraussetzungen auslösen (z. B. „Karls Autopanne“ setzt voraus, dass Karl ein Auto besitzt; Trigger: „brach“).

Green präsentiert eine Taxonomie mit drei Arten von Voraussetzungen:

  • Existenzvoraussetzungen: Betreffen die Existenz von Kennzeichnungen (z. B. „Bitte das Fenster schließen“ setzt voraus, dass ein Fenster existiert und offen ist).
  • Faktische Voraussetzungen: Ein Satz wird als wahr vorausgesetzt (z. B. epistemische Verben wie „wissen“ oder emotionale Verben wie „froh sein“). Counterfactive Verben (z. B. „so tun als ob“) setzen voraus, dass das Komplement nicht wahr ist.
  • Konnotationen: Eingeschränkte Verwendung lexikalischer Einheiten (z. B. „ermorden“ impliziert Tötung mit Absicht).

Prozess der Bezugnahme (Referenz)

Die Funktion des Verweises ermöglicht es, über Dinge außerhalb unserer unmittelbaren Umgebung zu sprechen. Verschiedene Arten der Referenz:

  • Homophorisch: Abhängig von kulturellem Allgemeinwissen (z. B. „die Sonne“).
  • Anaphorisch: Bezieht sich auf zuvor Genanntes (z. B. „Das ist meine Schwester, sie lebt in Kanada“).
  • Bridging: Ableitbare Referenz aus dem Kontext.
  • Kataphorisch: Ein Wort bezieht sich auf etwas, das später im Text folgt.
  • Esphorisch: Identifikation innerhalb der Nominalgruppe (z. B. „die blaue Tür“).
  • Exophorisch: Bezugnahme außerhalb des Textes auf die Situation.

Analyse der Larry King Show

Die Analyse der Gesamtorganisation umfasst Eröffnung, Hauptteil (Themen-Slots) und Schluss. Wichtige Konzepte sind:

  • Steuerung: Wer kontrolliert das Gespräch?
  • Backchannels: Signale wie „mmm“ oder „yeah“, die Aufmerksamkeit zeigen.
  • Adjacency Pairs: Sequenzen von zwei Äußerungen (z. B. Gruß-Gruß, Frage-Antwort).
  • Reparatur: Korrektur von Missverständnissen (selbst- oder fremdinitiiert).

Höflichkeitstheorien

Nach Fraser (1990) gibt es kein einheitliches Verständnis von Höflichkeit. Er unterscheidet vier Ansätze:

  1. Soziale Norm: Einhaltung gesellschaftlicher Regeln.
  2. Konversationsmaximen: Basierend auf Grice’s Kooperationsprinzip.
  3. Gesichtswahrung (Face-saving): Brown & Levinson betonen das positive Gesicht (Wunsch nach Anerkennung) und das negative Gesicht (Wunsch nach Autonomie).
  4. Konversationsvertrag: Höflichkeit als Einhaltung aktueller Vertragsbedingungen.

Ethnographie der Kommunikation (EOC)

Die EOC untersucht kommunikative Muster in kulturellen Kontexten. Dell Hymes entwickelte das SPEAKING-Modell:

  • Setting (Ort/Zeit), Participants (Teilnehmer), Ends (Ziele), Act Sequence (Inhalt/Form), Key (Tonfall), Instrumentalities (Kanal), Norms (Interaktionsregeln), Genre (Textkategorie).

Interdisziplinarität der Diskursstudien

Diskursstudien sind interdisziplinär, da sie Linguistik, Psychologie, Soziologie, Anthropologie und Semiotik verbinden. Ein Beispiel ist die Analyse von Körpergesten in unterdrückten sozialen Gruppen, um Machtverhältnisse zu verstehen.

Interactional Sociolinguistics

Gumperz betont Kontextualisierungshinweise (z. B. Intonation, Code-Switching), die pragmatische Bedeutung steuern. Missverständnisse entstehen oft, wenn Sprecher diese Hinweise unterschiedlich interpretieren.

Sprechakttheorie

Austin und Searle unterscheiden drei Akte:

  • Lokutionär: Die Äußerung selbst.
  • Illokutionär: Die beabsichtigte Handlung (Versprechen, Befehl).
  • Perlokutionär: Die Wirkung auf den Hörer.

Searle klassifizierte Sprechakte in Repräsentativa, Direktiva, Kommissiva, Expressiva und Deklarativa.

Korpuslinguistik

Ein Korpus ist eine große Sammlung natürlicher Sprachdaten. Merkmale sind Empirie, Computergestützte Analyse und quantitative Methoden. Korpora sind für die Diskursanalyse wertvoll, da sie objektive Beschreibungen von Sprachmustern ermöglichen.

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